Die Reportage

Eine Buddel voller Rum

Sonntag, 31. Dezember 2017, 06:30 bis 07:00 Uhr, NDR Info

Ein Fass Johannsen Rum © NDR Fotograf: Simone Steinhardt

Das Gold der Karibik– aus Flensburg

NDR Info - Die Reportage -

Im 18. Jahrhundert machten Brandweinbrenner an der Förde aus dem Gold der Karibik den bald sehr bekannten Flensburger Rum. Bis heute wird er hier produziert.

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Das Gold der Karibik - aus Flensburg
Von Martina Bittermann

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So sahen sie früher aus: Historische Segelschiffe - nochmal klar gemacht für die RumRegatta in Flensburg.

Im Jahre 1755 stach der erste Segler aus Flensburg in Richtung Karibik in See. Das Ziel: Dänisch-Westindien mit seinen Inseln St. Croix und St. John. Von dort brachten die Seefahrer begehrte Kolonialwaren mit - darunter braunen Rohzucker und hochprozentigen Rum, der auf der mehrmonatigen Seereise nach Europa reifte. Brandweinbrenner an der Förde machten aus dem Gold der Karibik den Flensburger Rum. Ein profitables Geschäft. Flensburg wurde zur "Stadt des Rums". In guten Zeiten lebten mehr als 30 Familienunternehmen davon. Heute produzieren nur noch zwei Unternehmen die einst so beliebte Spirituose. Doch das Interesse ist wieder steigend. Touristen sind auf "Rum-Führungen" durch die Stadt unterwegs und das Getränk selbst schickt sich an, ein Kultgetränk zu werden.

Das letzte Traditionsrumhaus der Stadt

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Rumlieferung: Martin Johannsen (links) und Kapitän Thorben Hass.

"Hökerei" steht mit geschwungenen Buchstaben auf einem Schild an dem Haus mit der Nummer Acht. Im Hinterhof: Ein Kaufmannsspeicher aus dem 18. Jahrhundert. Drei Böden, Ladeluken, ein Seilzug. Die Marienburg ist Firmensitz des Unternehmens  A.H. Johannsen, gegründet 1878. Seither wird hier Rum aus Jamaika zu Flensburger Rum veredelt. In der Marienstraße arbeitet das letzte Traditionsrumhaus der Stadt und Familie Johannsen gehört zu den letzten ihrer Zunft. Der Firmenchef und Urenkel des Firmengründers heißt Martin Johannsen. Vor einigen Jahren ist der gelernte Tischler vom Rheinland in die alte Heimat zurückgekehrt und hat die Firma von seinem Vater übernommen. Heute führt er sie in vierter Generation mit seiner Frau Astrid und einer Handvoll Angestellter.

Zwölf bis vierzehn Jahre Reifezeit

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Die Holzfässer geben dem Rum seine bräunliche Farbe.

Etwa 50 volle Fässer bewahrt Martin Johannsen im Augenblick auf den Böden seines Speicherhauses auf. Hier, über den Dächern der Altstadt, reift der Rum. Die Holzfässer geben ihm seine bräunliche Farbe. Einmal im Jahr kommt eine Lieferung mit Rum aus der Karibik in Flensburg bei der Firma Johannsen an. Zwei- bis dreitausend Liter sind es jedes Mal, die der Großhändler in Edelstahltanks und Plastikfässern anliefert. Mit einer Winde am First des Lagerhauses werden die Behälter nach oben gezogen. Dann wird der Rum in Holzfässer umgefüllt. Zwischen fünf und sieben Jahre Reifezeit im tropischen Klima Jamaikas hat der Rum bei seiner Ankunft schon hinter sich. Eigentlich ist er ausgereift und sehr geschmacksintensiv, findet Martin Johannsen, aber für einen Flensburger Rum ist er noch lange nicht gut genug. Zwölf bis vierzehn Jahre lang muss sich ein Rum entwickeln, bis er zuerst mit anderen Sorten zum typischen Flensburger Rum gemischt und dann in Flaschen umgefüllt wird.