Letzte Chance an Bord

Segelschiff statt Jugendknast

Freitag, 06. April 2018, 21:15 bis 21:45 Uhr
Samstag, 07. April 2018, 08:30 bis 09:00 Uhr

Zwei Jugendliche arbeiten an Bord des Schiffes.

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Abend-Appell an Bord der "Salomon".

Aeneas ist 17 Jahre alt. Er stand wegen Diebstahl, Einbruch und Sachbeschädigung vor Gericht. Der 16-Jährige Dennis wurde wegen versuchten Mordes angeklagt. Valentin, 16 Jahre alt, stand wegen Einbruch, Diebstahl und Körperverletzung vor Gericht. Die drei Straftäter sind auf einem Segelschiff, um nicht ins Gefängnis zu müssen: Die "Salomon" soll männlichen Jugendlichen ermöglichen, wieder in ein geregeltes Leben zu finden.

Letzte Chance, um nicht in den Knast zu kommen

NDR Filmemacherin Birgit Wärnke ist zwei Wochen lang an Bord der "Salomon" gewesen - und erzählt die besondere Geschichte von Jugendlichen, die auf dem Segelschiff eine ihrer letzten Chancen bekommen. Denn wer auf diesem Schiff landet, hat es bislang im Leben so richtig verbockt. Und jetzt? Jetzt investiert die Gesellschaft rund 100.000 Euro für einen Jungen pro Jahr. Die Regeln sind streng: Keine Drogen, keine Gewalt, nur selten Handy. Dafür Arbeit, Schule, Segeln und Struktur. Keiner der Jugendlichen ist freiwillig an Bord. Sie erfahren Wertschätzung, Anerkennung, aber auch Grenzen und Konsequenzen.

Die "Salomon" soll auf Überfahrt auf die Kap Verden. Mehr als 800 Seemeilen sollen die 14 Jugendlichen gemeinsam zurücklegen. Sieben Tage auf dem Atlantik: Es wird stürmen, es wird schwanken, kein Land wird in Sicht sein. Die Jungs werden rund um die Uhr Wache schieben, Manöver fahren und den Alltag auf dem Schiff organisieren.

Weitere Informationen

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Fünf "Kurvengänger" stoppen die Fahrt

Doch das Segelschiff kann den Hafen von Las Palmas auf Gran Canaria nicht verlassen, fünf Jungs sind "auf Kurve". So nennen sie es an Bord, wenn einer abhaut. Unter den "Kurvengängern" ist auch Valentin aus Bremen. Er ist ein Intensivstraftäter, der sich manchmal wünscht, doch wieder in den Knast zu können, denn dort könne er wenigstens rauchen und regelmäßig seine Familie sehen. Auch Dennis ist mit "auf Kurve". Er ist schon seit einem Jahr an Bord. Und auch bei ihm dient der Aufenthalt auf dem Schiff zur Haftvermeidung. Als ihm vor zwei Jahren langweilig war, hat er Steine von einer Autobahnbrücke geworfen.

Stimmung an Bord ist angespannt

Aeneas ist bereits etliche Male vom Schiff abgehauen. Diesmal aber nicht. Er will seine letzten Wochen an Bord erfolgreich absolvieren und denkt schon oft an seine Zeit nach dem Schiff. Fast eine Woche sind die "Kurvengänger" verschwunden, die Polizei hat noch immer keine Spur von den Jungs. Die Stimmung an Bord ist angespannt. Die Crew macht sich um die abgehauenen Schützlinge Sorgen. Einer der Kurvengänger hat Diabetes und seine Medikamente nicht mitgenommen. Die dagebliebenen Jungs werden unruhig.

Wann werden die "Kurvengänger" zurückkommen? Wird die "Salomon" noch rechtzeitig auf Überfahrt gehen können? Wie können die Pädagogen die fünf abgehauenen Jungs wieder in die Gruppe integrieren? Kann es überhaupt gelingen, jugendliche Straftäter auf hoher See in ein geregeltes Leben zu begleiten?

Ein weiter Weg in ein geregeltes Leben

Update: Betrieb eingestellt

Am 15. November 2017 haben die letzten betreuten Jugendlichen das Segelschiff Salomon verlassen und sind in pädagogische Anschlussprojekte gekommen. Das Projekt der Stiftung Jugendschiffe Schweiz und der Haus Wildfang GmbH wurde beendet, da das Geld für nötige Sanierungen am Schiff fehlte.

Autor/in (Drehbuch)
Regie
Birgit Wärnke
Kamera
Lutz Westphal
Birgit Wärnke
Schnitt
Markus Ortmanns
Produktionsleiter/in
Michael Schinschke
Redaktion
Florian Müller