Stand: 26.10.2020 10:35 Uhr

Wann sind die Forscher am Ziel?

Wie lange dauert es, bis ein Impfstoff gegen das Coronavirus zur Verfügung steht? Wer bekommt ihn zuerst, und wer entscheidet darüber? Wer finanziert die Forschung, wer profitiert? Diesen und anderen Fragen geht der NDR nach und veröffentlicht hier seine Recherchen zur Corona-Impfstoffentwicklung.

+++ Aktuelle Meldungen im Ticker +++

Steinmeier warnt vor Impfstoff-Nationalismus

26.10.2020: Bundespräsident Walter Steinmeier hat dazu aufgerufen, Corona-Impfstoffe weltweit solidarisch zu verteilen. Die Formel, "wenn jeder an sich denkt, ist an alle gedacht" sei nicht nur unethisch, sie sei dumm, sagte Steinmeier zur Eröffnung des World Health Summit in Berlin. Das Virus kenne keine Grenzen, die Nationalität seiner Opfer sei ihm gleichgültig. Man müsse ihm gemeinsam entgegentreten. Der Präsident lobte deshalb auch die WHO-Initiative Covax, die für eine weltweit faire Verteilung möglicher Corona-Impfstoffe sorgen will. Steinmeier wies aber auch darauf hin, dass die Finanzierung bei weitem noch nicht gesichert sei.

Nach Krankheitsfällen: Studien können wieder starten

26.10.2020: AstraZeneca und Johnson & Johnson können die Studien zu ihren jeweiligen Impfstoff-Kandidaten fortsetzen. Beide Unternehmen hatten zwischenzeitlich die Tests ausgesetzt, weil Teilnehmer erkrankt waren. AstraZeneca erhielt nach eigenen Angaben am Freitag die Genehmigung der US-Arzneimittelbehörde FDA für die Fortsetzung seiner Phase-3-Studie in den USA. In Großbritannien, Südafrika, Brasilien und Japan hatten die zuständigen Behörden bereits die Fortsetzung genehmigt. Sie waren zu dem Schluss gekommen, dass der Impfstoff offenbar nicht für den Krankheitsfall ursächlich gewesen ist. Johnson & Johnson hat ebenfalls am Freitag die Wiederaufnahme seiner Tests angekündigt. Bei einer "gründlichen Auswertung" des Krankheitsfalls "konnte keine eindeutige Ursache festgestellt werden", teilte das Unternehmen mit. Nun soll die dritte und finale Testphase mit insgesamt 60.000 Probanden an 200 Orten in den USA, Lateinamerika und Südafrika wieder anlaufen. 

Neuer Podcast zur Jagd nach dem Impfstoff

22.10.2020: Die ersten Zulassungsverfahren haben in Europa begonnen - die Corona-Impfstoffentwicklung geht also in die heiße Phase. Deshalb startet NDR Info nun mit einem wöchentlichen Podcast über "Die Jagd nach dem Impfstoff". Welche Unternehmen liegen vorn? Und was passiert, wenn überraschende Nebenwirkungen auftauchen? Darum geht es in der ersten Folge.

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Christian Baars. © NDR Foto: Christian Spielmann
20 Min

Die Jagd nach dem Impfstoff #1: Ab in die heiße Phase!

Neue Sonderfolgen: Wer das Rennen macht, dürfte viel Geld verdienen. Mehrere Firmen biegen auf die Zielgerade ein. 20 Min

Deutsche Firmen im Impfstoff-Rennen

22.10.2020: Eigentlich haben sie vor allem an Krebsmedikamenten geforscht: die beiden Firmen Biontech und Curevac aus Mainz und Tübingen. Und das Unternehmen IDT Biologika in Dessau war vor der Privatisierung ein Impfstoffwerk in der DDR. Heute entwickeln alle drei deutschen Firmen einen Corona-Impfstoff. Wie weit sind sie - und wer bezahlt die Forschung? Dazu mehr auf tagesschau.de.

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Ein Mann pipettiert in einem Labor des biopharmazeutischen Unternehmens Curevac eine blaue Flüssigkeit. © dpa Foto: Sebastian Gollnow

Ein Impfstoff "made in Germany"?

Firmen weltweit forschen unter Hochdruck an Corona-Impfstoffen. Auch drei Unternehmen aus Deutschland sind im Rennen. extern

