Stand: 09.03.2018 13:03 Uhr

Neuer Atombomber für die Bundeswehr?

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Drei Aufklärungstornados der Bundeswehr.

Der Tornado ist ein Mehrzweckkampfflugzeug. Das Flugzeug ist inzwischen mehr als 40 Jahre alt. Der Erstflug war 1974. Die Luftwaffe nutzt die Maschine als Aufklärer und Jagdbomber.

Die Maschinen des Taktischen Luftwaffengeschwaders 33 im rheinland-pfälzischen Büchel haben zudem die Aufgabe, am Standort gelagerte US-Atomwaffen eventuell einzusetzen. Es heißt, dass in Büchel 20 B-61 Atombomben gelagert werden - in besonders gesicherten Behältnissen. Über die nukleare Aufgabe lässt der Tornado-Verband die Öffentlichkeit im Unklaren. Auf der Internetseite des Geschwaders wird als Auftrag lediglich angegeben:

"Das Taktische Luftwaffengeschwader 33 leistet gemeinsam mit den verbündeten Streitkräften einen fortwährenden Beitrag für den Frieden Europas. Neben zahlreichen nationalen sowie NATO-Übungen gewährleistet das Geschwader die Bewachung von US-Einrichtungen in der Bundesrepublik Deutschland."

Luftwaffe für F-35

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Die F-35-Kampfflugzeuge gibt es in mehreren Versionen. Sie können auch auf Flugzeugträgern eingesetzt werden.

In der vor zwei Jahren vom Verteidigungsministerium vorgelegten militärischen Luffahrtstrategie bleibt offen, ob es für den Tornado ein neues Kampfflugzeug geben soll. Stattdessen ist von einem künftige Future Combat Air System (FCAS) die Rede. Sehr abstrakt und luftig wird in dem Dokument bekräftigt, dass es sich hierbei nicht um ein "einzelnes Luftfahrzeug, sondern um einen Systemverbund" handelt, der "in seiner finalen Ausbaustufte luftgestützte Wirkung im gesamten Fähigkeits- und Intensitätsspektrum erbringt". Nach bisherigem Stand soll der Tornado noch bis circa 2025 in der Luftwaffe betrieben werden.

Im vergangenen Jahr hat die Bundeswehr das Pentagon schriftlich um Informationen über das neue US-Kampfflugzeug vom Typ F-35 gebeten. Die Maschine ist ausdrücklich auch als Trägersystem von taktischen Atomwaffen ausgelegt. Zuvor hatte es bereits eine deutsche Anfrage zu den US-Flugzeugen vom Typ F-18 und F-15 gegeben.

Auf einer internationalen Fachkonferenz in Berlin machte Luftwaffeninspekteur Karl Müllner klar, dass seine Teilstreitkraft die F-35 bevorzugen würde. Diese Maschine sei für das feindliche Radar schwer zu entdecken und könne bereits aus einer großen Entfernung ihre Waffen einsetzen, wird der Drei-Sterne-General von der Nachrichtenagentur Reuters zitiert.

Militärische Tornado-Vorteile schwinden

Einer der Gründe, warum die Luftwaffe es auf einmal so eilig mit einem Nachfolgeflugzeug hat, ist, dass die militärischen Vorteile des Tornados durch neue Waffentechnologien zunehmend infrage gestellt werden. Das mehr als 40 Jahre alte Kampfflugzeug ist darauf optimiert, seine Ziele im Tiefflug anzugreifen. Auf diese Weise soll die Maschine nicht vom gegnerischen Radar erfasst werden. Doch ein solches Vorgehen ist inzwischen immer schwieriger geworden. Die Luftwaffe teilte NDR Info mit:

"Der Tornado wurde explizit dafür entwickelt, um im Tiefflug die feindliche Flugabwehr unterfliegen zu können. Moderne Luftstreitkräfte verfügen jedoch über Kampfflugzeuge und Flugabwehrraketensysteme, die auch sehr tief fliegende Ziele in der Tiefe des Raums bekämpfen können."

Ministerium setzt auf Eurofighter

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Der Eurofighter war ein klassisches Jagdflugzeug. Jetzt kann er auch als Jagdbomber eingesetzt werden. Demnächst auch als Träger von Atomwaffen?

