Stand: 11.05.2016 13:47 Uhr

Community Management: Dem Hass im Netz begegnen

von Melanie Stein
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Der Hass im Netz ist Alltag für Community Manager. Sie müssen all den Mist lesen, löschen und mit Drohungen fertig werden.

"Es fällt sehr schwer, abends nach Hause zu kommen und all die Negativität abzuschütteln", sagt Juliane Leopold. Sie hat lange Zeit als Community Managerin gearbeitet, bevor sie bei dem Online-Magazin "Buzzfeed" für eineinhalb Jahre den Posten der Chefredakteurin übernahm. Zorn, Degradierungen, Todeswünsche - mehrere hundert Kommentare las Juliane Leopold am Tag und musste dann entscheiden: veröffentlichen oder blocken? "Es ist, als würdest du dich den ganzen Tag durch eine Kloake wühlen", beschreibt sie ihren damaligen Arbeitsalltag.

Bildmontage von einer vor die mit einem Notebook vor einem Hintergrund mit verschiedenen Textfragmenten sitzt.

Community Management: Dem Hass im Netz begegnen

ZAPP -

Wut, Beleidigungen, Hass - in den Kommentarspalten des Internets ist der Ton rau. Community Manager müssen ihn aushalten. Zum Teil mit unangenehmen Folgen.

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Community Manager als Zielscheibe des Hasses

Zwar richtet sich der Hass in den Kommentarspalten in erster Linie gegen die Autoren von Artikeln oder Videos. Doch nicht selten werden auch die Community Manager zur Zielscheibe. Besonders dann, wenn sie Nutzer, die mehrmals gegen die Unternehmensregeln verstoßen haben, sperren müssen. Juliane Leopold wurde zwei Mal von einem Community Mitglied bedroht. In einem Fall wurde sie von ihrem Arbeitgeber alleingelassen. "Du als Redakteurin musst selber sehen, wie du damit zurechtkommst", hießt es von Unternehmensseite. In einem anderen Fall erhielt die Online-Journalistin Rechtsbeistand.

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"Juristischer Beistand ist im Fall einer Bedrohung ist das Mindeste, was ein Unternehmen seinen Mitarbeitern bieten muss", kommentiert Vivian Pein die Vorfälle. Sie ist im Vorstand des Bundesverband Community Management und setzt sich für eine Zertifizierung des Berufes ein. Neben Schulungen sei auch der Austausch mit anderen Community Managern wichtig. Außerdem sollten Redaktionen die Forenmoderatoren besser in den Redaktionsalltag integrieren: "Sie haben den direkten Bezug zur Leserschaft und kennen die Stimmung im Netz", so Pein.

Anonymisierung als Lösung?

Die Tageszeitung "Taz" hat einen speziellen Weg gewählt. Um ihre Mitarbeiter zu schützen, setzt sie auf Anonymisierung. "Wenn wir Kommentare im Netz moderieren, arbeiten wir unter Pseudonym", sagt Anna Böcker, die seit drei Jahren in der Online-Redaktion beschäftigt ist. Außerdem würden Mitarbeiter nicht länger als ein bis zwei Stunden Kommentare bearbeiten und sich regelmäßig untereinander austauschen. "Das wäre wirklich schrecklich, wenn man das den ganzen Tag allein machen müsste. Das könnte man irgendwann gar nicht mehr verarbeiten", meint die 35-Jährige.

Aufgaben der Community Manager auf dem Schirm haben

Die psychische Belastung, welcher Community Manager ausgesetzt sind - nicht alle Arbeitgeber haben sie auf dem Schirm. Anders ließe sich schwer erklären, weshalb viele Unternehmen nach einem kurzen Briefing Studierende oder Berufsanfänger Foren moderieren lassen. Laut Christian Schipke von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz ist zwar jede Firma verpflichtet, ihre Arbeitnehmer vor etwaigen Belastungen zu schützen, allerdings werde dies kaum kontrolliert. Immerhin: Ungefähr die Hälfte der Unternehmen hätten den Bereich Community Management bereits professionalisiert, schätzt Vivian Pein.

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ZAPP | 11.05.2016 | 23:15 Uhr