Sendedatum: 14.07.2019 19:30 Uhr

Zeitreise: Die Seehundjäger von Sylt

von Karl Dahmen

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Bis Anfang der 1970er Jahre war die Seehundjagd gestattet. Vor der Insel Sylt wurden die Tiere gejagt. Einer der Jäger war Curt Dethlefs.

So ein Tier hatte Curt Dethlefs im Wattenmeer noch nie gesehen. Seit mehreren Jahrzehnten schipperte der Seehundjäger die Küsten Sylts ab, aber solch ein Tier war hier am Strand des Ellenbogens noch nie zuvor aufgetaucht. Er visierte es mit dem Gewehr an und erlegte ein weibliches Walross von knapp einer Tonne Gewicht. Das Tier war das Gesprächsthema im Lister Hafen. Es war Sommer und die Kurgäste drängelten sich in Badehosen und Badeanzügen um das mit einem Kran empor gezogene Walross.

Ein Seehund in der Nordsee blickt Richtung Kamera.

Als die Seehundjagd in der Nordsee normal war

Schleswig-Holstein Magazin -

Vor 50 Jahren wurden Seehunde hierzulande noch bejagt. Der Sylter Seehundjäger Curt Dethlefs nahm dazu Gäste mit aufs Meer. Einmal kam ihm auch ein Walross vor die Flinte.

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Als die Seehundjagd noch erlaubt war

Maren Gielnik ist die Tochter von Curt Dethlefs. Noch heute erinnert sie sich daran, wie überfüllt der Hafen war. Sie war damals 17 Jahre, arbeitete im Restaurant der Familie und rannte zum Boot des Vaters, als sie von seinem seltsamen Fang hörte.

Ein Seehund für 180 D-Mark

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Curt Dethlefs hatte die Seehundjagd von seinem Vater gelernt. Für 180 D-Mark konnten ausgebildete Jäger in seiner Begleitung Seehunde schießen.

Dethlefs war bekannt auf der Insel. Ein gemütlicher und freundlicher Mann, der die Seehundjagd bei seinem Vater gelernt hatte. In einem Interview 1969 mit dem NDR erzählte er der Reporterin, dass man in seiner Begleitung Seehunde schießen dürfe. Die Kosten betrügen 180 D-Mark, dafür würde einem dann aber auch der gesamte Seehund gehören. Vor allem die Leber, meinte er, schmecke sehr gut. Allerdings dürften nur ausgebildete Jäger ihn begleiten, die bei der Sylter Verwaltung auch noch für 20 D-Mark eine Jagderlaubnis erwerben müssten. Vor 50 Jahren gab es nur noch 1.700 Seehunde im schleswig-holsteinischen Wattenmeer. Von ihnen durften im Jahr rund 300 geschossen werden. Erst 1974 wurde die Jagd auf sie verboten und mit dem Einrichten des Nationalparks Wattenmeer wurden sie speziell geschützt.

Beruf Seehundjäger und seine Anforderungen

Maren Gielnik hat bei ihrem Vater noch eine Jagd mitgemacht. Sie beobachtete, wie er sich auf den Bauch legte und dann mit kräftiger Armunterstützung über den feuchten Sandboden robbte, um einen Seehund für einen Jagdgast anzulocken. Mehr als 1.200 Seehunde starben bei seinen Jagdausflügen. Aber das war eine andere Zeit, sagt Thomas Diedrichsen. Er ist heute einer der vier Seehundjäger Sylts. Damals war auch nicht die Jagd Hauptgrund für das allmähliche Verschwinden der Seehunde, sondern die Umweltverschmutzung, meint er. Heute sind die Anforderungen für die Seehundjäger ganz andere: Sie sind Ansprechpartner für Verwaltung, Naturschutzbehörden und Touristen. Und wenn die Jäger mal einen Seehund erlegen müssen, weil er krank ist, wird er zur wissenschaftlichen Erforschung direkt nach Büsum geschickt.

Erlebniszentrum Naturgewalten in List

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Adele heißt das von Curt Dethlefs geschossene und präparierte Walross. Zu sehen ist es im Erlebniszentrum Naturgewalten in List.

Das von Curt Dethlefs geschossene Walross ist übrigens immer noch auf Sylt. Inzwischen hat es sogar einen Namen bekommen: Adele. Sorgfältig präpariert ist Adele nun seit sechs Jahren im Erlebniszentrum Naturgewalten in List zu sehen und erzählt von einer Zeit, als die Jagd in der Nordsee noch normal war.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 14.07.2019 | 19:30 Uhr

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