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Rügenwalder Mühle - Mit der Teewurst an die Spitze

Mittwoch, 15. Juli 2020, 21:00 bis 21:45 Uhr

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"Wenn wir uns nicht immer geändert hätten, gäbe es uns nicht schon so lange", davon ist Christian Rauffus überzeugt. Er sitzt im Aufsichtsrat des Familienunternehmens Rügenwalder Mühle, das seit 183 Jahren existiert und seinen Standort heute im niedersächsischen Bad Zwischenahn hat.

Der Ursprung liegt in Pommern

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Benannt ist das Unternehmen Rügenwalder Mühle nach einer pommerschen Hansestadt, doch das Markenzeichen, die Mühle, steht in Bad Zwischenahn.

Benannt ist das Unternehmen nach der alten Hansestadt Rügenwalde in Pommern, die heute zu Polen gehört und Darłowo heißt. Dort gründet Carl Müller 1834 die gleichnamige Metzgerei. In dem Geschäft in der Langestraße direkt hinter dem Marktplatz verkaufen die Müllers damals Fleisch- und Wurstwaren, darunter Gänsebrust, pommersche Leberwurst und grobe Teewurst. Ihr Können und Wissen geben sie von einer Generation an die nächste weiter.

Feine Teewurst entsteht 1904 dank einer Panne

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"Fein" sollte die Teewurst ursprünglich nie werden - und entwickelte sich doch zum Verkaufsschlager.

Ein Produkt, für das das Unternehmen noch heute bekannt ist und das einen großen Anteil am wirtschaftlichen Erfolg hat, ist die feine Teewurst. Die Wurstspezialität aus Hackfleisch mit Speck wird 1904 erstmals hergestellt. Ihre Entstehung war allerdings nicht geplant, sondern ist einem Missgeschick bei der Herstellung der groben Teewurst zu verdanken. "Irgendwann hat einer am Cutter nicht aufgepasst und er ist zu lange gelaufen", weiß Christian Rauffus. Das Ergebnis fanden die Metzger aber interessant, sie würzten die feine Wurst nur anders als die grobe, unter anderem mit Paprika und Rum. Unter der geschützten Bezeichnung Rügenwalder Teewurst wird die neue Kreation in den folgenden Jahren in ganz Deutschland bekannt. Die Rügenwalder verpacken sie mit Holzwolle in Kisten und verschicken sie an Feinkostgeschäfte im ganzen Land.

Woher kommt der Name Teewurst?

Der Name Teewurst hat nichts mit den Zutaten zu tun - die Wurst enthält keinen Tee -, sondern mit den Essgewohnheiten in Pommern, wo sie herkommt. Dort wurde früher ähnlich viel Tee getrunken wie in Ostfriesland und die Wurst wurde dazu gegessen.

Von Pommern ins Ammerland

Im Zweiten Weltkrieg liegt die Teewurstproduktion auf Eis, die Metzger müssen Konserven herstellen für die U-Boot-Flotte und fürs Heer. Im Frühjahr 1945 fliehen Carl Wilhelm Müller, seine Frau Charlotte und Tochter Ruth vor der heranrückenden Roten Armee aus Rügenwalde. Eine neue Heimat finden sie in Niedersachsen - in Westerstede im Ammerland. Dort bauen sie sich langsam eine neue Existenz auf, zunächst mit einer Fleischerei. Später entsteht, getragen vom Wirtschaftswunder, eine Fleischfabrik in Bad Zwischenahn. Aus dem Handwerksbetrieb wird ein mittelständisches Unternehmen und eine industrielle Wurstfabrik.

Erfolg mit vegetarischen Produkten

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Lebensmitteltechnologin Katrin Koziol und ihr Kollege entwickeln neue vegetarische Produkte.

Rund 575 Mitarbeiter arbeiten heute bei der Rügenwalder Mühle, seit 1991 in einer neuen Fabrik am Rande von Bad Zwischenahn. In der Versuchsküche werden seit einigen Jahren auch vegetarische Produkte entwickelt. Am Anfang hagelte es dafür Spott und Ablehnung aus der Fleischbranche. Mittlerweile macht das Unternehmen 25 Prozent seines Umsatzes mit vegetarischen Produkten.

Die Rügenwalder Teewurst gibt es aber weiterhin - gute 6.000 Tonnen produziert die Rügenwalder Mühle im Jahr. Hergestellt wird die Wurst fast noch so wie vor mehr als 100 Jahren. Nur enthält sie heute keinen Rum mehr und weniger Fett.

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Autor/in
Heinrich Billstein
Kamera
Sven Kiesche
Schnitt
Sven Voss
Sprecher/in
Sascha Rotermund
Redaktion
Silvia Gutmann
Produktionsleiter/in
Tim Carlberg