Zeitreise: Der vergessene Lübeck-Roman "Die Großvaterstadt"

Stand: 22.01.2021 16:00 Uhr

Ein Werk von kulturhistorischem Wert für Lübeck: Ludwig Ewers und sein Roman "Die Großvaterstadt" erzählen Geschichten von Lübecker Bürgern aus dem 19. Jahrhundert.

von Thomas Kahlcke

Wenn von DEM Lübeck-Roman die Rede ist, meint man immer die "Buddenbrooks" von Thomas Mann. Kaum bekannt ist heute dagegen, dass 25 Jahre später, also 1926, ein weiterer Lübeck-Roman erschien, der seinerzeit einiges Aufsehen erregte: "Die Großvaterstadt" des Lübeckers Ludwig Ewers. Darin erzählt der Heinrich-Mann-Jugendfreund in warmem, atmosphärischem und humorvollem Tonfall die Geschichte - und etliche Geschichten - aus Lübeck um die Mitte des 19. Jahrhunderts.

Das Buch "Die Großvaterstadt" von Ludwig Ewers liegt auf einem Holztisch. © NDR
Ein "Werk von kulturhistorischem Wert für Lübeck", doch der Autor erlebt den Großteil des Ruhms nicht. Erst die Neuauflagen machen das Buch bedeutend.
Kaum Resonanz für Lübecker Autor

Es ist nicht viel bekannt über Ludwig Ewers. 1870 wird er in Lübeck geboren. Schon als Schüler hat er literarische Ambitionen und veröffentlicht erste Gedichte. Seinen Lebensunterhalt aber verdient er als Journalist, auch wenn sein Herz eigentlich für die Literatur schlägt. Seine Erzählungen und Romane, die seinerzeit gedruckt werden, finden jedoch nicht die Resonanz, die er sich erhofft. Als Ewers 1946 in Hamburg stirbt, ist er als Autor bereits vergessen.

Großer Erfolg mit weiteren Auflagen

Das Holstentor in Lübeck. © NDR
Im Gegensatz zu vielen anderen Romanen gibt "Die Großvaterstadt" die geschilderten Ereignisse historisch korrekt wieder, wie zum Beispiel Diskussionen um das Holstentor in Lübeck.

Der Roman "Die Großvaterstadt" ist sein größter Erfolg. 1926 wird er erstmals veröffentlicht, 1942 und 1980 gibt es Neuauflagen. Der Buchtitel bedeutet: Lübeck zur Zeit der Großväter. Der Roman erzählt historisch korrekt von den Ereignissen in und um Lübeck in der Zeit zwischen 1843 und 1862 - etwa von den Diskussionen um das Holstentor oder die Errichtung der ersten Eisenbahnverbindung nach Hamburg. Vor allem aber erzählt Ewers vom Leben der einfachen Leute - von ihren Arbeits- und Lebensbedingungen, von ihren Gefühlen, Wünschen und Grenzen.

Kulturhistorisches Werk für Lübeck

Ähnlich wie in den "Buddenbrooks" werden die Episoden an konkreten Menschen festgemacht. Wie bei Thomas Mann existieren für diese Personen reale Lübecker als Vorbilder und auch "Die Großvaterstadt" ist ein Roman von beträchtlichen Ausmaßen. Allerdings konnte sich Ludwig Ewers mit seinem Buch nicht für einen Literaturnobelpreis qualifizieren. Dennoch: "Die Großvaterstadt" wurde damals als "ein Werk von kulturhistorischem Wert für Lübeck" bezeichnet - und ist noch heute gut lesbar und unterhaltsam.

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Dampflokomotive aus dem 19. Jahrhundert. © dpa - report Foto: Votava

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