Sendedatum: 17.11.2019 19:30 Uhr

Zeitreise: 100 Jahre Philharmonischer Chor Kiel

von Thomas Kahlcke

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Nach dem Ersten Weltkrieg war der harmonische Klang des Chores von unvorstellbarem Wert für den vom Krieg geprägten Alltag.

Als 1919 der damals noch "Oratorienverein" genannte Philharmonische Chor gegründet wird, ist gerade der Erste Weltkrieg vorbei. Die Menschen sehnen sich nach Schönheit und Harmonie. Und während um sie herum das Land leidet und stöhnt, wollen die Chorgründer die Kieler durch Musik seelisch stärken. Große Oratorien mit Beteiligung von Solisten und Orchester werden in den ersten Jahren des neuen Ensembles aufgeführt. Es sind Werke, die Erhabenheit, tiefes Gefühl und Trost vermitteln. Wenn man die Kritiken in den Zeitungen von damals liest, erfährt man, wie groß die Sehnsucht der Menschen nach Wärme, Wahrheit und Wohlklang ist.

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In den 1968er Jahren kommt es auch im Chor zu Rebellionen.
Rebellen im Chor

Chorgeschichte ist immer auch Zeitgeschichte. Die Sängerinnen und Sänger studieren nicht einfach nur ein Werk nach dem anderen ein und bringen es zur Aufführung. Auch ein Chor bewegt sich in den Koordinaten der jeweiligen Zeit. Dass der erste Dirigent des "Oratorienvereins" nach 1933 in der Reichmusikkammer Karriere machte und das Ensemble als "Städtischer Chor" der Kontrolle des Kieler Opernhauses unterstellt wird, sind weitere Indizien für diese geschichtlichen Bezüge. Interessant ist auch, was nach 1968 passiert. Nicht nur Studenten beginnen, sich gegen die traditionellen Autoritäten aufzulehnen. Auch im Kieler Chor gibt es Rebellen, die so lange gegen den Vorstand meutern, bis der resigniert aufgibt.

Gelassener Blick in die Zukunft

Heute ist das Ensemble unter dem Namen "Philharmonischer Chor Kiel" bestens aufgestellt. Er gibt niveauvolle Konzerte und ist hoch angesehen. Er verfügt über einen Extrachor, dessen Mitglieder bei großen Werken den professionellen Opernchor ergänzen. Er hat einen Chor für ältere Mitglieder eingerichtet. Und im Gegensatz zu vielen anderen Singvereinigungen kann er über mangelnden Nachwuchs nicht klagen. Wenn das Ensemble mit Mendelssohns "Elias" nun ein prächtiges Jubiläumskonzert präsentiert, kann es nach bewegter Vergangenheit also gelassen in die Zukunft blicken.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 17.11.2019 | 19:30 Uhr