Stand: 22.10.2020 17:18 Uhr

Wann sind die Forscher am Ziel?

Wie lange dauert es, bis ein Impfstoff gegen das Coronavirus zur Verfügung steht? Wer bekommt ihn zuerst, und wer entscheidet darüber? Wer finanziert die Forschung, wer profitiert? Diesen und anderen Fragen geht der NDR nach und veröffentlicht hier seine Recherchen zur Corona-Impfstoffentwicklung.

+++ Aktuelle Meldungen im Ticker +++

Neuer Podcast zur Jagd nach dem Impfstoff

22.10.2020: Die ersten Zulassungsverfahren haben in Europa begonnen - die Corona-Impfstoffentwicklung geht also in die heiße Phase. Deshalb startet NDR Info nun mit einem wöchentlichen Podcast über "Die Jagd nach dem Impfstoff". Welche Unternehmen liegen vorn? Und was passiert, wenn überraschende Nebenwirkungen auftauchen? Darum geht es in der ersten Folge.

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Christian Baars. © NDR Foto: Christian Spielmann
20 Min

Die Jagd nach dem Impfstoff #1: Ab in die heiße Phase!

Neue Sonderfolgen: Wer das Rennen macht, dürfte viel Geld verdienen. Mehrere Firmen biegen auf die Zielgerade ein. 20 Min

Deutsche Firmen im Impfstoff-Rennen

22.10.2020: Eigentlich haben sie vor allem an Krebsmedikamenten geforscht: die beiden Firmen Biontech und Curevac aus Mainz und Tübingen. Und das Unternehmen IDT Biologika in Dessau war vor der Privatisierung ein Impfstoffwerk in der DDR. Heute entwickeln alle drei deutschen Firmen einen Corona-Impfstoff. Wie weit sind sie - und wer bezahlt die Forschung? Dazu mehr auf tagesschau.de.

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Ein Mann pipettiert in einem Labor des biopharmazeutischen Unternehmens Curevac eine blaue Flüssigkeit. © dpa Foto: Sebastian Gollnow

Ein Impfstoff "made in Germany"?

Firmen weltweit forschen unter Hochdruck an Corona-Impfstoffen. Auch drei Unternehmen aus Deutschland sind im Rennen. extern

Teilnehmer von Studie gestorben

22.10.2020: In Brasilien ist ein Teilnehmer einer Studie zu dem Corona-Impfstoff der Universität Oxford gestorben. Laut Medienberichten hat er jedoch nicht den Impfstoff erhalten, sondern ein Placebo. In den klinischen Studien der Phase 3 erhält eine Kontrollgruppe ein solches Schein-Mittel, damit festgestellt werden kann, ob tatsächlich weniger der Geimpften erkranken. Die zuständige brasilianische Behörde hat über den Todesfall informiert, aber keine weiteren Details genannt oder bestätigt. Die Universität Oxford erklärte, eine Prüfung durch unabhängige Experten sei zu dem Schluss gekommen, dass es keine Sicherheitsprobleme gebe und die Tests fortgesetzt werden könnten. Den Medienberichten zufolge handelt es sich bei dem Verstorbenen um einen 28-jährigen Arzt. Er soll sich mit dem Coronavirus angesteckt haben und an der Folge der Infektion gestorben sein. AstraZeneca teilte auf NDR Anfrage mit, das Unternehmen könne sich nicht zu einzelnen Fällen äußern, da es sich an die ärztliche Schweigepflicht halte. Aber es seien alle erforderlichen Überprüfungsverfahren eingehalten worden. "Alle wichtigen medizinischen Ereignisse werden von den PrüfärztInnen, einem unabhängigen Sicherheitsüberwachungsausschuss und den Zulassungsbehörden sorgfältig beurteilt", schreibt AstraZeneca. Diese Bewertungen hätten zu "keinerlei Bedenken hinsichtlich der Fortsetzung der laufenden Studie geführt".

Ständige Impfkommission: Impfung Mitte 2021 in Impfzentren

21.10.2020: Der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission (StiKo) am Robert Koch-Institut, Thomas Mertens, glaubt, dass ab Mitte kommenden Jahres mit der Impfung von Menschen in Deutschland begonnen werden kann. "Ich sage Ihnen aber gleichzeitig, dass das nicht gleich alle sein werden", sagte Mertens im ARD-Interview. Außerdem weist der Virologe darauf hin, dass das aus seiner Sicht erst einmal wenig an der epidemischen Situation im Land ändern werde. Weitere Schutzmaßnahmen müssten aufrecht erhalten werden, erklärte Mertens. Die Stiko arbeite derzeit an einer Empfehlung, welche Gruppen zuerst geimpft werden sollten, so dass die Gemeinschaft davon am Ende den größten Nutzen habe. Das müsse nach wissenschaftlichen Erkenntnissen, aber auch nach ethischen Aspekten gehen, sagte Mertens. Wenn tatsächlich ein sicherer und wirksamer Impfstoff zur Verfügung stehe, könne man die Impfung nicht den Hausärzten zumuten, so Mertens, so werde es am Ende wohl Impfzentren geben - auch weil Lagerung und Transport der Mittel Herausforderungen werden könnten.

