Unsere Geschichte

Als die Punkte in den Norden kamen - 60 Jahre Verkehrserziehung

Samstag, 16. Oktober 2021, 12:00 bis 12:45 Uhr

Es ist der Albtraum aller Autofahrer: zu viele Punkte in Flensburg, denn dann ist der Führerschein weg. Die sogenannte Verkehrssünderkartei in Flensburg ist so bekannt wie gefürchtet. Mehr als zehn Millionen Bundesbürger sind dort aktenkundig, davon rund drei Viertel Männer.

Deutschlands Straßen sollten sicherer werden

Am 2. Januar 1958 trat das Verkehrszentralregister seinen Dienst an. Der Grund: Wegen des Wirtschaftswunders hatte nicht nur das Verkehrsaufkommen zugenommen, sondern auch die Zahl schwerer Unfälle. Daraufhin trat der damalige Verkehrsminister Hans-Christoph Seebohm entschieden auf die Bremse und ließ fortan alle Verkehrssünder und ihre Vergehen in einer Kartei speichern.

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Blick in den Lochersaal der sogenannten Verkehrssünderkartei des Kraftfahrt-Bundesamtes in Flensburg 1966. Hier stehen 150 Loch- und Prüfmaschinen, mit denen die Daten der Statistik und aus den Erfassungskarteien in Lochkarten übertragen werden. © picture alliance / Hans-J. Höhne Foto: Hans-J. Höhne

Die Punkte-Sammler aus Flensburg

Seit 1958 erfasst das Kraftfahrt-Bundesamt in Flensburg Vergehen im Straßenverkehr. Die Zahl der Verkehrstoten sinkt seitdem deutlich. mehr

Oberstes Gebot, damals wie heute: Die Straßen in Deutschland sollen sicherer werden. Die Geschichte der Verkehrserziehung ist auch ein Spiegelbild der deutschen Gesellschaft, denn nirgendwo ist der Mensch so sehr Mensch wie hinter dem Steuer. Wo Verkehrspsychologen wie Mark Vollrath heutzutage das Mobiltelefon als größte Ablenkung im Straßenverkehr ausgemacht haben, warnte in den 1970er-Jahren die Fernsehsendung "Der 7. Sinn" in Episoden wie "Frau am Steuer" noch vor ganz anderen "Gefahren".

Sechs Jahrzehnte "Verkehrssünderkartei" - eine Bilanz

Stempelkarte statt Punktesystem: Der Rostocker Hauptkommissar Axel Ulrich (r.) erinnert sich an seine Zeit als DDR-Verkehrspolizist. © NDR/jumpmedienTV GmbH/Axel Ulrich privat
Stempelkarte statt Punktesystem: Der Rostocker Hauptkommissar Axel Ulrich (r.) erinnert sich an seine Zeit als DDR-Verkehrspolizist.

Fortschritt dank Flensburg? Unfallforscher, Verkehrsexperten und Zeitzeugen ziehen Bilanz über rund 60 Jahre Verkehrssünderkartei. Gudrun Streng, langjährige Mitarbeiterin des Kraftfahrt-Bundesamtes, erinnert sich an ihre Ausbildung in der Flensburger Behörde und die Einführung des berühmt-berüchtigten Punktesystems 1974. Es war sowohl für die Autofahrer als auch für die Beamten vor den kilometerlangen Aktenregalen in der Behörde eine Wende. Der ehemalige DDR-Verkehrspolizist Axel Ulrich erinnert sich an die Zeiten, als es statt Punktesystem noch Stempelkarte gab und nach der Wiedervereinigung Anarchie auf ostdeutschen Straßen herrschte.

Hamburger Verkehrskasper ist "dienstältester Polizist"

Der dienstälteste Verkehrspolizist Deutschlands im Einsatz - der Hamburger Verkehrskasper. © NDR/jumpmedienTV GmbH
Der dienstälteste Verkehrspolizist Deutschlands im Einsatz - der Hamburger Verkehrskasper.

Der Film begleitet außerdem den "dienstältesten Polizisten" Deutschlands, den Hamburger Verkehrskasper, zu seiner Aufführung vor lauthals mitfiebernden Grundschülern.

Humor im Straßenverkehr, dafür steht Dirk Bielefeldt alias Herr Holm. Der bekannte Kabarettist gibt in seinen Programmen wertvolle Tipps zum "erfolgreichen Punktesammeln" in Flensburg.

Der Film macht eine rasante Spritztour durch rund 60 Jahre "Verkehrsrepublik" Deutschland, blickt hinter die Kulissen des Kraftfahrt-Bundesamtes und zeigt beeindruckende Archivaufnahmen und unvergessene Perlen der Fernsehgeschichte über Automobile.

Autor/in
Timo Gramer
Anni Brück
Produktionsleiter/in
Frederik Keunecke
Redaktion
Katrin Glenz
Marc Brasse
Leitung der Sendung
Norbert Lorentzen

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