Bücherjournal

In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch, 27. Februar 2019, 00:00 bis 00:45 Uhr

Bewegende Familiengeschichte: Wie ein jüdisches Mädchen vor den Nazis gerettet wurde

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Die bewegende Geschichte eines jüdischen Mädchens

In "Das Mädchen mit dem Poesiealbum" erzählt Bart van Es die Geschichte des jüdischen Mädchens Lien, das bei Pflegeeltern - seinen Großeltern - Unterschlupf fand. Er lüftet ein Familiengeheimnis. mehr

Lien ist acht Jahre alt, als sie von ihren Eltern zu einer Pflegefamilie geschickt wird, um sie vor den Nationalsozialisten zu verstecken. Und sie ist 54, als ihre Pflege- und Adoptivmutter jeglichen Kontakt mit ihr abbricht. Lien ist niederländische Jüdin - eines von 4.000 jüdischen Kindern, die nach der deutschen Besatzung von ganz normalen Niederländern in ihren Familien aufgenommen und so vor der Deportation gerettet wurden. Es waren mutige Menschen, die ihr eigenes Leben riskierten, um jüdische Kinder vor dem sicheren Tod zu bewahren. Doch das Überleben war nicht immer nur glücklich, in Liens Fall traumatisch. Doch darüber wurde nicht geredet - jahrelang. Tatsächlich wurden Lien und ihre Geschichte aus dem Gedächtnis der Familie, die ihr neues Zuhause wurde, getilgt. Erst eine Generation später macht sich der Enkel von Liens Adoptivmutter auf, das Geheimnis zu lüften. Er sucht den Kontakt zu Lien, lässt sich alles erzählen, weckt Erinnerungen, recherchiert die historischen Zusammenhänge. Herausgekommen ist ein berührendes Buch: "Das Mädchen mit dem Poesiealbum". Das Bücherjournal trifft Lien de Jong und Bart van Es zusammen in Amsterdam - und lässt sich ihre Lebensgeschichte erzählen.

Erinnerung an einen großen Dichter: Heinrich Breloer über Bertolt Brecht

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Breloers "Brecht" feiert Premiere auf der Berlinale

Nach neun Jahren Arbeit feiert der Film "Brecht" von Regisseur Heinrich Breloer auf der Berlinale Premiere. Tom Schilling und Burghart Klaußner spielen den Dramatiker Bertolt Brecht. mehr

Dichter, Theatermann, politischer Denker: Bertolt Brecht ist einer der wichtigsten deutschen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. Kein Wunder, dass Regisseur Heinrich Breloer sich für ihn interessiert. Nach seinem erfolgreichen Film über die Familie Mann hat Breloer nun ein zweiteiliges Dokudrama über Leben und Werk von Brecht gedreht, insgesamt 180 Minuten lang, auch mit bislang unbekannten Aspekten. Dabei geht es besonders um den privaten Brecht und sein Verhältnis zu den Frauen, ohne die sein Werk undenkbar wäre. Tom Schilling spielt den jungen aufstrebenden Dichter zu Zeiten des Ersten Weltkriegs und der Weimarer Republik, Burghart Klaußner den älteren, der im Berliner Ensemble in der DDR das Theater revolutioniert. Für seinen Film hat Breloer über Jahrzehnte mit zahlreichen  Zeitzeugen gesprochen - mit Frauen, Freunden, Theaterleuten. Aus seinen Recherchen entstand das Buch "Brecht. Roman seines Lebens". Das Dokudrama wird am 22. März auf Arte und am 27. März im Ersten gesendet. Jeweils im Anschluss läuft die Dokumentation "Brecht und das Berliner Ensemble - Erinnerung an einen Traum".

Schreiben ist die beste Droge: T.C. Boyle und sein neuer Roman "Das Licht"

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LSD-Trips in der frühen Hippie-Zeit

Der neue Roman von T.C. Boyle, "Das Licht", erscheint auf Deutsch - noch bevor er in den USA auf den Markt kommt. Er spielt zu Beginn der Hippie-Zeit und beleuchtet die Rolle der Droge LSD. mehr

Mit viel Sarkasmus, schrägem Humor und Sozialkritik erforscht der amerikanische Schriftsteller T.C. Boyle die Ängste und Abgründe der Gesellschaft. In seinem neuesten Buch "Das Licht" befasst er sich mit LSD - der Modedroge der wilden 60er und 70er. Boyle erzählt aus dem Leben des LSD-Papstes Timothy Leary, der die Grenzen des Bewusstseins sprengen wollte. Anfang der 60er-Jahre schart der Harvard-Professor Doktoranden um sich und schickt sie systematisch auf Trips. Leary wurde zum Heiligen der späteren Hippie-Bewegung. Eigene Erfahrungen mit Rausch und Realität, die Person des LSD-Erfinders Albert Hofmann, die Folgen des Drogenkonsums für eine ganze Generation - all das betrachtet Boyle, dessen Eltern beide Alkoholiker waren, mit dem nüchternen und ernüchterten Blick eines Überlebenden. T.C. Boyle feierte im Dezember seinen 70. Geburtstag. Das Bücherjournal spricht mit dem erfolgreichen Schriftsteller und stellt den neuen Roman vor.

