Bücherjournal

Mittwoch, 28. August 2019, 00:15 bis 01:15 Uhr

Die Moderatorin des Bücherjournals Julia Westlake

4,71 bei 14 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

"Helden der Meere": Der neue Bildband des Fotografen und Umweltaktivisten York Hovest

Weitere Informationen

Das Meer - Eine gefährdete Schönheit

York Hovest zeigt mit seinen Fotos, was industrieller Fischfang und Verschmutzung der Meere anrichten: "Helden der Meere" ist ein beeindruckender Bildband. mehr

Seit jeher fühlen sich die Menschen angezogen vom Meer, von seiner Kraft und Unberechenbarkeit. Heute sind die Weltmeere so bedroht wie nie zuvor. Die weltweite Verschmutzung durch Plastikmüll und der industrielle Fischfang gefährden die Existenz unzähliger Arten. Die Erderwärmung und der daraus resultierende Klimawandel führen zu immer größeren Schäden im marinen Ökosystem. York Hovest, erfolgreicher Fotograf, Abenteurer und Autor, hat in seinem aktuellen Projekt Menschen begleitet, die sich die Rettung der Ozeane auf die Fahne geschrieben haben: Wissenschaftler, Aktivisten und Visionäre, die Projekte entwickelt haben, wie die Meere gerettet werden können: "Helden der Meere" ist ein wunderbarer Bildband, der die Schönheit des Meeres und seiner Bewohner einfängt und gleichzeitig aufzeigt, wie gefährdet diese grandiose Welt ist.

Der Sommer vor dem Krieg: Eine vielschichtige Chronik vom August 1939

Er denke "immer noch nicht, dass es Krieg geben wird", schrieb ein US-amerikanischer Student namens John F. Kennedy am 20. August 1939 an einen Freund in den USA. Der spätere US-Präsident reiste damals durch Deutschland und Europa. Seine Fehleinschätzung findet sich zusammen mit vielen anderen zeitgenössischen Quellen in dem neuen Buch des Historikers Hauke Friederichs: "Funkenflug. August 1939: Der Sommer, bevor der Krieg begann". Nach dem Muster des Bestsellers "1913: Der Sommer des Jahrhunderts" von Florian Illies schildert Friederichs Tag für Tag Hochpolitisches und Privates aus den Biografien meist bekannter Zeitzeugen, von Thomas Mann und Albert Einstein bis zu Churchill, Stalin und Hitler. Während jedoch bei Illies der Krieg noch weit entfernt scheint, liegt er bei Friederichs schon in der Luft. Dank des tagebuchartigen Charakters liest sich das Buch wie ein spannender Countdown bis zum Krieg. Unwillkürlich wird der Leser noch einmal von der Hoffnung gepackt, dass das Unabwendbare doch noch abgewendet wird.

Weltliteratur aus Hannover: Hausbesuch bei Fernando Aramburu

Weitere Informationen

Eine Kindheit in der Franco-Diktatur

Fernando Aramburu ist einer der wichtigsten Schriftsteller Spaniens. In "Langsame Jahre" schreibt er über das Ende der Jugend und das Schicksal einer baskischen Familie in der Franco-Ära. mehr

Er ist einer der wichtigsten Schriftsteller aus Spanien, aber er lebt schon seit über drei Jahrzehnten in Hannover. Fernando Aramburu ist 1984 nach Norddeutschland gekommen, weil er in Saragossa ein deutsches Mädchen, seine heutige Ehefrau, kennengelernt hatte. Literarisch befasst sich Aramburu aber weiter vor allem mit seiner Heimat, dem Baskenland. In seinem großen internationalen Bestseller "Patria" hatte er über den langen Schatten der Untergrundorganisation ETA geschrieben. Jetzt ist sein neues Buch erschienen: "Langsame Jahre". Darin erzählt er die Geschichte einer baskischen Familie zur Zeit der Franco-Diktatur: Die Tochter wird ungewollt schwanger, der Sohn verstrickt sich im politischen Widerstand. Der Clou des Buches: Aramburu stellt die fiktiven Berichte eines Jungen aus der Familie mit den Notizen eines Schriftstellers gegenüber. Das "Bücherjournal" besucht Aramburu in seiner Wahlheimat Hannover und stellt seinen Roman vor.

Roman einer Befreiung: Karen Köhler ist Gast im Bücherjournal

Videos
06:11

Karen Köhler als Gast im Bücherjournal

Karen Köhler hat mit "Miroloi" einen Roman geschrieben, der aus den aktuellen Neuerscheinungen heraussticht. Mit Julia Westlake spricht sie über den Wunsch auf Selbstbestimmung. Video (06:11 min)

Dieser Roman sticht heraus aus den aktuellen Neuerscheinungen: Er erzählt von einer ganz eigenen und fremden Welt, in einer eigenen Sprache und ist dabei doch ganz gegenwärtig. Denn es geht um aktuelle Themen: Fundamentalismus, Religion als Machtausübung, den Kampf um Freiheit und Selbstbestimmung. Die Hamburger Schriftstellerin Karen Köhler erzählt in ihrem Roman "Miroloi" von einer Inselgemeinschaft, die sich von der Zivilisation abgeschottet hat: Die Männer regieren, die Frauen dürfen weder lesen noch schreiben. Die Religion schreibt die Gesetze vor und auch die brutalen Strafen, wenn gegen sie verstoßen wird. Eine einzelne Frau lehnt sich auf gegen diese patriarchale Gesellschaft und nimmt den Kampf mit den Männern auf. "Miroloi" ist ein Buch, das durch Form und Inhalt polarisieren wird, das "NDR Buch des Monats" und außerdem auf der Longlist zum Deutschen Buchpreis. Als Gast im Bücherjournal spricht Karen Köhler mit Julia Westlake über ihr Buch, über Feminismus und den Wunsch auf Selbstbestimmung.

