Sendedatum: 07.07.2019 19:30 Uhr

Zeitreise: 50 Jahre Drachensee

von Kati Bochow

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Sie gab den entscheidenden Anstoß - Ursula Ruckriegel kämpfte für ihren Sohn.

Es war Mitte der 50er-Jahre: Da stellt eine Kielerin fest, dass es für ihren geistig behinderten Sohn keine Betreuungsangebote oder gar eine Schule gibt. Die Frau arbeitet bei der Stadt und kämpft darum, dass ihr Kind das gleiche Recht wie alle anderen Kinder bekommt. Sie findet viele Eltern, denen es ähnlich geht. In der Landeshauptstadt führt dies zu einem ersten Betreuungsangebot, dem Jugendheim am Schützenpark.

Kiel war bundesweit Vorreiter

Damit war Kiel bundesweit Vorreiter. Einmalig war damals der Gedanke, diese Menschen nicht wegzusperren, sondern zu fördern. Mit dem Älterwerden der Kinder wurde 1961 die erste Werkstattgruppe für Jugendliche mit Behinderung in Kiel geschaffen. Im Jahr 1969 entstand dann der Verein zur Förderung geistig behinderter Kinder, Jugendlicher und Erwachsener. Der Grundstein der heutigen Stiftung Drachensee.

Heutige Möglichkeiten

Heute bietet die Stiftung 640 Werkstattplätze an drei Standorten in Kiel und 190 unterschiedliche Wohnplätze. Außerdem unterstützt sie rund 400 Menschen mit Behinderungen und deren Familien ambulant. An offenen Ganztagsschulen und Förderzentren bietet die Stiftung 500 Schülern wöchentlich Betreuung in pädagogischen Projekten. Und Menschen mit Behinderungen arbeiten in Beteiligungen der Stiftung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt: zum Beispiel in der IT-Firma TransFair GmbH, im Restaurant Freistil oder bei der Kabeltechnik Kiel GmbH.

Ein ganz normaler Alltag

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Die Kantine des Wirtschaftsministeriums ist eines der vielen Projekte der Stiftung Drachensee.

Alles immer noch unter dem Gedanken von damals: der Normalisierung der Lebensbedingungen von Menschen mit Behinderung. Wir erzählen die Zeitreise anhand des Tagesablaufes von Kevin Kollrepp - der 26-Jährige arbeitet in der Kantine des Wirtschaftsministeriums, die die Stiftung Drachensee betreibt. Dorthin fährt er jeden Morgen aus Schwentinental knapp 10 Kilometer mit dem Fahrrad. Er hat eine geistige Behinderung und wohnt in einer Wohngemeinschaft der Stiftung mit zwei Mitbewohnern und ist dort direkt von Zuhause aus hingezogen. Kevin ist Ausdauerläufer in der Laufgruppe der Stiftung Drachensee und sportlich sehr erfolgreich. Er steht aufgrund seines Alters und seines Alltags für das Ergebnis einer langen Entwicklung in der Stiftung Drachensee.

Es ist Ursula Ruckriegels Idee und Kraft und dem Engagement vieler in den vergangenen 50 Jahren zu verdanken, dass Kevin Kollrepp heute ein Leben führen kann, wie alle anderen auch.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 07.07.2019 | 19:30 Uhr

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