Kampf den Kaffeefahrten

Die Rächer der Reingelegten

Freitag, 29. Juni 2018, 21:15 bis 21:45 Uhr
Samstag, 30. Juni 2018, 08:30 bis 09:00 Uhr

Bernhard Stitz sitzt mit Karin und Rolf an einem Tisch. Sie beraten sich. © NDR, honorarfrei

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Mehrmals in der Woche fahren in Deutschland Reisebusse von Haltestelle zu Haltestelle und sammeln die dort wartenden Senioren ein. Die freuen sich auf eine schöne Ausflugsfahrt ins Naherholungsgebiet, bei der es neben einer Gratisverpflegung auch noch jede Menge Geschenke geben soll. So steht es zumindest in der Einladung.

Was dann aber in Wahrheit mit den älteren Herrschaften passiert, macht Bernhard Stitz wütend. Der pensionierte Polizist unternimmt alles, um diese dubiosen Ausflugsfahrten ein für allemal zu beenden.

"Gnadenlos abgezockt!"

"Alle Kaffeefahrten sind unseriös, die meisten sogar illegal. Sie werden hier gnadenlos abgezockt." Wie ein Mantra wiederholt Bernhard Stitz diese beiden Sätze immer und immer wieder, bis auch der gutgläubigste Senior endlich begreift, dass ihm hier niemand etwas Gutes will.

Kaffeefahrtenveranstaltern das Handwerk legen

Diese Erkenntnis kommt in der Regel nämlich stets zu spät. So wie bei Ingrid Friedrich. Die 78-jährige Rentnerin erzählt Bernhard Stitz mit tränenerstickter Stimme die gleiche Geschichte, die alle erlebt haben, die hereingelegt worden sind. Eigentlich wollte sie nur einen schönen Tag verbringen, mit Gratisessen und Geschenken. So, wie es in der Einladung eben versprochen wurde. Stattdessen wurde sie in einer abgelegenen Gaststätte irgendwo in Niedersachsen von zwei Männern dazu überredet, ein Nackenmassagegerät zu kaufen: für 2.700 Euro! Ein Vielfaches von dem, was das Gerät in Wahrheit wert ist.

Betrüger in flagranti erwischen

Bernhard Stitz hört wie immer aufmerksam zu. Doch im Nachhinein zu helfen, ist in den meisten Fällen unmöglich. Die Verkäufer geben in der Regel falsche Namen und Kontaktdaten an. Deshalb sieht Stitz' Strategie anders aus: Er greift ein, wenn der Betrug gerade passiert. Er erwischt die Veranstalter also am liebsten in flagranti. Dafür schleust er auf den Ausflugsfahrten Undercover-Senioren ein, die sich als leichtgläubige Reiseteilnehmer ausgeben. Stundenlang lassen sie die aggressiven und irreführenden Verkaufsmethoden über sich ergehen. Erst wenn tatsächlich einer der gutgläubigen Teilnehmer von den Verkäufern "weichgeklopft" und plötzlich bereit ist, viel Geld für wenig wertvolle Sachen auszugeben, schlagen die Undercover-Senioren unbemerkt Alarm.

Video
09:28
Markt

Kaffeefahrt: Abzocke mit neuer Masche

09.10.2017 20:15 Uhr
Markt

Mit dreisten Methoden werben dubiose Veranstalter für Gratis-Ausflüge. Doch die Teilnehmer werden zu abgelegenen Orten gefahren und sollen dort überteuerte Produkte kaufen. Video (09:28 min)

Das ist der Zeitpunkt, an dem Bernhard Stitz mit ins Spiel kommt. Ein Fernsehteam des NDR dokumentiert, wie der ehemalige Schutzmann unseriöse Kaffeefahrten auflöst und sie mithilfe der Kriminalpolizei abbricht. Das Kamerateam filmt auch, wie sich ein Verkäufer unter fadenscheinigen Gründen plötzlich aus dem Staub machen will.

Selbstloser Einsatz

Es gilt bei jedem Einsatz, den richtigen Zeitpunkt abzuwägen, um die Teilnehmer nicht in ernsthafte Gefahr zu bringen. Mehrmals wird Stitz vor laufender Kamera Prügel angedroht. Und nicht immer sind die teilnehmenden Senioren von ihrer "Rettung" begeistert.

Autorin Jessica Ostermünchner hat diverse Einsätze von Bernhard Stitz und seinem Undercover-Team begleitet und beobachtet, wie schonungslos die Kaffeefahrtveranstalter regelmäßig mit den teilnehmenden Senioren umgehen. Und wie vorsichtig Bernhard Stitz und sein Team vorgehen müssen, um am Ende auch Erfolg zu haben.

Worauf sollte man achten?

Die Einladungen von Kaffeefahrtenveranstaltern kommen meist per Post und in der Form einer Gewinnmitteilung. Einige Anhaltspunkte könnten einen Hinweis darauf geben, dass ein Schreiben nicht glaubwürdig ist:

  • Es werden ein Ausflug, eine Schifffahrt, Geschenke oder ein Gewinn versprochen.
  • Das ganze soll im Rahmen einer Fahrt oder Veranstaltung statt finden.
  • Auf der Anmeldekarte wird eine Postfach-Adresse angegeben.
  • Die Telefonnummer oder die Adresse auf dem Schreiben sind falsch.
(Quelle: Kreisausschuss des Lahn-Dill-Kreises)

Autor/in
Jessica Ostermünchner
Regie
Jessica Ostermünchner
Produktionsleiter/in
Michael Schinschke
Redaktionsleiter/in
Kuno Haberbusch
Redaktion
Julia Saldenholz