120 Jahre Kulturtempel in Rendsburg

Sendedatum: 28.11.2021 19:30 Uhr

Axel Prahl oder Rainer Bock: Im Stadttheater Rendsburg starteten einige TV-Stars von heute ihre Karriere. Jetzt feiert die Kulturstätte einen runden Geburtstag.

von Thomas Kahlcke

Kaum eine Institution wurde so oft totgesagt und lebte so häufig wieder auf wie das Theater. Das Rendsburger Theater ist dafür ein Paradebeispiel: Vor 120 Jahren wurde es eröffnet - und hat seitdem eine sehr turbulente Geschichte erlebt. Jetzt, an seinem runden Geburtstag, blickt das Haus auf Höhenflüge, Durststrecken und Pleiten in finanzieller wie künstlerischer Hinsicht zurück.

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Blick auf das prachtvolle alte Stadttheater in Rendsburg.  Es wurde zwischen 1900 und 1901 von dem Architekten Albert Winkler errichtet. © picture-alliance / HB-Verlag

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Probleme bei den Baukosten

Schon vor seiner Eröffnung 1901 hatte das Rendsburger Haus bereits sein erstes Problem: Die Baukosten waren mit fast 300.000 Goldmark doppelt so hoch wie veranschlagt - so etwas gab es schon damals. Genau genommen handelte es sich zunächst gar nicht um ein Stadttheater, sondern um eine Stadthalle, in der auch Feste, Ausstellungen und Tagungen abgehalten werden sollten. Ein eigenes Ensemble gab es noch nicht; der Schleswiger Theaterunternehmer bespielte auch das Rendsburger Theater mit.

Ewiger Kampf ums Geld

Erst nach dem Zweiten Weltkrieg erhielt das Theater ein eigenes Ensemble. Aber die Lage war weiterhin prekär. So gab es beinahe die gesamte Geschichte des Rendsburger Theaters hindurch Versuche, durch Kooperationen mit anderen Häusern Kosten zu sparen und die Qualität zu erhöhen. Ein Theater mit den Sparten Schauspiel und Ballett, Oper und Operette samt eigenem Orchester in einer Stadt, die gerade einmal 35.000 Einwohner hatte - das war kaum zu bezahlen. Aber erst 1974 begann mit der Fusion der Stadttheater Rendsburg, Schleswig und Flensburg zur "Schleswig-Holsteinischen Landestheater und Sinfonieorchester GmbH" eine stabile Phase.

TV-Stars starteten in Rendsburg ihre Karriere

Ute Lemm, Intendantin des Rendsburger Theaters, sitzt in einem Sall des Theaters und blickt vor sich hin. © NDR
Ute Lemm ist seit August 2020 die Generalintendantin des schleswig-holsteinischen Landestheaters und Sinfonieorchesters.

Jetzt konnte die Institution auch bessere Darsteller und vielversprechende Talente engagieren, die vom Landestheater aus die Republik erobern sollten: Der junge Axel Prahl spielte hier und Rainer Bock, der später in Stuttgart und München groß herauskam und auch durch Filme bekannt wurde. "Damals habe ich gemerkt, wie toll es ist, wenn man in einem Ensemble arbeiten kann, in dem sich 99 Prozent der Leute wirklich verstehen", schwärmt Rainer Bock noch heute. "Dort ist die Urzelle dessen gelegt worden, was ich unter einem Ensemble verstehe".

Wandlungsfähigkeit als Grundtugend

Zwar drohen immer mal wieder einzelne Gesellschafter mit dem Ausstieg aus der GmbH - was das gesamte Konstrukt gefährden würde. Aber davon abgesehen ist das Landestheater heute Deutschlands größte und erfolgreichste Landesbühne. Wie es scheint, ist das frühere Stadttheater Rendsburg in dieser Gemeinschaft bestens aufgehoben. Dass es das Haus überhaupt noch gibt, verdankt es einer Grundtugend der Theatermacher: der Wandlungsfähigkeit.

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Dampflokomotive aus dem 19. Jahrhundert. © dpa - report Foto: Votava

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