Stand: 12.01.2016 17:59 Uhr  | Archiv

Flüchtlingshelfer: "Übergriffe schaden allen"

von Alena Jabarine

Im ersten Stock eines Altbaus am Hamburger Hauptbahnhof. Täglich empfangen freiwillige Helfer hier Hunderte Flüchtlinge auf der Durchreise, viele der Neuankömmlinge wollen weiter nach Skandinavien. Einer der Ehrenamtlichen ist Sigurd Petersen. Der Immobilienwirt aus Bönnigstedt verbringt hier täglich zwölf bis 16 Stunden, und das obwohl er vorher mit Flüchtlingshilfe nichts am Hut hatte. Ein Lebenswandel, der in seinem Bekanntenkreis nicht nur auf Zuspruch stößt - vor allem nach den Übergriffen in Köln und Hamburg.

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"Gerade im privaten Bereich gibt es Menschen, die sagen: Wir haben es ja immer gewusst, lass das doch sein, was soll das!", erzählt er. Da müsse man viel erklären, aufklären und vor allem aushalten können, so Petersen. Er sei erschrocken darüber, was in seinem Freundeskreis teilweise für Ansichten vorherrschen würden. Ein paar langjährige Freundschaften seien über der Thematik sogar auseinandergegangen. Aber das sei auch gut so, so Petersen, denn solchen Freundschaften trauere er nicht nach. "Dafür habe ich viele neue Freundschaften geschlossen, die wiegen das wieder auf."

"Es sollte so sein"

Auch Detlev und Ulrike Beckmann haben durch ihr Engagement Freunde gefunden. Als sie bei der neuen Flüchtlingsunterkunft in ihrer Nachbarschaft Kleiderspenden abgeben wollten, lernten sie die Iraker Asraa und Wathiq kennen. Für Ulrike Beckmann eine schicksalhafte Begegnung: "Wir liefen uns über den Weg und mochten uns. Es sollte so sein."

Seitdem kümmern die Beckmanns sich um die irakische Familie. Asraa war damals hochschwanger, mittlerweile ist die kleine Sama geboren. Die Geburt des kleinen Mädchens hat die Familien noch enger zueinander gebracht. So waren auch die Übergriffe in Köln und Hamburg ein Thema. Detlev Beckmann sei überrascht gewesen, erzählt der Landwirt, wie entrüstet die Iraker auf die Vorfälle reagiert hätten. "Ich glaube, die Wut der Flüchtlinge auf die Landsleute und auf die anderen Flüchtlinge ist sehr viel größer, als die Wut, die wir Deutschen haben. "

Die elfjährige Jule und der 18-jährige Will-Hendrik sind stolz auf das Engagement ihrer Eltern. Vor allem Will-Hendrik mache es böse, wenn er mit Vorurteilen seiner Altersgenossen konfrontiert werde: "Ich sage ihnen dann: Geh ins Flüchtlingsheim, lern Menschen kennen, engagier dich! Dann siehst du, dass das Menschen sind wie du und ich."

Engagement im Kleinen

Viele Vorurteile habe die Familie durch den Kontakt zu ihren neuen Freunden abbauen können, erzählt Ulrike Beckmann. Dennoch hätte sie immer damit gerechnet, dass es in Deutschland irgendwann auch zu schweren Problemen kommen könnte. Denn bei der Integration der Flüchtlinge habe die Politik einiges falsch gemacht. "Und gerade deswegen machen wir das ja auch im Kleinen, dass wir versuchen, Menschen zu integrieren, damit so etwas zukünftig nicht vorkommt."

Familie Beckmann versteht ihr Engagement als Beitrag für ein besseres Miteinander. Sie wollten keine Almosen Verteilen, so Detlev Beckmann, sondern Geborgenheit geben und vor allem Hilfe zur Selbsthilfe leisten. Aus diesem Grund habe er auch schon zwei befreundete syrische Flüchtlinge in seiner Firma eingestellt.

 

Dieses Thema im Programm:

Panorama 3 | 12.01.2016 | 21:15 Uhr

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