Klosterküche - Kochen mit Leib und Seele (35)

Die barmherzigen Schwestern von Hildesheim

Sonntag, 21. Juni 2020, 15:30 bis 16:00 Uhr

Der Weg zur Nächstenliebe führt in Hildesheim durch eine nüchterne Holztür. Dahinter öffnet sich ein gemütlicher Raum mit drei großen Tischen. Es gibt Kaffee, Brot und Marmelade. Pastorin und Moderatorin Annette Behnken ist diesmal zu Gast in der Vinzenzpforte. So heißt die Suppenküche, die gleich hinterm Hildesheimer Dom von den Barmherzigen Schwestern betrieben wird.

Warum geht auch Nächstenliebe durch den Magen?

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Viel Handarbeit: Perureferent Martin Schwark, Jeanne Golla und Annette Behnken bereiten die Vorspeise zu.

Annette Behnken möchte herausfinden, warum auch Nächstenliebe manchmal durch den Magen geht. Mit am Herd steht Martin Schwark, der als einziger Mann gleich nebenan im Frauenkloster arbeitet. Er hat viele Jahre in Südamerika gelebt und kocht am liebsten peruanisch. Als Vorspeise gibt es eine sogenannte Causa Limeña: Kartoffelpüree mit Thunfisch, Avocado, Tomaten und Ei. Als Hauptspeise Arroz Chaufa, einen Bratreis mit Paprika, Fleisch und Ingwer. Beides sind peruanische Nationalgerichte.

Mahlzeiten für "Verletzte"

Geleitet wird die Vinzenzpforte von Jeanne Golla. Die junge Frau war mehrere Jahre lang selbst Ordensschwester. Inzwischen hat sie die Ordensgemeinschaft verlassen, ihren alten Namen jedoch behalten. Jeanne oder Jeannie, wie ihre Stammgäste sie nennen, kümmert sich um diejenigen, die sonst schnell vergessen werden. Um sechs Uhr morgens schließt die Sozialarbeiterin die Pforte auf. Dann warten draußen bereits die ersten Gäste. Frühstück und Kaffee stehen bereit. Ab 12.30 Uhr gibt es warmes Essen.

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Grundversorgung: Sozialarbeiterin Jeanne Golla bekommt das Essen für die Bedürftigen aus der Großküche einer Nachbargemeinde.

30 bis 50 Besucher*innen kommen jeden Tag, berichtet Jeanne Golla. Wohnungs- oder Obdachlose, psychisch Kranke, Menschen mit Alkohol- oder Drogenproblemen, einsame und immer mehr ältere Menschen, deren schmale Rente zum Leben nicht reicht. Jeanne Golla mag den Ausdruck "Bedürftige" nicht. Sie spricht lieber von "Verletzten". "Die Not nimmt zu", sagt sie. Nicht alle kämen wegen des Essens. "Manche wollen sich nur aufwärmen oder suchen einen Ort zum Reden. Im Prinzip sind wir deren Wohnzimmer", erzählt sie Annette Behnken.

Andrang beim sozialen Mittagstisch und der Kleiderkammer

Früher wurde in der Vinzenzpforte selbst gekocht. Das ist vorbei. "Zu aufwendig", meint Jeanne Golla. Das Mittagsessen holt sie inzwischen jeden Tag mit dem Auto von der Katholischen Kirchengemeinde Guter Hirt im Norden der Stadt ab, die einen sozialen Mittagstisch mit angeschlossener Kleiderkammer eingerichtet hat. Annette Behnken staunt über den Andrang, der hier herrscht und die vielen Helferinnen und Helfer, die mit anpacken. "Angefangen haben wir mit ein paar Leuten. Heute arbeiten hier 80 Angestellte und Ehrenamtliche", sagt Leiter Andreas Handzik. Das sei toll, "aber auch erschreckend, dass das notwendig ist".

Ein Satz, über den Annette Behnken noch lange nachdenkt, als sie später mit den anderen an der festlich gedeckten Klostertafel sitzt. "Barmherzigkeit heißt, den anderen zu akzeptieren, wie er ist. Das klappt nur, wenn man sich selbst geliebt fühlt", sagt Jeanne Golla.

Die Rezepte zur Sendung

Peruanischer Kartoffelsalat mit Thunfisch

Dieser Kartoffelsalat mit Mayonnaise und Thunfisch ist nicht nur ein echter Hingucker. Gelbe Chilipaste gibt ihm einen besonders würzigen Geschmack. mehr

Bratreis peruanische Art mit zweierlei Fleisch

Ein wirklich internationales Gericht, dieser Bratreis mit Ei, Ingwer und Knoblauch. Chinesische Einwanderer brachten es nach Peru. Nun gehört es zu den Nationalgerichten. mehr

Regie
Cornelius Kob
Mitarbeit
Martin Wolf
Moderation
Annette Behnken
Redaktionsleiter/in
Anja Würzberg
Produktionsleiter/in
Katja Theile
Autor/in
Andreas Herzig
Jan Dieckmann