Stand: 18.09.2020 16:01 Uhr

Wann ist ein Corona-Schutz da?

Weltweit suchen Forscher unter Hochdruck nach einem Impfstoff gegen das Coronavirus. Doch wann wird er zur Verfügung stehen? Wer bekommt ihn zuerst, und wer entscheidet darüber? Wer finanziert die Forschung, wer profitiert? Diesen und anderen Fragen geht der NDR nach und veröffentlicht hier seine Recherchen zur Corona-Impfstoffentwicklung.

+++ Aktuelle Meldungen im Ticker +++

EU sichert sich Impfstoff-Lieferung von GSK/Sanofi

18.9.2020: Die EU-Kommission hat mit den Pharmaunternehmen Sanofi und GlaxoSmithKline (GSK) einen Vertrag über den Kauf ihres Corona-Impfstoffs abgeschlossen. Die Firmen sollen 300 Millionen Dosen des Mittels liefern, falls es zugelassen wird. Der Impfstoff-Kandidat wird derzeit noch in klinischen Studien geprüft. Die EU hatte bereits im August einen Liefervertrag mit dem Hersteller AstraZeneca geschlossen - ebenfalls für zunächst 300 Millionen Einheiten. Die Impfstoffe sollen innerhalb der EU an die einzelnen Länder entsprechend ihrer Bevölkerungszahl verteilt werden. Laut dem Bundesgesundheitsministerium bekäme Deutschland jeweils etwa 54 Millionen Dosen. Darüber hinaus hat das Ministerium auf nationaler Ebene Lieferungen von je 40 Millionen Einheiten mit Biontech/Pfizer und Curevac vereinbart. Für einen ausreichenden Impfschutz sind bei den meisten Mitteln voraussichtlich zwei Dosen pro Person nötig.

Arabische Emirate erteilen Notfall-Zulassung für Impfstoff

16.9.2020: Die Vereinigten Arabischen Emirate haben Anfang dieser Woche mitgeteilt, dass sie den Einsatz eines Corona-Impfstoffs im Rahmen einer Notfall-Zulassung eingeschränkt erlauben. Dabei sind die klinischen Tests noch nicht abgeschlossen. Erste Studien hätten gezeigt, dass das Mittel sicher und wirksam sei, sagte der Gesundheitsminister des Landes Al-Owais. Die abschließende, dritte Phase der Prüfungen verlaufe "sehr gut". Der Impfstoff soll Personen gegeben werden, "die an der ersten Verteidigungslinie arbeiten", also offenbar vor allem Beschäftigten in den Kliniken. Es handelt sich um ein Mittel des chinesischen Staatsunternehmens Sinopharm. Der Hersteller lässt seit Mitte Juli zwei mögliche Impfstoff-Kandidaten mit inaktivierten Viren in den Vereinigten Arabischen Emiraten in einer Phase-3-Studie testen. Welche der beiden Varianten nun verwendet werden soll, teilte die Regierung des Landes nicht mit.

Verdacht auf Manipulation bei russischem Impfstoff

15.9.2020: Mehrere Forscher haben den Verdacht geäußert, dass die Daten zum russischen Impfstoff "Sputnik V" möglicherweise manipuliert worden sind. In einem offenen Brief ("Note of concern"), schreiben sie, die veröffentlichten Zahlen würden Zweifel aufwerfen. Daten aus verschiedenen Tests würden sich zu sehr ähneln, das sei aus statistischer Sicht unwahrscheinlich. Sie fordern deshalb eine Offenlegung der Rohdaten. Die russischen Entwickler hatten im Wissenschaftsmagazin "The Lancet" Anfang September Ergebnisse erster klinischer Tests mit dem Impfstoff veröffentlicht.

Regierung will drei deutsche Impfstoff-Entwickler fördern

15.9.2020: Die Bundesregierung will drei Unternehmen bei der Entwicklung eines Impfstoffs finanziell unterstützen: Die Tübinger Firma Curevac soll 252 Millionen Euro erhalten und das Mainzer Unternehmen Biontech 375 Millionen. Außerdem ist geplant, die Firma IDT Biologika aus Dessau zu fördern. Da seien die Gespräche aber noch nicht abgeschlossen, sagte Bundesforschungsministerin Anja Karliczek in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Gesundheitsminister Jens Spahn. Die Firmen sollen das Geld für die klinischen Tests sowie für des Ausbau von Produktionskapazitäten verwenden. Spahn zufolge hat die Regierung mit den geförderten Firmen eine Lieferung von jeweils 40 Millionen Dosen für Deutschland vereinbart. Darüber hinaus sei bereits über die EU vertraglich gesichert, dass Deutschland 54 Millionen Dosen vom Hersteller AstraZeneca erhalte - jeweils unter der Voraussetzung, dass die Mittel zugelassen werden.

Frühere Meldungen finden Sie in der Übersicht.

 

Überblick: Das Rennen um den Impfstoff

Schon jetzt werden Impfstoffe an Tausenden Freiwilligen getestet. Hier ein Überblick über die Projekte, die am weitesten fortgeschritten sind. Infos zu den Impfstoff-Kandidaten bekommen Sie durch einen Klick auf das jeweilige Entwickler-Team. Die klinische Prüfung ist in verschiedene Phasen unterteilt - mehr dazu in der Bildergalerie unten auf dieser Seite.

Anmerkung: Die Liste umfasst Projekte, die laut WHO mindestens in Phase 2 sind sowie die der deutschen Firma Curevac und des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF). Normalerweise laufen bei der Entwicklung von Impfstoffen die Phasen nacheinander ab - aktuell jedoch oft gleichzeitig, um den Prozess zu beschleunigen.

VIDEO: Corona-Impfstoff: Geht schnell und sicher? (2 Min)

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Panorama - die Reporter | 02.02.2021 | 21:15 Uhr