Während die Luftwaffe die F-35 als Tornado-Ersatz favorisiert, bevorzugt das Verteidigungsministerium eine andere Lösung. Auf Anfrage von NDR Info teilte das Ministerium mit: "Bei der Nachfolge des Waffensystems Tornado wird prioritär das europäische Kampfflugzeug Eurofighter betrachtet."

Das Flugzeug wurde zunächst als reiner Jäger konzipiert, um angreifende gegnerische Kampflugzeuge in der Luft zu bekämpfen. Neuere Modelle haben inzwischen die Fähigkeit, auch Ziele am Boden anzugreifen. Der Eurofigher kann also sowohl die Rolle als Jäger als auch die des Jagdbombers einnehmen.

Künftig nur noch ein Kampfflugzeug?

Nach Ausmusterung des Tornados hätte die Luftwaffe dann allerdings nur noch ein Kampfflugzeug in ihrem Bestand. Bei einem eventuellen Startverbot würden die Luftstreitkräfte keine Maschine einsetzen können. In der militärischen Luftfahrtstrategie von 2016 setzt das Verteidigungsministerium daher auf zwei unterschiedliche Flugzeuge:

"Ein paralleler Betrieb von zwei unterschiedlichen Kampfflugzeugtypen mit teilweise überlappenden Fähigkeiten sichert dabei eine operationelle Flexibilität und eröffnet die Möglichkeit eines sukzessiven Austauschs der Flugzeugmuster, ohne dabei temporär zentrale Fähigkeiten zu verlieren."

Auf diesen Widerspruch von dem verteidigungspolitischen Sprecher der Grünen-Fraktion, Tobias Lindner, in einer schriftlichen Anfrage hingewiesen, relativierte das Verteidigungsministerium in seiner Antwort an den Abgeordneten die Aussage des Dokuments:

"Die Militärische Luftfahrtstrategie empfiehlt grundsätzlich als Richtlinie den Parallelbetrieb von zwei unterschiedlichen Kampfflugzeugen. Dies ist jedoch keine bindende Vorgabe."

US-Einblick in Waffentechnologie notwendig

Um auch US-Atomwaffen tragen zu können, müsste der Eurofighter weiter umgerüstet werden. Außerdem ist es nach Expertenmeinung für die Zertifizierung notwendig, dass die USA bei diesem Prozess Einblick in die Eurofighter-Technologie bekommen. Das Kampfflugzeug ist ein multinationales Projekt, an dem neben Deutschland auch Spanien, Italien und Großbritannien beteiligt sind. Es ist offen, ob alle diese Staaten dazu bereit wären.

Deutsch-französisches Kampfflugzeug ohne US-Atomwaffen?

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der französische Staatspräsident Emmanuel Macron haben im vergangenen Jahr den Bau eines gemeinsamen Kampfflugzeuges angekündigt. Es soll in den 2040er-Jahren in Betrieb genommen werden können. Das Projekt ist offen für die Beteiligung weiterer europäischer Staaten.

Das zurzeit von der französischen Luftwaffe betriebene Rafale-Kampfflugzeug kann mit französischen Atomwaffen ausgerüstet werden. Rüstungskenner gehen davon aus, dass sich Paris dagegen sperren würde, das geplante gemeinsame Kampfflugzeug auch als Trägersystem für US-Nuklearwaffen zu konzipieren, weil der damit notwendige Einblick der USA in französische Waffentechnologie nicht im Interesse Frankreichs liege.

Weitere Tornado-Modernisierung?

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Möglicherweise wird der Tornado auch noch weit über 2025 hinaus genutzt.

Es ist daher nicht ausgeschlossen, dass der Tornado weiterhin modernisiert wird, sodass die Maschine über 2030 und darüber hinaus als Trägersystem für taktische US-Atomwaffen eingesetzt werden könnte. Bei einem Abzug der US-Atomwaffen aus Europa wäre die nukleare Teilhabe jedoch hinfällig und damit auch ein Trägerflugzeug. Angesichts der gegenwärtigen Spannungen mit Russland ist ein Abzug der taktischen Atomwaffen allerdings unwahrscheinlich. Die kürzlich bekannt gewordene neue US-Nuklearstrategie bekräftigt stattdessen die gestiegene Bedeutung taktischer Atomwaffen für eine glaubwürdige Abschreckung.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Streitkräfte und Strategien | 10.03.2018 | 19:20 Uhr