Unsere Geschichte

Meine Kindheit in der Schule

Samstag, 16. November 2019, 12:00 bis 12:45 Uhr

Die Schulzeit prägt die Kindheit und viele erinnern sich noch im Alter daran: Damals schwänzte man den Mathe-Unterricht und ging stattdessen im nahe gelegenen Wäldchen spielen. Die Tage vor den Sommerferien waren die längsten im ganzen Jahr. Der Spickzettel fiel aus dem Ärmel und der Tischnachbar vom Stuhl. "Unsere Geschichte - Meine Kindheit in der Schule" erzählt von großen und kleinen Erinnerungen an die Schule.

Spiegel der gesellschaftlichen Veränderungen

Aber die Schule hat nicht nur mit Biografie und kollektivem Erinnern zu tun. Sie ist und war auch ein Spiegel der gesellschaftlichen Veränderungen. Kaum eine andere Institution verrät mehr über unsere Werte und Moralvorstellungen als die Schule. Und kaum einer kommt an ihr vorbei. Die meisten lassen kein gutes Haar an ihr. Aber fast alle blicken irgendwann mit Wehmut auf sie zurück. Und in welchem Fotoalbum fehlt schon das Bild vom ersten Schultag?

Zwergenschule auf der Hallig

Unsere Geschichte ? Meine Kindheit in der Schule: Auf der Hallig Langeness gab es schulfrei bei "Land unter". © © NDR/taglicht media
Auf der Hallig Langeneß gab es schulfrei bei "Land unter".

"Tut, tut! Da kommt ein Auto", das war der erste Satz, den der Postschiffer Fiede Nissen gleich am ersten Tag lernen musste. "So etwas vergisst man sein Leben lang nicht." Für ihn, der auf der Hallig Langeneß aufgewachsen ist, war Heimatkunde das schönste Fach. Mit 14 anderen Kindern besuchte Fiede Nissen eine Zwergenschule, die unmittelbar neben der Kirche untergebracht war.

Schule an einem geschichtsträchtigen Ort

"Ich war gerade fünf Jahre alt", erinnert sich Dorothea Voigtländer aus Bonn, "aber ich kam mir schon sehr erwachsen vor." Es erstaunt wenig, dass ihr Lieblingsfach Geschichte sein würde. Denn als der erste Deutsche Bundestag am 7. September 1949 in Bonn in der Pädagogischen Akademie tagte, fand die Schulstunde gleich nebenan statt. Die Mädchen knicksten vor Konrad Adenauer, dem freundlichen älteren Herrn, der einem auch schon mal im Park begegnen konnte.

Dem Schauspieler Jan-Gregor Kremp genügte es bei Mathe-Arbeiten nicht, einzelne Zahlen abzuschreiben. Es mussten gleich ganze Zahlenreihen sein, weil die Wissenslücken zu groß waren. Zeugnisse konnten allein durch die Mathe-Note "verunziert" werden. Die schlimmsten Momente an der Tafel fanden auch bei Rebecca Siemoneit-Barum und Gerda Laufenberg während des Mathematikunterrichts statt.

Pädagogische Grundsätze haben sich stark verändert

Unsere Geschichte ? Meine Kindheit in der Schule: Für`s Schummeln braucht man gute Freunde. © © NDR/taglicht media
Schule ganz ohne technische Hilfsmittel: Wer früher nicht weiter wusste, musste versuchen, beim Nachbarn abzuschreiben.

In den Nachkriegsjahren und oft bis in die 1960er-Jahre hinein wurden kleine und größere Vergehen in der Schule hart bestraft, meistens mit dem gefürchteten Rohrstock. Der uneingeschränkte Respekt vor dem Lehrer, der damals in den Augen der meisten Menschen noch mindestens dieselbe Autorität wie der Pfarrer hatte, war selbstverständlich. Dass Kinder auch Spaß an der Schule haben können, kam erst in den Reformbemühungen der 1960er-Jahre auf die Tagesordnung. Lehrer durften geduzt werden, neue Lehrmittel wie Overhead-Projektoren zogen in den Unterricht ein. "Für Schüler meiner Couleur", glaubt Jan-Gregor Kremp, seien diese Bemühungen eher kontraproduktiv gewesen. Die Lehrer wurden nicht mehr ernst genommen und stattdessen verspottet. Vor allem im Sexualkundeunterricht mussten junge Lehrer erfahren, was es heißt mit "Anschauungsunterricht" zu scheitern.

Auch wenn sich die Unterrichtsmethoden über die Jahrzehnte grundlegend geändert haben, so haben die ehemaligen Schulkinder doch oft dieselben Erinnerungen. Das Schönste an der Schule, davon sind die meisten überzeugt, sei der Schulweg gewesen, denn dort habe die große "Freiheit" begonnen. "Wenn wir Klassenkameraden zusammensitzen, dann kommt irgendwann immer die eine Frage: 'Weißt du noch, weißt du noch?'", sagt Paul Wascinski, der nach dem Krieg im Ruhrgebiet zur Schule ging.

Autor/in
Ulrike Brinker
Redaktion
Christiane Hinz
Carola Meyer
Produktionsleiter/in
Eva-Maria Wittke
Redaktion
Christoph Mestmacher