Stand: 28.03.2019 17:08 Uhr

Das System Luftverkehr stößt an seine Grenzen

Zum zweiten Mal haben sich in Hamburg Vertreter der Branche und der Politik zu einem Luftverkehrsgipfel getroffen. Das größte Thema: die Zuverlässigkeit im Flugverkehr. Die Zahl der Verspätungen und Flugausfälle ist zuletzt nämlich gestiegen - aus den unterschiedlichsten Gründen. Und Entwarnung für den Urlaubs-Sommer gibt es nicht: "Wir sind dran, wir sind bemüht", sagte Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU). "Aber wir können für den Sommer 2019 nicht alle endlos glücklich machen." Viele müssen mitwirken: Flughäfen, Fluglinien, Flugsicherung. Die Zahl der geplanten Flüge steigt unterdessen weiter.

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Müssten Airlines nur die gleichen Steuern zahlen wie Auto- und Bahnfahrer, wäre schon einiges gewonnen, meint Jörg Pfuhl.

Der erste Härtetest kommt schon an Ostern. Dann werden wir sehen, ob die vielen kleinen Anstrengungen etwas gebracht haben. Hier ein Reserveflugzeug mehr, dort eine neue Überholspur für den Check-in, hier ein paar Minuten Zeitpuffer, dort ein paar zusätzliche Mechaniker.

Alle Beteiligten, von Airlines über Lotsen bis zu Flughäfen, puzzeln in ihren Ecken, ziehen und strecken, wo es geht - sie optimieren im Rahmen des Bestehenden.

Deutsche Infrastruktur ist auf Kante genäht

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Gipfel in Hamburg: Was geht ab in der Luft?

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Beim zweiten Luftfahrt-Gipfel geht es in Hamburg um die Situation des Flugverkehrs in Deutschland. Das Ziel: Es soll weniger Flugausfälle und -verspätungen geben. Video (04:17 min)

Aber das ist auch der Punkt: Die deutsche Infrastruktur ist auf Kante genäht, da ist nicht mehr viel raus zu pressen an Effizienz. Und alles andere dauert. Die Ausbildung neuer Fluglotsen: drei bis vier Jahre. Mehr Verkehr auf die Schiene: noch viel länger. Ganz besonders zäh ist alles, worin Behörden involviert sind. Über den "Single european sky“, den einheitlichen europäischen Luftraum, wird seit 20 Jahren geredet, aber weder wollen sich Franzosen in ihre militärischen Sperrgebiete reinreden lassen noch deutsche Fluglotsen ihre Kleinstaaterei aufgeben.

Und wenn Flugzeuge am Boden bleiben, weil an den Sicherheitskontrollen gestreikt wird, dann wäscht die eigentlich zuständige Bundespolizei ihre Hände in Unschuld: Den Job hat man eben an Private ausgelagert.

Wir alle sind Teil des Problems

Es sind aber nicht nur Gewinnstreben, nationale Eigeninteressen oder Behördenträgheit, die das System Luftverkehr an seine Grenzen stoßen lassen. Es sind auch wir alle, die wir immer mehr fliegen und dabei wie selbstverständlich verlangen, dass alles funktioniert - schließlich haben wir doch bezahlt.

In den vergangenen 25 Jahren hat sich der Luftverkehr in Deutschland verdreifacht. Weltweit soll er sich in den kommenden 20 Jahren verdoppeln. Dass die Infrastruktur da mithalten kann, das mögen Autokratien wie China, die Türkei oder die Golfstaaten hinkriegen. Hier dagegen ist in keiner einzigen deutschen Großstadt mehr eine neue Startbahn durchsetzbar. Der letzte Versuch war in München, weit draußen vor den Toren der Stadt - er ist gerade erst krachend gescheitert.

Fliegen ist eigentlich zu günstig

Am Ende stellt sich also nicht nur die Frage, wie wir das bisherige System optimieren, um mehr Passagiere pünktlich und preiswert von A nach B zu fliegen. Sondern es stellt sich auch die Frage, wie sinnvoll es ist, immer mehr Passagiere durch die Luft zu kutschieren?

Der Flugverkehr wächst so rasant, weil er so günstig ist. Müssten Airlines nur die gleichen Steuern zahlen wie Auto- und Bahnfahrer - also Steuern auf Benzin oder Mehrwertsteuer auch auf internationale Tickets -, dann wäre schon einiges gewonnen. Wenn auch vielleicht der eine oder andere Billigflug verloren.

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Ein halbes Jahr nach dem ersten Luftfahrtgipfel haben Vertreter der Branche ein durchwachsenes Zwischenfazit gezogen. Für das laufende Jahr seien nach wie vor Verspätungen möglich. mehr

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NDR Info | Kommentar | 28.03.2019 | 17:08 Uhr

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