Stand: 22.05.2018 17:55 Uhr

Wie können Radfahrer gefahrlos radeln?

von Nils Naber, Stella Peters

Luftverschmutzung, Lärm, Staus und immer mehr Fahrzeuge - Städte kämpfen heute an vielen Fronten mit negativen Folgen des Autoverkehrs. Eine Lösung könnte das Fahrrad sein. Denn Fahrräder sind leise, stoßen keine Schadstoffe aus und benötigen wenig Fläche auf Straße und Parkplatz. Ob es gelingt, künftig mehr Menschen für das Zweirad zu begeistern, hängt offenbar auch davon ab, wie viel Spaß das Radfahren macht.

Reporter Nils Naber auf dem Fahrrad

Fahrradwege: Wie können Radfahrer gefahrlos radeln

Panorama 3 -

Ob die Verkehrswende gelingt, hängt auch davon ab, mehr Menschen fürs Radfahren zu begeistern. Doch der Platz auf den Straßen ist begrenzt - der Weg zur Fahrradstadt weit.

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Salzgitter: Radfahren ist kein Vergnügen

In Salzgitter fangen die Problem da schon an: Heinz Motruk vom örtlichen Kreisverband des Fahrradclubs ADFC meint, in seiner Stadt fehle der politische Wille sich wirklich nachhaltig um den Radverkehr zu kümmern. Beim aktuellsten FahrradKlimaTest des ADFC landet Salzgitter unter den Städten zwischen 50.000 und 100.000 Einwohnern im Norden auf dem vorletzten Platz. Der ADFC hat für die Beurteilung der Rad-Infrastruktur im Jahr 2016 bundesweit über 120.000 Menschen in 539 Orten befragt. "Wer sich auf den Radwegen wohlfühlt, fährt auch Rad. Und wer sich nicht wohlfühlt, lässt sein Fahrrad im Keller. Das scheint hier das große Problem zu sein, dass man sich einfach nicht wohlfühlt", so Motruk.

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Unzufrieden mit der Situation in Salzgitter: Heinz Motruk vom ADFC.
Nur elf Prozent Radfahrer

Attraktive Radwege kosten Geld - und das hat Salzgitter nicht. Jährlich stehen hier nur 125.000 Euro für den Radverkehr zur Verfügung. Große Projekte wie Fahrrad-Schnellwege zwischen den einzelnen Ortsteilen sind Zukunftsmusik. "Bei uns in Salzgitter hat zurzeit der Bau von Schulen und Kindergärten erste Priorität", meint der zuständige Stadtrat Michael Tacke. Er verweist darauf, dass die Verwaltung schon sehr viel für die Rad-Infrastruktur mache. Dennoch liegt der Anteil des Radverkehrs am gesamten Verkehrsaufkommen bei nur elf Prozent.

Was dürfen Radfahrer - und was müssen sie?

Hamburg: Ehrgezigie Ziele ...

In Norddeutschlands größter Stadt Hamburg hat der Senat ein ehrgeiziges Ziel ausgerufen: In den 2020er-Jahren soll der Anteil des Radverkehrs am gesamten Verkehrsaufkommen bei 25 Prozent liegen. Dafür investiert die Hansestadt seit Längerem viel Geld in ihre Rad-Infrastruktur: im vergangenen Jahr allein 15 Millionen Euro.

Über Jahrzehnte spielte das Zweirad nur eine Nebenrolle. Der Zustand von Fahrradwegen erschien der Lokalpolitik lange nicht so wichtig. Das Problem: Besonders in Großstädten wie Hamburg ist der Verkehrsraum begrenzt. Der Senat scheut es, Auto-Fahrspuren für bessere und breitere Radwege opfern. "Das ist aus unserer Sicht nicht die Lösung", meint Susanne Meinecke, Pressesprecherin der zuständigen Wirtschaftsbehörde. "Wir würden diesen Pkw-Verkehr am Ende des Tages auch nur verlagern." Die Behörde setzt vielmehr auf ein stärkeres Miteinander aller Verkehrsteilnehmer.

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... wenig Konsequenz

Stefan Schurig berät Städte und setzt sich seit vielen Jahren für nachhaltige Stadtentwicklung ein. Er glaubt nicht, dass man Fahrrad- und Autostadt gleichzeitig sein kann. "Ich glaube, dass es tatsächlich noch ein Umdenken braucht, auch auf der höchsten Ebene. Das Fahrrad ist ein vollwertiges, ebenbürtiges Verkehrsmittel neben dem Auto", meint Schurig.

Bis heute findet er die Bemühungen in Hamburg nicht konsequent genug. So kritisiert er den Bau der sogenannten Schutzstreifen, einer durch einen weißen Streifen markierten Radwegspur auf der Fahrbahn. Dort würden häufig Autos parken oder halten. "Und das ist für Fahrradfahrerinnen und Fahrradfahrer in dem Moment ein tödliches Risiko. Sie müssen dann auf die Hauptverkehrsstraße ausweichen, wo Lastwagen fahren, und das ist die gefährlichste Situation, die man sich vorstellen kann", sagt Schurig.

Aus der Wirtschaftsbehörde heißt es dazu, die Schutzstreifen wären objektiv sicherer für den Fahrradfahrer, da Autofahrer sie dort besser sehen könnten. Dass sich Radfahrer dort allerdings subjektiv unsicher fühlen könnten, streitet auch die Stadt Hamburg nicht ab.

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Nicht gerade ein sicheres Gefühl: Reporter Nils Naber auf einem Hamburger Fahrradstreifen - in direkter Nachbarschaft zu einem LKW.
Groningen: "Welthauptstadt des Radfahrens"

Das niederländische Groningen wurde schon als "Welthauptstadt des Radfahrens" bezeichnet. Hier ist etwas erreicht worden, von dem Fahrrad-Begeisterte in Deutschland nur träumen können: Rund 60 Prozent des Verkehrs wird mit dem Fahrrad abgewickelt. Das Ziel der Stadt ist, dass 75 Prozent der Radfahrer in Groningen der Fahrrad-Infrastruktur acht von zehn Punkten geben, meint Jaap Valkema, der bei der Stadt für den Radverkehr zuständig ist: "Wir glauben, umso zufriedener die Fahrradfahrer sind, desto mehr fahren künftig mit dem Fahrrad."

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Der Vater des Erfolges in Groningen: Max van den Berg.

Eingeleitet hatte den Trend zum Radverkehr in den 70er-Jahren der Lokalpolitiker Max van den Berg. Er war erst 24 Jahre alt, als er gegen alle Widerstände dafür sorgte, dass Autos in der Innenstadt von Groningen nur noch eine Nebenrolle spielen. "Damals waren sehr viele Menschen für das Auto", erzählt van den Berg. "Und die Ladenbesitzer waren auch sehr ängstlich, ob das alles klappt. Heute möchte es keiner mehr ändern. Auch die, die damals dagegen waren, nicht."

Dieses Thema im Programm:

Panorama 3 | 22.05.2018 | 21:15 Uhr

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