Sendedatum: 27.01.2019 19:30 Uhr

Zeitreise: Ein Milliardär auf Walfang

von Sophia Stritzel

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In den 50er-Jahren fing die in Kiel gebaute Jagd-Flotte des griechischen Reeders Aristoteles Onassis rund 22.000 Wale. Der ehemalige Matrose Kurt Rehder erinnert sich.

"Die Fangboote sind ausgeschwärmt", schreibt Kurt Rehder im Sommer 1954 in einem Brief an seine Eltern. Er ist damals 24 Jahre alt, arbeitet als Matrose und Walverarbeiter auf dem Walfangschiff "Olympic Challenger". Der Kampf mit den Walen dauerte oft Stunden, erinnert sich Rehder: "Das Wasser war sehr blutig. Aus heutiger Sicht würde das keiner mehr als schön empfinden. Aber wir fanden es damals spannend."

Akkordarbeit in Blut und Tran

In Zwölfstundenschichten hat er auf der "Olympic Challenger" Wale zerlegt. Das Deck war voller Blut und Fett. Um nicht auszurutschen, hatte Kurt Rehder Nägel an den Sohlen. "Bequem haben wir 100 Wale am Tag verarbeitet", erinnert sich der 88-Jährige. Das Fleisch wurde weggeworfen. Wichtig war vor allem der Speck, aus dem Öl für Margarine gewonnen wurde.

Walfang im Auftrag des Milliardärs Onassis

Das Wal-Öl brachte viel Geld. Der griechische Reeder Aristoteles Onassis sah darin ein lukratives Geschäft. 1949 ließ er auf der Howaldt Werft in Kiel einen Tanker und 15 Korvetten für den Walfang umbauen. Das Flaggschiff taufte er "Olympic Challenger" - in Erinnerung an seine Berufung in die griechische Wasserball-Olympiamannschaft.

"Roulette langweilt mich, mein Spiel ist die Walfängerei." Die Waljagd faszinierte Onassis.

Als Arbeitgeber war Onassis immer "fair und sehr angenehm", erinnert sich der ehemalige Matrose Kurt Rehder. Und auch das Gehalt der Walfänger war gut. 1.300 Mark verdiente Rehder im Monat - mehr als vier Mal so viel wie ein Facharbeiter. Von Bord der "Olympic Challenger" schrieb er an seine Eltern: "Wenn ich darüber nachdenke, wie gut wir hier leben im Vergleich zu den Leuten an Land, dann dürfen wir wirklich kein einziges Mal über irgendetwas klagen."

Zeitreise: Ein Milliardär auf Walfang

Walfang um jeden Preis

Doch auch die Erwartungen des Eigners Onassis waren hoch. Die Walfangflotte kostete den griechischen Reeder rund 25.000 Dollar am Tag. Die Walfänger umgehen systematisch den Walschutz, auch besonders geschützte Buckelwale werden geschossen.

Nicht überall sind sie willkommen. Kurt Rehder ist südlich der Galapagos-Inseln auf Pottwaljagd, als ein Flugzeug die Flotte überfliegt: "Auf einmal begann das Flugzeug auf uns zu schießen, und zwar Maschinengewehrfeuer - mehrere Salven", erinnert er sich. Die peruanische Regierung hatte ihre Waljagd als Piraterie ausgelegt.

Eine letzte Reise

Zweimal fährt Kurt Rehder mit der "Olympic Challenger" auf Walfang. Am Ende der zweiten Reise schreibt er wehmütig an seine Eltern: "Ich genieße meine letzte Seereise. Es wird nicht mehr lange dauern, dann muss ich der Seefahrt Adieu sagen." Auch die Zeit der "Olympic Challanger" endet wenig später. Nur noch einmal geht sie auf große Fahrt, dann verkauft Onassis seine Flotte nach Japan.

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Schleswig-Holstein Magazin | 27.01.2019 | 19:30 Uhr