Forscher in weißen Kitteln klettern einen Berg hoch, auf dessen Spitze eine Spritze steht.

Impfstoff erhält Notfall-Zulassung

Stand: 02.12.2020 10:22 Uhr

Wann steht ein Impfstoff gegen das Coronavirus zur Verfügung? Wer bekommt ihn zuerst, und wer entscheidet darüber? Wer finanziert die Forschung, wer profitiert? Diesen und anderen Fragen geht der NDR nach und veröffentlicht hier seine Recherchen zur Corona-Impfstoffentwicklung.

von Christian Baars, Oda Lambrecht

+++ Aktuell +++

Großbritannien lässt ersten Impfstoff zu

2.12.20: Die britische Aufsichtsbehörde für Arzneimittel (MHRA) hat dem Corona-Impfstoff des Mainzer Pharma-Unternehmens Biontech und seines US-Partners Pfizer eine Notfallzulassung erteilt. "Vorausgegangen waren monatelange rigorose klinische Studien und eine gründliche Analyse der Daten durch Experten der MHRA, die zu dem Schluss kamen, dass der Impfstoff die strengen Sicherheits-, Qualitäts- und Wirksamkeitsstandards erfüllt hat", teilte ein Sprecher des britischen Gesundheitsministeriums mit. Der Impfstoff werde ab nächster Woche in ganz Großbritannien zur Verfügung gestellt. Die britische Regierung hat im Juli eine Vereinbarung mit Biontech und Pfizer getroffen. Sie sollen demnach 30 Millionen Dosen liefern. In der EU und den USA prüfen die zuständigen Behörden noch eine mögliche Zulassung. Nach Angaben der Unternehmen soll ihr Impfstoff etwa 95% der Covid-19-Erkrankungen verhindern können. Schwere Nebenwirkungen seien in den Studien nicht aufgetreten.

Weitere wichtige Infos in Kürze:

  • In der EU und den USA stehen drei Impfstoff-Kandidaten kurz vor einer möglichen Zulassung - von Biontech/Pfizer, Moderna sowie von AstraZeneca/UniOxford. Alle drei haben nach Angaben der Unternehmen in abschließenden Studien eine hohe Wirksamkeit gezeigt. Schwerwiegende Nebenwirkungen sind demnach nicht aufgetreten. Die Firmen Biontech/Pfizer sowie Moderna haben Anträge auf eine Zulassung gestellt. Jetzt prüfen die Behörden in der EU (die Europäische Arzneimittelagentur, EMA) und in den USA (FDA), ob sie die Mittel zulassen.
  • Die EU hat sich bereits die Lieferung von bis zu knapp zwei Milliarden Dosen gesichert. Sie hat entsprechende Vereinbarung mit mittlerweile sechs Unternehmen getroffen. Deutschland stehen dem Bevölkerungsanteil entsprechend davon 18,6 Prozent zu. Das wären etwa 365 Millionen Dosen. Hinzu kommen bilaterale Vereinbarungen mit den deutschen Herstellern Biontech, Curevac und IDT Biologika.
  • In Deutschland laufen die Vorbereitungen für das Impfprogramm. Nach einer Zulassung sollen möglichst schnell Millionen Menschen geimpft werden können. Dafür sollen eigens Impfzentren eingerichtet werden. Eine große Herausforderung ist die Lagerung und der Transport. Denn der Impfstoff von Biontech / Pfizer muss bei -70 Grad aufbewahrt werden. Die anderen beiden aussichtsreichen Kandidaten können bei höheren Temperaturen gelagert werden (Moderna: -20 Grad // AstraZeneca / Uni Oxford: 2 bis 8 Grad).

 

Weitere Informationen
Screenshot der Archiv-Seite des Tickers zur Jagd nach dem Impfstoff.

Weitere Meldungen: Infos zur Impfstoff-Suche

Die Meldungen zu echten oder vermeintlichen Erfolgen bei der Jagd nach dem Impfstoff häufen sich. Hier eine Übersicht. mehr

Podcast zur Jagd nach dem Impfstoff

Die Corona-Impfstoffentwicklung geht in die heiße Phase. Oda Lambrecht und Christian Baars informieren in einem wöchentlichen Podcast über "Die Jagd nach dem Impfstoff" - im Rahmen der Reihe "Wirtschaft in Zeiten von Corona". In der aktuellen Folge geht es um die Herausforderungen, die es zu bewältigen gilt, um Millionen Menschen zu impfen. Der NDR hat alle 16 Bundesländer zum Stand der Vorbereitungen befragt.

 

Überblick: Das Rennen um den Corona-Impfstoff

Schon jetzt werden Impfstoffe an Tausenden Freiwilligen getestet. Hier ein Überblick über die Projekte, die am weitesten fortgeschritten sind. Infos zu den Impfstoff-Kandidaten bekommen Sie durch einen Klick auf das jeweilige Entwickler-Team. Die klinische Prüfung ist in verschiedene Phasen unterteilt - mehr dazu in der Bildergalerie unten auf dieser Seite.

Anmerkung: Die Liste umfasst Projekte, die laut WHO mindestens in Phase 2 sind sowie des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF). Normalerweise laufen bei der Entwicklung von Impfstoffen die Phasen nacheinander ab - aktuell jedoch oft gleichzeitig, um den Prozess zu beschleunigen. Die Europäische Arzneimittelagentur EMA hat zudem erste Zulassungsverfahren gestartet, während die Phase-3-Studien noch liefen ("rolling review"). Einige Impfstoffe haben in einigen Ländern vor Abschluss der Studien eine Notfallzulassung erhalten. Sie dürfen damit eingeschränkt eingesetzt werden.

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