Sendedatum: 01.09.2019 19:30 Uhr

Zeitreise: Ein Foto und sein unbekannter Fotograf

von Karl Dahmen

Es ist eines der berühmtesten Fotos des Zweiten Weltkriegs: Deutsche Soldaten reißen einen polnischen Schlagbaum nieder. Wer war der Mann, der dieses Foto gemacht hat? Am 1. September 1939 überfiel die Deutsche Wehrmacht Polen. Das Kriegsschiff Schleswig-Holstein eröffnete um 4.47 Uhr das Feuer auf polnische Stellungen. Mehr als 1,5 Millionen Soldaten, 2.500 Panzer und 2.000 Flugzeuge rückten vor: der Beginn des Zweiten Weltkriegs.

Ein altes schwarz-weiß Foto zeigt deutsche Soldaten an der Polnischen Grenze am Anfang des zweiten Weltkriegs. © NDR

Zeitreise - Der unbekannte Fotograf

Schleswig-Holstein Magazin -

Es ist eines der berühmtesten Fotos des Zweiten Weltkriegs: Lachende deutsche Soldaten reißen einen polnischen Schlagbaum nieder. Wer war der Mann, der dieses Foto gemacht hat?

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Fotodokument für die Geschichtsbücher

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Hans Sönnke schoss das berühmte "Schlagbaum"-Foto.

Ein Foto von diesem Tag gilt als das ikonografische Bild des Kriegsbeginns überhaupt: Das Bild von deutschen Soldaten, die lachend einen polnischen Schlagbaum aus der Fassung reißen und beiseite schieben. Heute weiß man, dass es eine Inszenierung war, dass man den Schlagbaum bereits vorher abgesägt hatte. Der Fotograf des weltberühmten Bildes ist der Danziger Hans Sönnke. Er begleitete die deutschen Truppen an diesem Tag, während des Krieges war er bei einer Propagandakompanie der Wehrmacht. Was nach dem Krieg mit ihm geschah, wusste man nicht - bis jetzt.

Lübecker Fotoatelier mit Geschichte

Sein Sohn Georg Sönnke erzählt, dass der Vater zunächst in die Lüneburger Heide flüchtete, die Familie aus Danzig nachholte und dann nach Lübeck ging. Hier baute er sich seit 1950 eine neue Existenz auf. Zunächst hatte er sein Atelier in einem alten Bunker und zog dann in die Innenstadt. Bei "Foto Sönnke" in der Mühlenstraße haben Generationen von Lübeckern ihre Passfotos machen lassen. Hans Sönnke war unterwegs auf Standesämtern und Familienfesten. Zugleich nahm er Industrieaufträge, wie zum Beispiel von der Flenderwerft, an und fotografierte Stapelläufe und Schiffe. Bei Hans Sönnke konnte man auch seine eigenen privaten Farbfilme entwickeln lassen. Er war der Erste, der diesen Service in Lübeck anbot. Bei den jährlichen Volksumzügen in Lübeck war der Firmenwagen von "Foto Sönnke" stets dabei.

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Bei "Foto Sönnke" in der Mühlenstraße konnte man seinen eigenen Farbfilm entwickeln lassen.
Was blieb, war ein Bild mit Geschichte

Der ehemalige Danziger Hans Sönnke hatte aus dem Nichts ein gut laufendes Fotogeschäft in der Hansestadt aufgebaut. Umso härter traf es ihn, als immer mehr große Elektro-Warenhäuser entstanden. Mit ihren Rabattpreisen konnte er nicht mithalten. Seine Kinder versuchten ihm zu erklären, dass sich das Fotografieren nicht mehr lohnt. "Das hat Vater einfach nicht verkraftet", meint sein Sohn Georg, "das hat ihm das Herz gebrochen". Hans Sönnke starb 1982 mit 76 Jahren, noch bevor das Geschäft für immer schließen musste.

Geblieben ist von ihm vor allem ein Foto: das Bild, das zum Symbol für den Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde. In unserer Zeitreise erzählen wir die Geschichte des Fotos und vor allem von seinem Fotografen Hans Sönnke.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 01.09.2019 | 19:30 Uhr

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