Sendedatum: 12.05.2015 20:00 Uhr  | Archiv

Dichter-Wettstreit im Kieler Landtag - op Platt

Dort, wo normalerweise Beschlüsse auf politischer Ebene diskutiert werden, ist es Dienstagabend auf kultureller Ebene heiß hergegangen. Alte Hasen und neue Gesichter der Slammer-Szene lieferten sich eine Dichterschlacht vom Feinsten beim "Poetry Slam op Platt" im Kieler Landeshaus - eine Premiere. Landtagspräsident Klaus Schlie persönlich eröffnete den Abend.

VIDEO: Bühnendichter im Kieler Landtag (138 Min)

NDR Autoren, Slam-Cracks und ein Neuzugang

Das Prinzip ist einfach: Künstler treten mit eigenen Texten in Duellen gegeneinander an, die Jury ist das Publikum. Mit seinem Applaus entscheidet es, wer in die nächste Runde kommt. Die Kategorien sind Länge, Intensität, aufbrausend mit Trampeln oder spärlich mit Huster. Zu den Plattdeutsch-Spezialisten gehörten NDR Redakteur Jan Graf, Bauer und Buchautor Matthias Stührwoldt, außerdem Journalistin Ines Barber und Musiker Gerrit Hoß. Unter den erfahrenen Slammern: der Kieler Kulturpreisträger Helge Albrecht und Sven Kamin, Gewinner zahlreicher NDR Slams auf Platt. Auch Bleu Broode dürfte Slam-Freunden ein Begriff sein: Der Theologe ist seit mehreren Jahren auf den Poetry-Bühnen zu Hause. Der besondere Charme des "Poetry Slams op Platt": NDR Autoren der plattdeutschen Sendereihe "Hör mal'n beten to" treten gegen versierte Cracks aus der Slam-Szene an.

Jacqueline Lindemeier stand zum ersten Mal auf der "Poetry Slam op Platt"-Bühne. Ihr erstes Stück widmete sie ihrem Physiklehrer Herrn Petersen, der seine Schüler bat, ihn in den Fußnoten zu erwähnen, falls sie jemals einen Nobelpreis für Physik bekommen sollten. "Herr Petersen, das mit dem Nobelpreis wird nichts, aber dann kommen Sie in die Fußnoten von diesem Wahnsinn hier", leitete Lindemeier ihren ersten Vortrag ein, in dem Albert Einstein eine Hauptrolle spielt.

Aufgeregt und "nackt" auf der Bühne

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Der Poetry Slam op Platt im Kieler Landeshaus. © NDR Foto: Maja Bahtijarevic

Wortgewandt im Landtag

Slammer der plattdeutschen Szene lieferten sich im Kieler Landeshaus eine Dichterschlacht. Mit dabei waren altbekannte Slamgrößen und mutige Debütanten. Bildergalerie

Ines Barber ist seit der Geburtsstunde des "Poetry Slam op Platt" dabei. Die ersten Male war sie aufgeregt, erzählt die Journalistin: "Rhetorisch musst du was auf dem Kasten haben, und du musst auch eine gute Stimme haben, sonst will das ja keiner hören." Auch für Gerrit Hoß, der eigentlich Musiker ist und für gewöhnlich mit seiner Gitarre auf der Bühne steht, waren die ersten Auftritte ungewöhnlich: "Meine Gitarre muss ich Zuhause lassen - das ist für mich als Musiker, als würde ich nackt dastehen." Auf der Slam-Bühne im Landtag bewies er, dass er sich mittlerweile auch "nackt" sehr wohlfühlt - und brachte die Menge mit seiner Geschichte über Außerirdische und Tupperdosen zum Lachen.

Starke Duellanten, begeistertes Publikum

Die Duelle waren bisher noch nie so knapp wie dieses Mal. Die Gastgeber Högsdal und Christ hatten zeitweise Schwierigkeiten, die Intensität des Applauses zu deuten - denn wie beim Poetenwettstreit üblich, urteilt das Publikum über Sieg und Niederlage. "Es ist ja nicht unser Problem, dass ihr euch nicht entscheiden könnt", witzelte Högsdal, als das erste Duell zwischen Slam-Profi Bleu Broode und Abiturientin Jaqueline Lindemeier bewertet werden sollte. Die junge Frau setzte sich mit ihrem Debüt durch: Ihre Geschichte über den untoten Einstein, Elvis und einer Katze in der Mikrowelle konnte punkten.

Der Poetry Slam op Platt im Kieler Landeshaus. © NDR Foto: Maja Bahtijarevic
Mit seiner Sprach-Poesie op Platt gewann Helge Albrecht den Kieler Kulturpreis.

Mit lustigen, autobiografischen und visionären Texten slamten sich die Teilnehmer von Runde zu Runde - begleitet von lautem Gelächter und tosendem Applaus in Plenarsaal und Foyer, wo die Veranstaltung zusätzlich übertragen wurde. Im Finale standen sich Helge Albrecht und Sven Kamin gegenüber - zwei Duellanten, die in der Vergangenheit mehrfach hochdeutsche und plattdeutsche Slams gewonnen hatten. Albrecht servierte ein altbewährtes Stück: ein Gedicht mit Balladencharakter über einen Nachbarschaftsstreit, das er für den ersten "Poetry Slam op Platt" vor zwei Jahren geschrieben hat. Am Ende konnte Kamin mit seiner Ode ans Partywochenende überzeugen und kommentiert bescheiden: "Wohl ein bisschen Glück gehabt!"

Poetry Slams: Vom Insider zum Kult

Während die Dichterschlacht früher eher bei einem jungen Spartenpublikum beliebt war, findet sie immer mehr Gehör und Gefallen bei der breiteren Masse. NDR 1 Welle Nord hob den Wettstreit auf Plattdeutsch aus der Taufe: Vor drei Jahren fand er zum ersten Mal im Husumer Speicher statt, weitere Slams folgten unter anderem in Flensburg, Hamburg und Berlin. Die nächste Dichterschlacht op Platt findet am 28. August in Büdelsdorf statt - nähere Informationen zeitnah hier.

Weitere Informationen
Viele winkende Menschen auf eienr Bühne beim Poetry Slam op Platt © NDR Foto: Juliane Thomas

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Moin! Schleswig-Holstein – Von Binnenland und Waterkant | 12.05.2015 | 20:00 Uhr

Der leuchtende Leuchtturm Westerhever auf Eiderstedt. © picture-alliance © Herbert Schwind/OKAPIA

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