Jochen Breyer im Interview mit Dietmar Hopp © ZDF

Zu große Nähe? Das ZDF, Jochen Breyer und die TSG Hoffenheim

Stand: 08.03.2021 13:06 Uhr  | Archiv

Sind das ZDF und sein Moderator Jochen Breyer zu gefällig geworden, wenn es um den Bundesligisten und dessen Mäzen geht?

von Daniel Bouhs

Vor gut einem Jahr sind das ZDF, sein Moderator Jochen Breyer und der Bundesligist TSG Hoffenheim gemeinsam in die Schlagzeilen geraten: "Hoffenheim-Mäzen Dietmar Hopp durfte im ZDF-'Sportstudio' über seinen Konflikt mit den Ultras sprechen - ohne kritische Nachfragen", berichtete der "Spiegel" und sprach von einem "umstrittenen Hopp-Interview". Hopp ließ sich damals ins "Sportstudio" schalten, um über die aus seiner Sicht "perfekt inszenierte Hetze" gegen ihn aus den Reihen der Fußball-Ultras zu reden. Ein Interview im eigentlichen Sinne war dies nicht, denn Hopp lieferte praktisch nur ein Videostatement. Breyer konnte gar keine Nachfragen stellen. Ist das Journalismus?

Das ZDF verteidigte damals das Vorgehen. "Aus organisatorischen Umständen" sei ein Interview nicht zustande gekommen, sondern nur die Möglichkeit, schriftlich Fragen zu stellen. Das habe man "in diesem Fall akzeptiert". Breyer selbst schwieg, obwohl er sich auch noch einem ganz anderen Vorwurf ausgesetzt sah: Der ZDF-Sportjournalist hatte nur wenige Wochen vor diesem Vorfall ein Event der TSG moderiert, im Auftrag des Bundesligisten. "Gute Laune beim Neujahrsempfang", titelte der Verein selbst und berichtete: "Moderator Jochen Breyer, der durch den Abend führte, ließ alle Gäste zunächst aufstehen und sich gegenseitig umarmen." Es sei schließlich "Weltknuddeltag" gewesen.

Das ZDF beteuerte damals, Breyer sei unabhängig. Nun drängt sich erneut die Frage auf, ob das wirklich so ist.

Titel der ZDF-Dokumentation "Der Prozess" © ZDF
Die ZDF-Dokumentation soll noch im März ausgestrahlt werden.
Schmeichelt das ZDF der TSG und Hopp jetzt auch in einer Doku?

"Der Prozess: Wie Dietmar Hopp zur Hassfigur der Ultras wurde" - so ist der Titel einer Dokumentation, die das ZDF für Ende März gegenüber Programmzeitschriften angekündigt hat. Sie soll an einem bundesligafreien Wochenende auf dem Sendeplatz des "Sportstudios" laufen. Autor: Jochen Breyer, der Anfang 2020 im Auftrag der TSG tätig war. In der Fanszene kommt der alte Vorwurf wieder hoch:

ZAPP hat sich eine Arbeitsfassung des 45-Minüters ansehen können. Die Bedingung des ZDF: Es werden keine Details berichtet. Inwiefern Hopp und die TSG hier eine Bühne bekommen, kann an dieser Stelle deshalb nicht konkret erzählt werden. Der Film hinterlässt in der vorliegenden Fassung aber alles andere als den Eindruck, dass hier pro Hopp oder TSG lobbyiert wird.

Das "Sportstudio" will keine Videostatements mehr senden

Dem ZDF und Breyer ist inzwischen bewusst, dass die Vorgänge Anfang des vergangenen Jahres Angriffsflächen geboten haben für Zweifel an der journalistischen Glaubwürdigkeit sowohl des Moderators als auch seines Senders. "Das würden wir in dieser Form nicht wiederholen", sagt heute ZDF-Sportchef Thomas Fuhrmann auf Anfrage von ZAPP. "Wer uns nur ein Statement und kein Interview geben möchte, kann das natürlich machen - dann aber nur schriftlich."

Den Knuddel-Auftritt seines Moderators im Dienste der TSG verteufelt der Sendermanager allerdings nicht. Breyer habe ihn im Vorfeld des Neujahrsempfangs "eingebunden". So etwas sei außerdem "im Einzelfall bei freien Mitarbeitern möglich". Die Standards des ZDF seien damals nicht verletzt worden. "Deshalb war das für uns unterm Strich in Ordnung."

Jochen Breyer braucht als freier Mitarbeiter ein "zweites Standbein"

Screenshot der Website jochenbreyer.de vom 8. März 2021 © jochenbreyer.de
Auf seiner Website wirbt Jochen Breyer für sich als "Event-Moderator".

Breyer selbst ist als freier Mitarbeiter derzeit beim ZDF gut im Geschäft. Neben der Moderation des "Sportstudios" liefert er alle paar Monate auch eine Reportage oder Dokumentation - über den Sport, aber auch über gesellschaftliche Entwicklungen wie den Umgang mit Corona. Eine Garantie, dass das ZDF ihn dauerhaft so gut bucht, hat er aber ebenso wenig wie viele andere Moderatorinnen und Moderatoren. ZAPP hatte über dieses Spannungsverhältnis und den Bedarf eines "zweiten Standbeins" mehrfach berichtet, ebenso über das "System freie Mitarbeit" bei ARD und ZDF.

Auf seiner persönlichen Internetseite wirbt Breyer jedenfalls für sich als "Event-Moderator" und verspricht "Lockerheit, Charme und eine Prise Humor". Beworben wird dieses Angebot mit einem Foto, das Breyer auf einer Veranstaltung zwischen DFB-Funktionär Oliver Bierhoff und dem Geschäftsführer der Deutschen Fußball-Liga (DFL), Christian Seifert, zeigt.

Breyer will sich bei Nebentätigkeiten nun stärker zurückhalten

Events moderiere er aber "nicht am Fließband", sondern nur "ausgewählte Veranstaltungen und diese dann: mit vollem Einsatz und mit Leidenschaft", notiert Breyer auf seiner Seite. Anders als einige Kolleginnen und Kollegen aus der ARD war Breyer auch schon in der Vergangenheit nicht ständig auf Veranstaltungen präsent. ZAPP teilt er nun mit, dass er sich noch weiter in Zurückhaltung üben will.

"Die Moderation beim Neujahrsempfang war eine einmalige Sache und ich habe die Wirkung nach außen ehrlich gesagt unterschätzt", schreibt Breyer auf Anfrage. "Ich hatte schon zuvor Anfragen von Bundesligaklubs in aller Regel abgesagt und werde da künftig keine Ausnahmen mehr machen."

Auch der Autor dieses Beitrags nimmt gelegentlich an Diskussionsrunden außerhalb von Sendern und Verlagen teil. Er berichtet darüber auf seiner Internetseite.

 

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