Teilnehmer von Studie gestorben

22.10.2020: In Brasilien ist ein Teilnehmer einer Studie zu dem Corona-Impfstoff der Universität Oxford gestorben. Laut Medienberichten hat er jedoch nicht den Impfstoff erhalten, sondern ein Placebo. In den klinischen Studien der Phase 3 erhält eine Kontrollgruppe ein solches Schein-Mittel, damit festgestellt werden kann, ob tatsächlich weniger der Geimpften erkranken. Die zuständige brasilianische Behörde hat über den Todesfall informiert, aber keine weiteren Details genannt oder bestätigt. Die Universität Oxford erklärte, eine Prüfung durch unabhängige Experten sei zu dem Schluss gekommen, dass es keine Sicherheitsprobleme gebe und die Tests fortgesetzt werden könnten. Den Medienberichten zufolge handelt es sich bei dem Verstorbenen um einen 28-jährigen Arzt. Er soll sich mit dem Coronavirus angesteckt haben und an der Folge der Infektion gestorben sein. AstraZeneca teilte auf NDR Anfrage mit, das Unternehmen könne sich nicht zu einzelnen Fällen äußern, da es sich an die ärztliche Schweigepflicht halte. Aber es seien alle erforderlichen Überprüfungsverfahren eingehalten worden. "Alle wichtigen medizinischen Ereignisse werden von den PrüfärztInnen, einem unabhängigen Sicherheitsüberwachungsausschuss und den Zulassungsbehörden sorgfältig beurteilt", schreibt AstraZeneca. Diese Bewertungen hätten zu "keinerlei Bedenken hinsichtlich der Fortsetzung der laufenden Studie geführt".

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Meldungsarchiv: Infos zur Impfstoff-Suche

Meldungen zu echten oder vermeintlichen Erfolgen häufen sich. Hier eine Übersicht. mehr

 

Überblick: Das Rennen um den Impfstoff

Schon jetzt werden Impfstoffe an Tausenden Freiwilligen getestet. Hier ein Überblick über die Projekte, die am weitesten fortgeschritten sind. Infos zu den Impfstoff-Kandidaten bekommen Sie durch einen Klick auf das jeweilige Entwickler-Team. Die klinische Prüfung ist in verschiedene Phasen unterteilt - mehr dazu in der Bildergalerie unten auf dieser Seite.

Anmerkung: Die Liste umfasst Projekte, die laut WHO mindestens in Phase 2 sind sowie des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF). Normalerweise laufen bei der Entwicklung von Impfstoffen die Phasen nacheinander ab - aktuell jedoch oft gleichzeitig, um den Prozess zu beschleunigen. Die Europäische Arzneimittelagentur EMA hat zudem erste Zulassungsverfahren gestartet, während die Phase-3-Studien noch liefen ("rolling review"). Der Impfstoff des Gamaleya-Instituts wurde in Russland bereits vor dem Start der Phase 3 für einen Einsatz zugelassen.

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Eine Hand hält eine Spritze mit einem experimentellen Corona-Impfstoff. © dpa

Wie gut könnten Impfstoffe schützen?

Die Herausforderungen bei der Suche nach einem Corona-Impfstoff sind immens: Noch immer ist unklar, wie gut die Mittel wirken. Gerade bei älteren Menschen könnte der Schutz schwächer ausfallen. extern

Christian Baars. © NDR Foto: Christian Spielmann
31 Min

#28 Die Jagd nach dem Milliarden-Jackpot

Die Hoffnungen ruhen auf einem Corona-Impfstoff. Obwohl bei uns noch kein Mittel zugelassen ist, machen einige Investoren und Pharmamanager bereits Kasse. 31 Min

Eine Hand hält einen Glasbehälter mit einem Impfstoff gegen Covid-19.

Das Geschäft mit dem Corona-Impfstoff

Selten wurde weltweit ein Mittel so sehnsüchtig erwartet wie ein wirksamer Corona-Impfstoff. Doch woher kommt das Geld für die Forschung, wer profitiert womöglich? Und wer bekommt das Mittel zuerst? extern

Eine Hand hält eine Ampulle mit einem möglichen Impfstoff gegen das Coronavirus.

Sorge vor Impfstoff-Nationalismus

Die Entwicklung möglicher Impfstoffe gegen das Coronavirus läuft rasant. Noch ist unklar, welches Mittel tatsächlich einen Schutz bietet. Doch schon jetzt sichern sich einige Länder große Mengen der Impfstoffe. (10.8.2020) extern

Klaus Cichutek. © dpa Foto: Bernd von Jutrczenka
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Corona-Impfstoff: Geht schnell und sicher?

Die Impfstoff-Entwicklung gegen das neue Coronavirus wird beschleunigt. Schnell und sicher? Wie das geht, erklärt Klaus Cichutek, Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts. 2 Min

Marylyn Addo. © NDR

"Impfstoff-Sicherheit muss Priorität haben"

Die Welt wartet auf einen Impfstoff. Die Hamburger Infektiologin Addo arbeitet an einem Mittel gegen das neue Coronavirus. Inzwischen wird sie sogar beim Einkaufen danach gefragt. (20.07.2020) mehr

Eine Krankenschwester bereitet eine Spritze vor. © dpa

Welche Ansätze für Corona-Impfstoffe gibt es?

Weltweit suchen Forscher nach einer Möglichkeit, Menschen vor einer Ansteckung gegen das neue Coronavirus zu schützen. Sie verfolgen dabei verschiedene Strategien. mehr

Dieses Thema im Programm:

Panorama - die Reporter | 02.02.2021 | 21:15 Uhr