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Immobilienpoker: Dubiose Geschäfte eines Wohnungskonzerns

Stand: 27.06.2022 15:11 Uhr

Der Immobilienkonzern Adler Group hat wohl im großen Stil Rechnungen nicht bezahlt. Offenbar war es Firmenpolitik, Zahlungsverpflichtungen so lange wie möglich hinauszuzögern.

Offenbar war es Firmenpolitik, Zahlungen – auch an Handwerkerbetriebe - so lange wie möglich hinauszuzögern. Die Adler Group hat sich auf Anfragen der Sender hierzu nicht geäußert. Christoph Twickel hat acht Monate lang fragwürdige Immobiliendeals und Konzern-Übernahmen der Adler Group nachverfolgt, um das komplizierte Firmengeflecht um den Wohnungskonzern zu entwirren und seinem teils aggressiven Geschäftsgebaren nachzugehen. Im Podcast kommen auch geprellte Handwerker und enttäuschte Immobilienkäufer zu Wort, die seit Jahren auf ihre Wohnungen warten.

Stillstand auf deutschen Baustellen

Und Jonas ist im Podcast zu hören: Er sucht eine Wohnung in Hamburg-Altona. Warum nicht auf dem Holsten-Areal, wo früher die Brauerei war. Da sollen 1.200 Wohnungen entstehen. Wäre was für ihn dabei? Eher nicht. Denn die Firma, die das Gelände gekauft hat, wird da möglicherweise nie eine Wohnung hinsetzen. Denn dieser Konzern – die Adler Gruppe – scheint lieber mit Grundstücken zu spekulieren als die versprochenen Wohnungen zu bauen. Wohnungsbaupolitisch ist das fragwürdig, denn Deutschland braucht dringend mehr Wohnraum und zwar günstigen.

Juristisch ist es oft erlaubt, und politisch sind die Verantwortlichen meistens machtlos. Die Adler Gruppe hat das Spiel ein bisschen zu weit getrieben und sich verzockt. In der Finanzwelt geht nun die Angst vor einer Megapleite um, vor Vertrauensverlust. Immobilien gelten als Betongold, die einzig sichere, lukrative Option, um Vermögen anzulegen.

Das Holsten-Areal in Hamburg-Altona

Holsten-Bauerei: Die Baustelle auf dem Gelände der alten Holsten-Brauerei in Hamburg. © NDR Foto: Konrad Winkler
Holsten-Bauerei: Auf dem alten Holsten-Areal sollen 1.200 Wohnungen entstehen.

Die Adler Gruppe, ein Wohnungsunternehmen mit seinerzeit 70.000 Wohnungen, war ein aufsteigender Stern am Immobilienfirmament. Ihre Tochterfirma Consus rühmte sich, der größte Projektentwickler Deutschlands zu sein. Riesige Bauareale in Premiumlage in Deutschland Top-9-Städten, zum Beispiel in Hamburg, Berlin, Düsseldorf. Aber was, wenn der Immobilienriese nicht baut, sondern mit den Grundstücken nur jongliert? Wenn er sie nur dafür nutzt, in den Bilanzen ihren Wert hochzujazzen, wenn er durch Scheinverkäufe, immer neue Wertgutachten und überhöhte Preise zwar auf Papier immer größer und reicher wird, aber auf den Baustellen Flaute herrscht?

Der Steglitzer Kreisel in Berlin

Der im Zuge des Wirecard-Skandals bekannt gewordene Shortseller Fraser Perring hatte dem Unternehmen Betrug und Bilanzfälschung vorgeworfen. Die Adler Group bestritt alle diese Vorwürfe. Eine von Adler beauftragte Untersuchung durch die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG Ende April brachte jedoch keine vollständige Entlastung. In der Dokumentation „Immobilienpoker – Die dubiosen Geschäfte eines Wohnungskonzerns“ spitzt Perring seine Vorwürfe zu. Er hält mit Adler verbundenen Personen vor, andere Unternehmen übernommen und ihren Wert künstlich „aufgebläht“ zu haben, um sie dann „auszuplündern“.

Ein Whistleblower meldet sich

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Im Podcast "Immobilienpoker" kommt - neben Verantwortlichen aus Politik und Kontrollorganen sowie Geschädigten wie Käufer*innen und Menschen aus Handwerksbetrieben - ein Whistleblower zu Wort. Weil er unerkannt bleiben möchte, werden seine Aussagen nachgesprochen. Christoph Twickel beschreibt eine investigative Recherche in einer Multi-Millionen-Euro-Branche, die sich seit langem staatlicher Kontrolle entzieht. Und Jonas sucht weiter. Denn: Die bauen nicht, die werben nur.

Der Podcast entstand im Zusammenhang und auf Basis der Recherche für Die Story im ERSTEN.

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Die Story im Ersten: Immobilienpoker

Eine investigative Recherche über das Geschäftsgebaren eines großen deutschen Immobilienkonzerns. extern

Blick auf das sogenannte Holsten-Areal, ehemaliger Sitz der Holsten-Brauerei in Hamburg © picture alliance / dpa Foto: Marcus Brandt

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | 27.06.2022 | 16:00 Uhr

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