Stand: 09.09.2014 16:19 Uhr  | Archiv

30 Jahre Privatfernsehen: Toll oder Proll?

von Steffen Grimberg
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Schon seit 1995 das Gesicht von RTL: Nachrichtensprecherin Katja Burkhardt.

Als am 1. Januar 1984 der Privatsender Sat.1 das kommerzielle TV-Programm in der damaligen Bundesrepublik Deutschland eröffnete, ging es honorig zu: Zum Auftakt erklang die Feuerwerksmusik, die Nachrichten wurden von der Zeitung mit den klugen Köpfen beigesteuert, es gab Ballett (Schwanensee), einen Spielfilm mit Jean-Paul Belmondo und zum Sendeschluss nichts Geringeres als Beethovens Neunte Sinfonie. Bis 1985 firmierte der Sender noch unter dem Namen "Programmgesellschaft für Kabel- und Satellitenrundfunk" (PKS). Doch der Einfluss eines gewissen Leo Kirch war schon früh durch das vergleichsweise üppige Angebot aus dessen Klassik-Fundus zu spüren. Einen Tag später ging RTL plus als zweiter Kanal auf Sendung, dessen Start schon etwas sensationsheischender geriet: Der Ex-ZDF-Mann Rainer Holbe stand im Kreißsaal und ein kleiner Fernseher mit RTL-Logo war geboren.

Die RTL-Moderatoren Peter Kloeppel und Ulrike von der Groeben auf dem Sommerfest des Verbands VPRT © dpa - Bildfunk Foto: Bernd von Jutrczenka

30 Jahre Privatfernsehen: Toll oder Proll?

ZAPP -

Privater Rundfunk in Deutschland: Zum 30-jährigen Jubiläum stattet ZAPP Reporter Boris Rosenkranz dem größten Promi-Big-Brother aller Zeiten einen Geburtstagsbesuch ab.

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Hohe Erwartungen zur Geburtsstunde

Die Erwartungen an das noch aus Luxemburg sendende RTL und die neben Kirch vor allem von Zeitungsverlagen getragene PKS/Sat.1-Mannschaft waren hoch: Die schwarzgelbe Bundesregierung unter Helmut Kohl (CDU) hoffte auf eine Alternative zum überwiegend als "Rotfunk" empfundenen Angebot vor allem einzelner ARD-Anstalten. Regionale Magazinanteile sollten Sat.1 zu einem Mittelding aus nationalem TV-Programm und regionaler Berichterstattung machen.

Die Frage nach dem Geld

Und über allem lag die Frage, wie sich die rein werbefinanzierten Kanäle finanziell schlagen würden. Vor dem Start 1984 gingen Branchenexperten davon aus, dass im Werbemarkt der alten Bundesrepublik maximal ein nationaler Fernsehsender wirtschaftlich zu betreiben wäre. Auch die Zeitungsverlage fürchteten um ihren Anteil am Werbekuchen. Den Verlegern hatte man ihre Zustimmung zum Einstieg ins duale System aus gebührenfinanziertem öffentlich-rechtlichen Rundfunk und kommerziellen Sendern abgetrotzt, indem man ihnen Beteiligungsmöglichkeiten im privaten Hörfunk, aber vor allem auch beim Fernsehen eröffnete.

Dutzende Sender - zwei große Familien

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Die ProSiebenSat.1 Media AG ist heute eine der größten Sendergruppen.

Doch es kam ganz anders: Heute sind die Verleger längst aus dem privaten Fernsehen ausgestiegen. Der Werbemarkt reicht nicht nur für ein oder zwei, sondern für ein gutes Dutzend kommerzieller TV-Kanäle allein im analogen Bereich. Während davon die kleineren mehr schlecht als recht über die Runden kommen, haben sich zwei große Senderfamilien die kommerzielle TV-Landschaft oligopolistisch aufgeteilt: Neben den Kanälen von RTL und denen der ProSiebenSat.1 Media AG fällt das Überleben im deutschen Fernsehmarkt schwer.

Und auch die politischen Erwartungen des Kanzlers wurden enttäuscht. Zwar leistete sich Sat.1 anfänglich Formate wie "Zur Sache, Kanzler", in denen Helmut Kohl & Co. vom ehemaligen BR-Mann Heinz-Klaus Mertes so freundlich befragt wurden, dass Mertes den Branchenspott als "Bundesmikrofonhalter" abbekam. Doch Sat.1 wie RTL setzten in der Frühzeit auch politisch-journalistische Maßstäbe: Für die von 1988 bis 1992 auf RTL laufende Talkshow "Die Woche" gab es einen Grimme-Preis. Und auf Sat.1 legte 1990 Erich Böhme mit "Talk im Turm" die Grundlage für alle heutigen Polittalkshows.

Zum 30-jährigen Jubiläum stattet ZAPP Reporter Boris Rosenkranz dem größten Promi-Big-Brother einen Geburtstagsbesuch ab.

Dieses Thema im Programm:

ZAPP | 10.09.2014 | 23:20 Uhr