Stand: 29.10.2013 14:38 Uhr  | Archiv

Hanebuth für Bombenanschlag verantwortlich?

von Jan Liebold, Volkmar Kabisch

Die Bombe ist unter einem Auto deponiert. Direkt vor einem Einfamilienhaus im Örtchen Breitbrunn am Ammersee. Der Kleinwagen gerät in Brand. Ein Nachbar löscht das Feuer, er verhindert damit Schlimmeres. Der Sprengsatz ist ein gezielter Anschlag und Teil einer Serie von Angriffen auf die Familie und Geschäftspartner des mutmaßlichen Betrügers Christian H. aus Bayern. Das Auto gehört seiner Nichte.

VIDEO: Rockerchef Hanebuth für Bombenanschlag verantwortlich? (6 Min)

Spanische Ermittler sind sich ziemlich sicher zu wissen, wer für die Angriffe verantwortlich ist: "Hells Angels"-Boss Frank Hanebuth. Zurzeit sitzt er in Madrid in Untersuchungshaft. Offenbar unter anderem aufgrund der Anschläge. Das belegen interne Dokumente der spanischen Polizei, die Panorama 3 und "Spiegel Online" vorliegen.

Ständige Observierung durch spanische Ermittler

Immer wieder haben die Spanier die schillernde Rocker-Größe in den vergangenen Monaten observiert, bei Telefonaten mitgelauscht und sein Netzwerk ins Visier genommen. Seit Frank Hanebuth seinen Wohnsitz von Hannover auf die spanische Sonneninsel Mallorca verlegt hatte, waren die Spanier an seiner Seite. Dank der Telefonmitschnitte und abgefangenen E-Mails glauben die Ermittler nun, dass die Spur zu Hanebuth und einem seiner engsten Vertrauten führt: Paul E.

Das Motiv sei Geld, es sei darum gegangen Christian H zu erpressen. Das belegen auch die internen Unterlagen. Protokolliert sind dort unter anderem verschiedene Telefonate. Am 17. Januar 2012 zum Beispiel spricht Paul E. erst mit Hanebuth und anschließend mit zwei weiteren Personen. Mit letzteren bespricht er, wie das Thema ein für alle Mal aus der Welt zu schaffen sei. Dass Christian H. aus Bayern bezahle. "Wir müssen es schaffen, dass er es überweist (...) und das werden wir nur über seine Familie schaffen", sagt einer in der Leitung. Und Paul E. ergänzt: "Er muss den Druck von seiner Familie kriegen." Man müsse eine gute Show abziehen. Weiter besprechen sie, dass ein gewisser Frank das okay finden müsse.

Geprellter Anleger wollte offenbar sein Geld zurück

Frank Hanebuth sitzt neben einem Mann mit unkenntlich gemachtem Gesicht in einem Liegestuhl © Panorama 3
Rocker-Chef Frank Hanebuth (li.) wurde auf Mallorca festgenommen.

Für die Spanier, die bei diesem Gespräch mithören, ist dieser Frank der Rocker-Chef Hanebuth. Der "Hells Angels"-Chef heuerte den Ermittlern zufolge Männer an, die nicht nur den Sprengsatz unter dem Auto anbringen, sondern später unter anderem Messerattacken verübt, Häuser mit Tierkadavern verschmutzt und Briefbombenattrappen verschickt haben sollen. Damit Christian H. Geld zurückbezahlt. Mit windigen Anlagegeschäften hatte dieser offenbar bis zu 11.000 Anleger geprellt - um insgesamt 138 Millionen Euro. Mindestens einer der Geprellten wollte sein Geld mithilfe der Rocker zurückholen.

Im Juli nahmen die Spanier Frank Hanebuth und Paul E. bei einer Großrazzia auf seiner mallorquinischen Finca fest. Nach offiziellen Angaben werfen die Behörden Hanebuth und Co. Drogen- und Menschenhandel, Geldwäsche, Bestechung und Erpressung vor.

Hanebuths Anwalt liegen noch keine Unterlagen vor

Anwalt Götz von Fromberg © NDR
Hält seinen Mandanten nach wie vor für unschuldig: Hanebuth-Anwalt Götz von Fromberg.

Hanebuths Rechtsanwalt, Götz von Fromberg, wollte sich zu den Vorwürfen bislang nicht äußern. Ihm lägen noch keine übersetzten Unterlagen vor, sagte er den Reportern von Panorama 3. "Persönlich halte ich es jedoch für undenkbar, dass mein Mandant mit diesen Sachen etwas zu tun hat", betonte von Fromberg. Der spanische Verteidiger Hanebuths ließ eine Anfrage bislang unbeantwortet. Der Rockerchef selbst hatte in den vergangenen Wochen stets betont, er habe sich auf Mallorca nichts zuschulden kommen lassen und daher auch nichts zu befürchten.

Dieses Thema im Programm:

Panorama 3 | 29.10.2013 | 21:15 Uhr