Links

Karen Köhler liest aus "Miroloi"

Karen Köhler ist bei einer Reihe von Veranstaltungen im Norden zu Gast und liest aus "Miroloi". Eine Übersicht über die Termine im Norden finden Sie hier. extern

"Die Gesellschaft des Zorns": Eine Analyse des Rechtspopulismus

Videos
05:38

Exzellente Analyse des Rechtspopulismus

Cornelia Koppetsch analysiert in ihrem Buch "Gesellschaft des Zorns" die rechtspopulistische Bewegung. Dabei kommt sie zu verblüffenden Erklärungen für deren Entstehung. Video (05:38 min)

Ist die rechtspopulistische Bewegung nicht bereits umfassend erforscht? Keineswegs, sagt die Soziologin Cornelia Koppetsch und gibt in ihrem exzellenten Buch "Die Gesellschaft des Zorns" verblüffende Erklärungen für deren Entstehung. Gegen die üblichen Klischees (soziale Benachteiligung, Fremdenfeindlichkeit, Protest) macht sie die Globalisierung mit ihren neuen Arbeitsmärkten verantwortlich. Koppetsch versteht das Aufkommen der populistischen Bewegungen als eine Art Konterrevolution gegen Globalisierungs- und Transnationalisierungsprozesse. Sie sieht die Trennlinien nach dem Fall der Mauer nicht mehr zwischen Ost und West, sondern in der forcierten Entgrenzung der Welt, der Märkte und der davon profitierenden liberalen Mittelschicht auf der einen Seite. Auf der anderen Seite steht ein im nationalen Wohlfahrtsstaat beheimatetes Milieu, das sich zunehmend entfremdet fühlt.

"Liebe kennt kein Alter": Ein Bildband über alte Liebespaare

Weitere Informationen

Lebens- und Liebeslust ohne Altersgrenzen

Der New Yorker Blogger Ari Seth Cohen porträtiert in seinem neuen Buch Paare, die ihrer Lebens- und Liebeslust keine Altersgrenzen auferlegen: "Liebe kennt kein Alter". mehr

Der New Yorker Fotograf und Blogger Ari Seth Cohen erreicht mit seinem Modeblog "Advanced Style" über 250.000 Follower, mittlerweile ist er weltweit bekannt, seine Bücher sind Bestseller. Darin porträtiert er ausschließlich Menschen über 60, meist Frauen, die dem Alter exzentrische Mode entgegensetzen. In einer Gesellschaft von Jugendwahn und in einer Fashionwelt mit Topmodel-Casting-Shows zeigt er, dass sich die Älteren, von denen es in der westlichen Welt immer mehr gibt, keine Grenzen setzen lassen. Einige der Porträtierten sind mittlerweile tatsächlich zu Models der Modeindustrie geworden. Mit seinem neuen Buch "Liebe kennt kein Alter" war er jetzt in Deutschland. Diesmal stellt er Paare vor, die mit ihrem außergewöhnlichen Stilbewusstsein ihre Liebe zelebrieren, zum Teil seit 50 Jahren. Darunter Bill und Eva aus New York und Paul und Tutti aus Sydney, die bei der Buchpremiere anwesend waren. Das "Bücherjournal" stellt Ari Seth Cohen und seine Models vor.

Literarisches Meisterwerk: Ein Roman über die abgehängte Gesellschaft in Frankreich

Weitere Informationen

Schicksalsprägende Herkunft

Anhand der Geschichte einer Gruppe Jugendlicher erzählt "Wie später ihre Kinder" von der Chancenungleichheit in der französischen Gesellschaft, die durch Eliten geprägt ist. mehr

Sie nannten sich "Eisenmänner", waren stolz auf ihre Fabriken und sie waren politisch links: die Arbeiter im französischen Lothringen. Dann kam Anfang der 1990er-Jahre der wirtschaftliche Niedergang, die Hochöfen wurden geschlossen, der Aufstieg der Rechten begann. Der Schriftsteller Nicolas Mathieu hat darüber einen brillanten Roman geschrieben: "Wie später ihre Kinder". Mathieu erzählt aus der Perspektive von Jugendlichen, die aus dieser Tristesse ausbrechen wollen, aber in ihrer Welt gefangen bleiben. In Frankreich wurde der Roman von der Kritik gefeiert, er bekam 2018 den Prix Goncourt, jetzt liegt er endlich auf Deutsch vor. Wer verstehen möchte, woher der Erfolg der Rechten in Europa kommt, aber auch die Motivation der "Gelbwestenbewegung", der findet einige Ursachen in diesem Buch. Was hier passierte, steht stellvertretend für viele Regionen in Europa.

Debatte

"Tschick" statt "Werther": Brauchen wir noch Klassiker?

Sollen Kinder in der Schule Goethe lesen? Sind Theaterstücke wie "Hamlet" noch relevant? Und wie sieht es in der Musik aus? Die NDR Debatte zur Frage: Wozu brauchen wir noch Klassiker? mehr

Moderation
Julia Westlake
Redaktionsleiter/in
Christoph Bungartz
Produktionsleiter/in
Katja Theile
Redaktion
Niels Grevsen