Sendedatum: 02.05.2018 23:20 Uhr  | Archiv

Pressefreiheit

Es steht nicht gut um die Pressefreiheit in der Welt und es steht nicht gut um die Pressefreiheit in Europa. Das zeigen die jüngsten Zahlen von "Reporter ohne Grenzen": Vier der fünf Länder, deren Platzierung sich in der neuen Rangliste der Pressefreiheit am stärksten verschlechtert hat, liegen in Europa. Verhaftungen, Entführungen und Gewalttaten fließen in die Berechnung der jährlichen Rangliste ein. Ebenso wie Hetze gegen Journalisten und Verunglimpfungen, auch durch Staats- und Regierungschefs. Am 3. Mai 2018 ist der Tag der Pressefreiheit. Ein Grund für ZAPP, selbst nach dem Zustand der Pressefreiheit zu sehen.

Eine NGO bietet bedrohten Journalisten Schutz

Es kann gefährlich sein, als Journalist investigativ in Bulgarien zu arbeiten: Angriffe, Drohungen, sogar versuchter Mord - keine Einzelfälle.

So ergeht es auch Dimitar Stoyanov: In Bulgarien hat er sich mit seinen Recherchen zu Themen wie Korruption und organisierter Kriminalität zu viele Feinde gemacht. Er arbeitet für das unabhängige Nachrichtenportal bivol. Seitdem er 2015 über die Veruntreuung von EU-Geldern berichtet hat, an der auch eine große bulgarische Bank beteiligt gewesen sein soll, ist die Lage für ihn besonders schwierig. Nach der Veröffentlichung wurde er wochenlang verfolgt, alle zwei Nächte musste er den  Schlafplatz wechseln. Ein normales Leben sei seitdem kaum noch möglich.

Recherchieren ohne Angst

Bulgarien nimmt auf der Rangliste der Pressefreiheit unter den EU-Staaten mit 111 den letzten Platz ein. Und weil sie bei heiklen Themen wenig Rückhalt von den Redaktionen bekommen, üben viele Journalisten in vorauseilendem Gehorsam Selbstzensur.

Mittlerweile ist Dimitar Stoyanov in Leipzig. Er nimmt teil am sogenannten Residence-Programm des European Centre for Press and Media Freedom (ECPMF). Hier können Journalisten, die in ihrer Heimat verfolgt werden, drei Monate lang an ihren Geschichten recherchieren, ohne sich um die eigene Sicherheit sorgen zu müssen.

Stoyanov will hier eine heikle Recherche zu Ende führen. In Bulgarien sei das nicht möglich, denn auf die Polizei könne man sich als Journalist dort nicht verlassen. Was das heißt, zeigen seine Aufnahmen: Vor laufender Kamera hat ihn die Ehefrau eines korrupten Oligarchen angegriffen, sich selbst und ihn mit Benzin übergossen und ein brennendes Streichholz geworfen. Weil sie den Angriff angekündigt hatte, konnte Dimitar Stoyanov noch einen Feuerlöscher holen - und es ist (fast) nichts passiert.

Dieses Thema im Programm:

ZAPP | 02.05.2018 | 23:20 Uhr