Spionagesoftware Pegasus: Journalisten durchs Handy überwacht

Sendedatum: 21.07.2021 17:00 Uhr

Regierungen weltweit haben offenbar die Software "Pegasus" genutzt, um die Handys von Journalist:innen und Oppositionellen auszuspähen.

Regierungen haben Zugriff auf private Chats, klauen Fotos und Kontakte, hören Gespräche mit und aktivieren unbemerkt die Kamera: Das ist nicht die Handlung eines Hollywoodthrillers, sondern offenbar grausame Realität für Oppositionelle und Journalist:innen weltweit, auf deren Handys die Spionagesoftware "Pegasus" installiert wurde. Der Trojaner wird offiziell für den Kampf gegen Terrorismus und Kriminalität an Staaten verkauft. Doch vor allem autoritäre Regierungen missbrauchen ihn, um Regimekritiker:innen und Journalist:innen auszuspähen. Das hat das Recherchenetzwerk "Forbidden Stories" aufgedeckt, an dem auch NDR, WDR, die Süddeutsche Zeitung und die ZEIT beteiligt sind.

Der Hersteller der "Pegasus"-Software, die Firma NSO, äußert sich nicht zu konkreten Kunden. Generell teilte NSO auf Anfrage der am "Pegasus-Projekt" beteiligten Medien mit, dass die Berichte "voller falscher Annahmen und unbestätigter Theorien" seien. In einer weiteren Stellungnahme schrieb ein NSO-Sprecher, bei der Telefonliste handele es sich um gefälschte Informationen. Es sei keine Liste mit Zielen oder möglichen Zielen von NSO-Kunden. Die Firma habe auch keinen Zugang zu Daten ihrer Kunden.

Die ZAPP-Autoren Johannes Jolmes und Philipp Hennig sind quer durch Europa gereist und haben manche von den betroffenen Journalist:innen getroffen. Wie werden sie in Zukunft arbeiten? Wie wollen sie sich schützen? Und was bedeutet die Überwachung für ihre Quellen?

"Pegasus-Projekt"

Im Mittelpunkt der Recherche steht die Software "Pegasus", die von der israelische Firma NSO entwickelt wurde. Nach eigenen Angaben stellt sie das Programm nur staatlichen Stellen zur Verfolgung von Kriminellen oder Terroristen zur Verfügung. Im Rahmen des "Pegasus-Projekts" haben Journalist:innen eine Liste von mehr als 50.000 Telefonnummern analysiert, zu denen die Pariser Non-Profit-Organisation Forbidden Stories und Amnesty International Zugang bekommen hatten. Bei den Nummern handelt es sich um Ziele, die Kunden der Firma als mögliche Ziele für Überwachungsmaßnahmen eingegeben haben. An der Recherche beteiligt waren in Deutschland die Wochenzeitung "Die Zeit", die "Süddeutsche Zeitung", NDR und WDR. Weltweit waren Medien wie die "Washington Post" in den USA, der britische "Guardian" sowie "Le Monde" in Frankreich beteiligt. Koordiniert wurde die Zusammenarbeit von Forbidden Stories. Das Security Lab von Amnesty International trug technische Unterstützung und die forensische Analysen von Handys bei.

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ZAPP | 21.07.2021 | 17:00 Uhr