Feiertags-Forum

Der Osten in mir

Mittwoch, 03. Oktober 2018, 06:05 bis 06:30 Uhr, NDR Info

Ein Nachwendekind auf Spurensuche 
Von Stella Peters

Wie haben sogenannte Wendekinder den Mauerfall erlebt? Unsere Autorin Stella Peters ist ein Kind der Wende. Sie ist Jahrgang 1989. Geboren zwischen Mauerfall und Wiedervereinigung. Aufgewachsen auf dem Land in Mecklenburg-Vorpommern, nahe Rostock. In einer westdeutschen Familie, die sich eine neue Existenz im Osten aufgebaut hat. Nie hat sie einen anderen Staat als das wiedervereinte Deutschland erlebt. Ost und West sollten für sie kein Thema mehr sein - ist es aber. Warum eigentlich? Diese Frage stellt sie auch ihrer Schwester. Sie war fünf Jahre alt als ihre Familie nach Vorpommern gezogen ist. Von ihr will sie wissen: Fühlt sie sich ostdeutsch? "Ja. Also ich bin Vorpommerner. Im Westen bin ich ja gar nicht... da wohnen Oma und Opa. Da fährt man vielleicht mal auf Ferien hin. Also ich wenn so eine Diskussion aufkommt - gerade auch im Studium drüben - verteidige ich doch eher die Ossis oder fühl mich dann mehr dazugehörig."

Dieses "ostdeutsche" Gefühl

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Das Sommermärchen zur Fußball WM - Ost- und Westdeutschland vereint im Glückstaumel.

Woher dieses "ostdeutsche" Gefühl kommt oder was das für Svenje bedeutet will die Autorin wissen. Ihre Schwester hat keine Antwort auf diese Fragen. Sie redet nicht gerne über politische Dinge. Die Sozialwissenschaftlerin Hanna Haag hat ostdeutsche Nachwendekinder interviewt. Sie sagt: Ob sie sich ostdeutsch fühlen, hängt oft  davon ab, ob die Wiedervereinigung Spuren in deren Familie hinterlassen hat: "Also inwiefern sich dieser Umbruch der DDR biografisch auf die Familie niedergeschlagen hat. Sprich, ob vielleicht Eltern, Großeltern die Arbeit verloren haben. Es also zu einer Form von biografischer Entwertung kam. Oder ganz schwierige ... Systeme da aufeinander kollidierten. Weil eben das vielleicht ein Elternhaus war, dass sich voll und ganz diesem sozialistischen System wirklich auch ideologisch identifiziert hat und dann wiederum es zu dem eklatanten Bruch kam. Und dann finden sich eher die Tendenzen von Re-Identifikation."

Für die Familie von Stella Peters war die Wiedervereinigung auch ein Umbruch - aber im Positiven. Für ihre - in Westdeutschland sozialisierten - Eltern war es eine historische Chance gewesen. Die sie genutzt haben. Ohne den Mauerfall wäre das Leben der Autorin anders verlaufen: Andere Freunde, andere Heimat, alles anders. In ihrem Leben hat die Wiedervereinigung einen Unterschied gemacht. Sie denkt, dass ist einer der Gründe, warum sich sich heute "ostdeutsch" fühlt.

Die NDR Info Reporterin Stella Peters begibt sich auf die Spuren ihrer ostdeutschen Identität: Bei Freunden, Familie, in der Wissenschaft.