Deutscher Krimi Preis: Die Hamburger Schriftstellerin Simone Buchholz

Sie lebt in Hamburg auf St. Pauli - und dort spielen viele ihrer Kriminalromane: Simone Buchholz gehört zu den erfolgreichsten und besten Krimiautorinnen und -autoren in Deutschland. Angefangen hat sie als Journalistin, sie arbeitete für Frauenzeitschriften, dann wollte sie etwas ganz anderes schreiben. Inzwischen hat sie acht Bände mit der abgebrühten, leicht schnoddrigen Staatsanwältin Chasity Riley veröffentlicht, die regelmäßig auf der Krimibestenliste stehen. Buchholz erhielt für ihre Reihe bereits einige Preise, und für den aktuellen Roman "Mexikoring" bekommt sie jetzt zum zweiten Mal den "Deutschen Krimi Preis 2019". Es geht um brennende Autos, um die Gewalt rivalisierender Clans und um eine verbotene Liebe. Die Spur führt diesmal nach Bremen zum Volk der Mhallamiye. Als Gast im Bücherjournal spricht Simone Buchholz über ihre Arbeit als Krimi-Autorin, über das Besondere von St. Pauli und über ihr Gewinnerbuch.

Was der Mensch mit der Landschaft macht: Ein brutal-schöner Bildband

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Bildband: Wie der Mensch die Natur ausbeutet

Früher hat Tom Hegen eher "schöne" Landschaften abgelichtet. Nun zeigt er mit seinen Fotos, welche Spuren der Mensch auf dem Planeten Erde bereits hinterlassen hat. mehr

Über 90 Prozent der Landschaft in Deutschland sind von uns Menschen verändert worden. Wir haben der Wildnis eine Fläche von 0,6 Prozent übrig gelassen. Alles andere gehört uns. Wir nennen es "Kulturlandschaft". Der Fotograf Tom Hegen dokumentiert, wie das aus der Luft aussieht: "Habitat" heißt sein Bildband. Die Fotos sehen aus wie Kunstwerke, mit wunderbaren Farben und Formen. Mit Kapitelüberschriften, die erst einmal recht positiv klingen: "Was uns ernährt", "Was uns aufbaut", "Was uns antreibt", "Was uns verbindet". Die Bilder aber dokumentieren, wie rücksichtslos und unverantwortlich wir manchmal mit der Umwelt umgehen. Durch Straßen, Stromgewinnung, Landwirtschaft, Industrieanlagen. Ein Bildband zum Staunen, der nachdenklich macht.

Gefährliche Liebschaft: Das NDR Buch des Monats "Sandbergs Liebe"

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NDR Buch des Monats: "Sandbergs Liebe" von Jan Drees

"Sandbergs Liebe" von Jan Drees ist ein fast psychedelischer Thriller über emotionalen Machtmissbrauch und die Liebe in heutigen Zeiten - oder das, was für Liebe gehalten wird. mehr

Schön, kultiviert, erfolgreich: Kalina ist eine Traumfrau. Kristian kann es kaum glauben, dass aus den beiden ein Paar wird, kurz nachdem sie sich über eine Dating-App im Internet kennengelernt haben. Er zweifelt: Ist er wirklich gut genug für sie? Sie verloben sich, wollen Kinder und eine gemeinsame Wohnung in einem schicken Hamburger Stadtteil beziehen. Doch langsam wird der Traum zum Albtraum: immer mehr Missverständnisse, Streitigkeiten, Manipulationen. Immer häufiger kritisiert sie sein Verhalten, wirft ihm vor, emotional krank zu sein, bis er immer mehr an sich zweifelt. Der Schriftsteller Jan Drees hat einen psychologisch raffinierten Roman über eine toxische Liebe und emotionale Abhängigkeit geschrieben: "Sandbergs Liebe". Das Buch beruht auf einer persönlichen Erfahrung, Jan Drees selbst hat eine solche Beziehung erlebt, die ihn in eine tiefe Krise geführt hat. Es geht darum, so der Schriftsteller, "wie Manipulation das Vertrauen in die eigene Wahrnehmung zerstören und infolgedessen die Psyche eines Menschen in ihren Grundfesten erschüttern kann". "Sandbergs Liebe" ist unser "NDR Buch des Monats".

Zeit des Umbruchs: Herbert Kapfers Monumentalcollage "1919"

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Fesselndes Werk über eine Zeit des Umbruchs

In "1919" wirft Herbert Kapfer einen faszinierenden Blick zurück in die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg. Das Buch ist aus unzähligen fiktiven und dokumentarischen Texten montiert. mehr

"1919", so knapp hat der Autor und Publizist Herbert Kapfer sein neues Buch betitelt. Es ist ein faszinierender Blick zurück - hinweg über hundert Jahre Geschichte - in das Jahr 1919. Der Erste Weltkrieg ist vorbei, das Deutsche Reich gibt es nicht mehr, ein historischer Umbruch. Herbert Kapfer hat das Buch aus unzähligen fiktiven und dokumentarischen Texten montiert. Er hat aus fotografischen, literarischen, politischen und privaten Quellen geschöpft und das Material zu einem Erzählstrom von 123 Kapiteln zusammenfügt. "1919" liest sich wie ein Roman, der die Zeit des Umbruchs nach dem Ersten Weltkrieg lebendig werden lässt. Zu Wort kommen Soldaten und Kriegsheimkehrer, Revolutionäre und Anarchisten, Matrosen, Minister und Monarchisten, Schüler, Verliebte und eine Zeitungsverkäuferin. In ihren Geschichten spiegeln sich die Probleme der Zeit, Not und Elend, Ängste und Unsicherheiten, Sehnsüchte und Visionen.

Moderation
Julia Westlake
Redaktionsleiter/in
Christoph Bungartz
Produktionsleiter/in
Katja Theile
Redaktion
Niels Grevsen