Sendedatum: 05.09.2018 23:20 Uhr

Polizei betreibt über 330 Social-Media-Profile

von Daniel Bouhs & Andrej Reisin

Information und Imagepflege, aber auch Unterhaltung und neuerdings sogar der Kampf gegen "Fake News": Die Polizei baut ihre Präsenz in sozialen Netzwerken rasant aus. Bundesweit betreiben Polizeibehörden bereits 333 Profile, darunter 159 offizielle Twitter-Accounts, 138 bei Facebook, 25 bei Instagram, zehn bei Youtube und einen bei Snapchat. Das hat eine Umfrage von ZAPP bei Ländern, BKA und Bundespolizei ergeben. Die Polizei beschäftigt dafür bundesweit bereits mehr als 80 Social-Media-Manager, die sich ausschließlich um die Pflege und den Ausbau zentraler Profile kümmern.

Polizistin sitzt an einem schreibtisch vor zwei Bildschirmen

Polizei betreibt über 330 Social-Media-Profile

ZAPP -

Die Polizei baut ihre Präsenz in sozialen Netzwerken rasant aus, will so Präsenz zeigen, ins Gespräch kommen, Fakes aufklären. Doch es gibt auch Kritik an dem Netz-Engagement.

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12 Beamte allein in Niedersachsen im digitalen Einsatz

In Niedersachsen zeigt sich, wie strategisch die Polizei soziale Netzwerke bespielt: Unter dem Stichwort "Social Community Policing" sind bereits zwölf Beamte mit persönlichen Profilen im digitalen Einsatz - weitere sollen bald folgen. Auf diesem Weg sollen die Polizisten für Bürger direkt ansprechbar sein, aktuelle Informationen vermitteln und Präventionsarbeit leisten. Darüber hinaus sollen sie in den sozialen Netzen gezielt Ausschau nach "Fake News" aus ihrer Region halten, vor allem wenn es um Gerüchte geht, die die Polizei selbst betreffen.

Es gehe darum "auch mal sichtbar zu sein, auch mal da zu sein, um zu sagen, Mensch, diese Diskussion, die ihr gerade in dieser öffentlichen Gruppe hier führt, da redet ihr über einen Sachverhalt, den gibt es bei der Polizei nicht oder das stellt ihr komplett falsch dar", erklärt Thorsten Massinger von der zentralen Polizeidirektion Niedersachsen gegenüber ZAPP. "Welche Inhalte gepostet werden, da lassen wir den Behörden freien Spielraum. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt", ergänzt seine Kollegin Franziska Santhiralingam.

Engagement in den sozialen Netzen stößt auch auf Kritik

Der Polizei- und Konfliktforscher Dr. Peter Ullrich von der Technischen Universität Berlin hat zusammen mit einem Team von Wissenschaftlern die Eskalation der Gewalt rund um den Hamburger G20-Gipfel untersucht. Ihre Studie, die am 6. September veröffentlicht wird, kommt zu dem Ergebnis, dass die Polizei während der Proteste auf Twitter eine "zentrale Stellung" eingenommen habe. "Besonders in Phasen der Gewalteskalation" sei die Polizei "zum wichtigsten Bezugspunkt für große Medienakteur*innen wie 'Tagesschau', 'Welt', 'Zeit Online', 'Spiegel Online' oder 'Bild', aber auch für die twitternde Masse" geworden.

Ein Fazit der Forscher:

"Mit der Nutzung von Twitter vollzieht die Polizei [...] eine problematische Gratwanderung, sobald sie aktiv in die politische Deutung der Ereignisse eingreift, in denen sie zudem Konfliktbeteiligte ist."

Im Gespräch mit ZAPP betont Dr. Ullrich, dass soziale Netzwerke für die Polizei zwar grundsätzlich ein legitimes Betätigungsfeld seien. Er mahnt jedoch "immense Zurückhaltung" an: "Ich glaube, dass der Kommunikationsstil des Mediums in so starkem Widerspruch zur Sachlichkeit und zum Neutralitätsgebot steht, dass die Polizei Einschränkungen in Kauf nehmen muss. Das bedarf wahrscheinlich gesetzlicher Regelungen", so Ullrich. Während des G20-Gipfels sind diese Gebote laut des Forscherteams immer wieder verletzt worden.

Die Hamburger Polizei wollte mit ZAPP nicht über die Kritik an ihrem Social-Media-Einsatz sprechen. Schriftlich erklären die Beamten:

"Der G20-Einsatz war der größte Polizeieinsatz in der Geschichte der Bundesrepublik mit im Einzelfall äußerst komplexen Einsatzlagen. Das Social-Media-Team hat [...] sachlich und neutral in der erforderlichen Art und Weise kommuniziert."

Polizeibehörden in Sozialen Netzwerken (Stand:8/2018)
Land/Bundesbeh.FacebookTwitterInstagramSnapchatYoutubeTotalSocial-Manager
Baden-Würrtemberg13131002713
Bayern1211000230
Berlin1411076
Brandenburg33102910
Bremen2200040
Hamburg3110154
Hessen884012112
Mecklenburg-Vorpommern710001180
Niedersachsen30386017411
Nordrhein-Westfalen4339500870
Rheinland-Pfalz110300149
Saarland1100130
Sachsen1110147
Sachsen-Anhalt2400064
Schleswig-Holstein8100092
Thüringen1100022
Bundespolizei111101140
Bundeskriminalamt1110142
SUMME1381592511033382

07.09.2018 12:11 Uhr

Hinweis der Redaktion: In einer früheren Version war von 331 Polizei-Profilen in sozialen Netzwerken die Rede. Die Polizei Hamburg und die Polizei Niedersachsen haben uns nachträglich auf ihren YouTube-Channel hingewiesen. Es gibt also 333 Profile.

 

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Dieses Thema im Programm:

ZAPP | 05.09.2018 | 23:20 Uhr