Stand: 28.02.2018 16:08 Uhr  | Archiv

"Forbidden stories": Kampf für die Wahrheit

von Timo Robben

"Forbidden stories" - verbotene Geschichten. Damit sind Recherchen und Geschichten gemeint, die kritisch sind und unbequem. Jedenfalls aus Sicht derjenigen, deren Machenschaften Journalisten mit ihren Enthüllungen aufdecken. Weil sie beispielsweise in mafiösen Strukturen wühlen oder in versteckten Datenpaketen. Die Macher hinter "Forbidden Stories" wollen dafür sorgen, dass diese Geschichten veröffentlicht werden - und die daran arbeitenden Journalisten nicht um ihr Leben fürchten müssen.

VIDEO: "Forbidden stories": Kampf für die Wahrheit (5 Min)

Weltweit sterben Journalisten, weil sie zuviel wissen. Ermordet von Auftragskillern, um damit auch die Recherchen zu unterbinden. So geschehen im Fall des mexikanischen Journalisten Javier Valdez. Er wurde auf offener Straße erschossen, mutmaßlich im Auftrag des Sinaloa-Drogenkartells. Der Grund? Er recherchierte sozusagen an einer "Forbidden Story". Dass seine Ermordung weltweit Schlagzeilen machte, ist auch dem Gründer der Organisation "Forbidden Stories", Laurent Richard, zu verdanken.

"Forbidden stories" als Mittel gegen Einschüchterung

Laurent Richard, Gründer der Organisation "forbidden stories"  Foto: Screenshot
Warum Journalisten töten, wenn die Nachricht nicht mehr gestoppt werden kann: Das ist die Idee hinter Laurent Richards Organisation "forbidden stories".

Laurent Richard sorgte dafür, dass dieser Fall bekannt wurde und damit Valdez' Recherche nicht mit dem Journalisten stirbt. Laurent: "Die Idee hinter Forbidden Stories ist es, Geschichten zu vervollständigen, die andere Journalisten nicht zu Ende führen konnten. Weil sie verhaftet oder ermordet wurden. Wir wollen diese Art der Zensur durch Journalismus bekämpfen."

Recherche-Netzwerk als Schutz gegen Bedrohung

Und Richard geht mit seiner Initiative noch weiter: Bedrohte Journalisten können ihre Recherche bei "Forbidden Stories" abgeben, um aus dem Visier zu kommen. Laurent hat bereits mehrere Notrufe erhalten. Sprechen will er darüber nicht, die Gefahr ist zu groß. "Das Netzwerk ist eine Art Schutz. Weil wir viele Partner sind, viele Journalisten, die bereit sind, weiter zu recherchieren. In Deutschland, in New York. Also, warum solltest du versuchen, den einen Journalisten zu töten? Du kannst die Nachricht nicht mehr stoppen. Weil schon längst viele andere Journalisten Wind davon bekommen haben."

Anschlag auf "Charlie Hebdo" war Gründungsauslöser

Richard lebt in Paris. Sein Büro lag einst gegenüber der Redaktion des Satiremagazins "Charlie Hebdo". Den Anschlag auf die Kollegen erlebte er mit. Als er die Getöteten identifizieren musste, war das für ihn der Impuls, sich für mutige Journalisten zu engagieren: "Wenn du sowas siehst - deine Nachbarn, die Journalisten sind, genau wie du - und die werden umgebracht nur deswegen. Die sind vor unseren Augen gestorben. Wir haben großes Glück gehabt, dass wir nicht alle umgekommen sind an dem Tag. Wir hatten Angst. Und dieses Ereignis, das war es, das mir die Kraft gab, so ein Projekt zu gründen."

Weitere Informationen
Screenshot der Website "forbidden stories". Zu sehen ist der Schriftzug "We are a Collaborative Journalism Network devoted to keeping stories alive". © forbiddenstorys Foto: Screenshot

Website: "forbidden stories"

"We are a collaborative journalism network devoted to keeping stories alive." Zur Website der Initiative. extern

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ZAPP | 28.02.2018 | 23:30 Uhr