Impfstoffe aus Deutschland im Test in Südamerika

21.10.2020: Die Tübinger Firma Curevac testet seit Ende September seinen Impfstoff-Kandidaten an Hunderten Probanden in Peru und Panama in einer Phase-2-Studie. Auch das Mainzer Unternehmen Biontech lässt gemeinsam mit seinem US-Partner Pfizer sein Mittel in Südamerika untersuchen - in diesem Fall als Teil einer großen Phase-3-Studie mit Zehntausenden Teilnehmern. Der Grund dafür: In den vergangenen Monaten waren dort die Infektionszahlen besonders hoch. So hoffen die Forscher schneller zu aussagekräftigen Ergebnissen zu kommen - also zu sehen, ob tatsächlich Menschen geschützt werden, die einem besonders hohen Risiko ausgesetzt sind. Der Leiter der Biontech-Studie in Brasilien, Christiano Zerbini, sagte dem SWR, dass für sie etwa Busfahrer oder Schaffner als Probanden besonders interessant seien, da sie regelmäßig zu anderen Menschen Kontakt hätten. Die Länder erhoffen sich umgekehrt offenbar einen Vorteil bei der späteren Verteilung des Impfstoffs, erläuterte der Curevac-Studienleiter in Panama, Xavier Sáez Lorens. Das Land könnte "für seine Beteiligung an der Studie belohnt werden".

Biontech/Pfizer wollen Ende November Zulassung in USA beantragen

16.10.2020: Das Mainzer Unternehmen Biontech und der US-Pharmakonzern Pfizer rechnen damit, Ende November die Zulassung ihres Impfstoffs in den USA beantragen zu können. Ende Oktober könnten sie wissen, ob der Impfstoff wirksam sei, teilte Pfizer-Chef Albert Bourla schriftlich mit. Bis zur dritten Novemberwoche werde es dann noch voraussichtlich dauern, bis die Unternehmen genügend Daten zur Sicherheit des Impfstoffes vorliegen haben. Sollten die Ergebnisse positiv ausfallen, könnte kurz darauf eine Notfallgenehmigung in den USA beantragt werden, schreibt Bourla. Ob und wann diese erteilt wird, entscheidet die US-Arzneimittelbehörde FDA auf Basis der von den Firmen eingereichten Daten. In Europa läuft das Zulassungsverfahren für das Mittel von Biontech und Pfizer bereits im Rahmen eines "rollling review"-Verfahrens. Das bedeutet, dass die hier zuständige Behörde EMA bereits die Daten während der noch laufenden Studien überprüft.

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Meldungsarchiv: Infos zur Impfstoff-Suche

Meldungen zu echten oder vermeintlichen Erfolgen häufen sich. Hier eine Übersicht. mehr

 

Überblick: Das Rennen um den Impfstoff

Schon jetzt werden Impfstoffe an Tausenden Freiwilligen getestet. Hier ein Überblick über die Projekte, die am weitesten fortgeschritten sind. Infos zu den Impfstoff-Kandidaten bekommen Sie durch einen Klick auf das jeweilige Entwickler-Team. Die klinische Prüfung ist in verschiedene Phasen unterteilt - mehr dazu in der Bildergalerie unten auf dieser Seite.

Anmerkung: Die Liste umfasst Projekte, die laut WHO mindestens in Phase 2 sind sowie des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF). Normalerweise laufen bei der Entwicklung von Impfstoffen die Phasen nacheinander ab - aktuell jedoch oft gleichzeitig, um den Prozess zu beschleunigen. Die Europäische Arzneimittelagentur EMA hat zudem erste Zulassungsverfahren gestartet, während die Phase-3-Studien noch liefen ("rolling review"). Der Impfstoff des Gamaleya-Instituts wurde in Russland bereits vor dem Start der Phase 3 für einen Einsatz zugelassen.

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Eine Hand hält eine Spritze mit einem experimentellen Corona-Impfstoff. © dpa

Wie gut könnten Impfstoffe schützen?

Die Herausforderungen bei der Suche nach einem Corona-Impfstoff sind immens: Noch immer ist unklar, wie gut die Mittel wirken. Gerade bei älteren Menschen könnte der Schutz schwächer ausfallen. extern

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#28 Die Jagd nach dem Milliarden-Jackpot

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Eine Hand hält einen Glasbehälter mit einem Impfstoff gegen Covid-19.

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Selten wurde weltweit ein Mittel so sehnsüchtig erwartet wie ein wirksamer Corona-Impfstoff. Doch woher kommt das Geld für die Forschung, wer profitiert womöglich? Und wer bekommt das Mittel zuerst? extern

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Sorge vor Impfstoff-Nationalismus

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Corona-Impfstoff: Geht schnell und sicher?

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Welche Ansätze für Corona-Impfstoffe gibt es?

Weltweit suchen Forscher nach einer Möglichkeit, Menschen vor einer Ansteckung gegen das neue Coronavirus zu schützen. Sie verfolgen dabei verschiedene Strategien. mehr

Dieses Thema im Programm:

Panorama - die Reporter | 02.02.2021 | 21:15 Uhr