Sendedatum: 16.12.2018 19:30 Uhr

Zeitreise: Die wechselhafte Geschichte des Munkmarscher Hafens

von Carolin Rabe

Das Fährhaus Munkmarsch auf Sylt war das erste Fünf-Sterne-Superior Hotel auf der Insel. Das war einmal eine simple Hafengaststätte. Das Haus blickt auf eine 150-jährige Geschichte zurück. Ende des 19. Jahrhunderts kamen die Reisenden mit Schiffen vom dänischen Hoyer nach Sylt. Ihre erste Station war der Hafen von Munkmarsch. Bevor 1927 der Hindenburgdamm eröffnet wurde, gab es nur den Weg über die Nordsee.

Das erste Fünf-Sterne-Superior Hotel Sylts

Essen und Feiern im viktorianischen Stil

Befördert wurden sie vom Postschiffer Thomas Selmer. Der hatte die Idee, den Gästen eine Möglichkeit zu geben, sich aufzuwärmen oder einen Happen zu essen. So baute er das erste Fährhaus: eine einfache rustikale Blockhütte. 1880 baute Thomas Selmer dann ein Backsteinhaus. Dessen viktorianischer Stil und Mauern sind bis heute erhalten. Ende des 19. Jahrhunderts zahlten Gäste für eine Übernachtung mit Morgenkaffee 2,75 Mark. Wildenten und Aal mit Bratkartoffeln waren die Spezialität. Auch Einheimische mischten sich unter die Gäste - vor allem bei legendären Pfingstfesten. Das war lange Tradition im Fährhaus. Die Feste begannen bereits morgens um vier und endeten meistens erst in den Mittagsstunden.

Das Fährhaus Munkmarsch.

Fährhaus Munkmarsch - das Tor zum Meer

Schleswig-Holstein Magazin -

Das Fährhaus Munkmarsch auf Sylt blickt auf eine 150-jährige Geschichte zurück: Aus einer simplen Hafengaststätte wurde das erste Fünf-Sterne-Superior-Hotel der Insel.

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Hafen und Fährhaus gehören zusammen

Aber auch Seehundjagden waren Attraktionen für die Gäste. Im Laufe der Jahre kamen immer mehr Segler in den Hafen von Munkmarsch und zum Fährhaus. Mit ihren Booten konnten sie quasi direkt bis vor den Eingang fahren. Der Hafen und das Fährhaus gehörten immer zusammen. Die Klientel des Fährhauses veränderte sich mit den Jahren und wurde auch exklusiver. Immer mehr Promis gehörten genau wie Politiker dazu. Der heutige Hoteldirektor, Robert Jopp, berichtet vom sogenannten Zarenfrühstück. Für 350 Mark gab es 500 Gramm Kaviar, geräucherten Belluga-Stör und eine Flasche Krimsekt.

Wechselvolle Geschichte

Das Fährhaus erlebte Höhen und Tiefen. Besitzer wechselten, Pächter auch - mal scheiterten sie am Geld, mal an Umbaugenehmigungen. 1980 gingen hier die Lichter endgültig aus. Es folgte eine Abrissgenehmigung: Weil der damalige Besitzer aber keinen Kredit für einen Neubau bekam, blieb das Fährhaus stehen. 1990 kaufte es der heutige Eigentümer. Er setzte den Altbau auf Stelzen, unterkellerte ihn, baute sieben Jahre lang um und erweiterte das Hotel nach und nach. Im Inneren - in der Bibliothek - wurde auch Politik gemacht. Während der Griechenland-Krise zum Beispiel trafen sich hier Finanzminister Schäuble und der US-Finanzminister. Kamerateams drängelten sich hier aber auch, als Roman Polanski seinen Hollywood-Streifen "Der Ghostwriter" drehte. Das Fährhaus diente als Kino-Kulisse. So schrieb das Fährhaus Munkmarsch in 150 Jahren Geschichte und Geschichten. Es beherbergte Reisende, aber es hat auch eine eigene Reise hinter sich.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 16.12.2018 | 19:30 Uhr