Forum am Sonntag

Digitale Erinnerungskultur im KZ Bergen-Belsen

Sonntag, 27. Januar 2019, 06:05 bis 06:30 Uhr, NDR Info

Eine alte Frau schaut auf ein Tablett in der Gedenkstätte Bergen-Belsen.

Digitale Erinnerungskultur in Bergen-Belsen

NDR Info - Forum am Sonntag -

Digitalisierung für den Unterricht: Schüler und Besucher können beim Besuch der KZ-Gedenkstätte Bergen-Belsen mit Hilfe einer App sehen, wo früher die Gebäude standen.

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Wie Schüler den Holocaust begreifen
Von Daniela Remus

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Heute gibt es im ehemaligen KZ fast nur noch Wiesen, Bäume und Pfade.

Nur wenig erinnert in Bergen-Belsen an das einst dort angesiedelte Konzentrationslager - den Ort, an dem zwischen 1941 und 1945 Zehntausende Menschen ihr Leben verloren. Heute gibt es nur noch Wiesen, Bäume und Pfade. Besucher können jedoch mit einer Augmented-Reality-App auf einem Tablet-Computer die ursprünglichen Gebäude in die Landschaft projizieren und eine Ahnung von dem damaligen Schrecken bekommen. Bei ihrem Rundgang sehen die Jugendlichen mithilfe der App, dass überall dort, wo sie jetzt kreuz und quer durch Wald und Wiese laufen, früher Dutzende Baracken und Gebäude standen. Sie erfahren, dass in den Lagerküchen dünne Steckrübensuppen zubereitet wurden und dass die Häftlinge im sogenannten Schuhkommando alte Schuhe auftrennen mussten, um die noch brauchbaren Lederstücke herauszuschneiden. Darüber hinaus lesen sie in Dokumenten, wie das Krematorium funktionierte und die gefangenen Kinder in den Typhus-Baracken ohne medizinische Versorgung, ohne Essen und Trinken, hausen mussten.

"Auf dem Bildschirm sehe ich, wie es wirklich war ..."

"Es ist auch mit App schwer, sich vorzustellen, wie das alles aussah und abgelaufen ist, aber man kriegt einen besseren Einblick in die Sachen, wie das früher war. So ist es einfacher, zum Beispiel, wenn man sich nach rechts dreht, dass sich auch alles dreht, wie bei so einer 30Grad Kamera. Das finde ich gut, dann kann man sich das besser vorstellen", meint eine Schülerin. Besser vorstellen - genau das ist der Grund, warum es die virtuelle Rekonstruktion des Konzentrationslagers Bergen-Belsen gibt, erklärt Stephanie Billib von der Gedenkstätte: "Es wird wirklich als das wahrgenommen, als das wir es auch immer sehen wollten, nämlich als ein Mittel, als ein Werkzeug, das einem hilft, den Ort sich zu erschließen und sich dem Ort anzunähern."

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Die virtuelle Rekonstruktion ist extrem sachlich und nüchtern gehalten.

Die virtuelle Rekonstruktion ist extrem sachlich und nüchtern gehalten. Wer sie benutzt, taucht nicht in eine künstliche Welt ein wie in einem animierten Kinofilm oder einem Computerspiel, sondern sieht Gebäudeumrisse als graue Klötze, ohne Fenster, ohne konkrete Details. Rund 80 Baracken standen hier damals, dicht an dicht. Die Schüler sehen sich alles über die App an: "Hier seh ich nur eine Heide, und auf dem Bildschirm seh ich, wie es wirklich war…"

Das Forum am Sonntag hat Schüler bei der Spurensuche begleitet und zeigt ähnliche historische digitale Projekte. Außerdem kommen Befürworter und Gegner der digitalen Erinnerungskultur zu Wort.