Stand: 10.11.2017 11:21 Uhr

ATP-WM: Zverev ohne Angst auf der großen Bühne

Alexander Zverev (l.) trifft bei der ATP-WM auf sein Idol Roger Federer (r.).

Um einordnen zu können, was Tennisprofi Alexander Zverev mit seiner Qualifikation für das ATP-Saisonfinale in London (ab Sonntag) geschafft hat, lohnt ein Blick zurück in die Historie des Turniers der acht besten Spieler der Weltrangliste. Der 20 Jahre alte Hamburger ist als erster Deutscher seit Rainer Schüttler im Jahr 2003 dabei. Der Korbacher scheiterte im Halbfinale an Andre Agassi. Der US-Amerikaner wiederum unterlag im Endspiel Roger Federer. Der Schweizer zählte damals zu den aufstrebenden Profis und hatte im selben Jahr in Wimbledon gerade seinen ersten Grand-Slam-Titel gewonnen. Inzwischen ist Federer 36 Jahre alt, fünf weitere Male Weltmeister geworden und hat 95 Turniersiege in seiner einzigartigen Karriere-Bilanz vorzuweisen. Kein Wunder, dass Zverev, der bei seiner WM-Premiere eines der drei Gruppenspiele in London gegen den Schweizer bestreitet, sagt: "Roger Federer ist immer noch mein Idol."

Fünf Titel in dieser Saison

Der Hamburger, seit Kurzem als Weltranglistendritter so hoch wie nie platziert, reist voller Vorfreude in die britische Hauptstadt: "Dass ich nach diesem unglaublichen Jahr im Kreis der acht weltbesten Spieler dabei bin, ist sehr speziell für mich. Es wird eine unfassbare Erfahrung werden - ein weiteres erstes Mal nach vielen ersten Malen in diesem verrückten Jahr." Fünf Saisontitel gewann er 2017 und hadert dennoch mit der öffentlichen Bewertung seiner Leistung: "Ich habe das Gefühl, dass man sich in unserem Land lieber auf etwas Negatives stürzt. Gewinne ich einen Masters-Titel, wird darüber kleiner berichtet als über meine Davis-Cup-Absage", sagte Zverev, der auf das Relegationsspiel Mitte September in Portugal (3:2) verzichtete und dafür viel Kritik einstecken musste.

Zverev: "Viele kennen mich nicht richtig"

Der 20-Jährige betonte, dass er "überhaupt kein Problem mit Kritik" habe: "Ich bin selbst mein schärfster Kritiker. Ich versuche immer, grundehrlich zu sein." Viele Menschen würden ihn "nicht richtig kennen", ergänzte der Tennisprofi. Er habe "wie jeder andere" seine Hochs und Tiefs. "Ich kämpfe damit, besser mit meinen Enttäuschungen umzugehen. Es ist immer noch alles ein großer Lernprozess, mit 20 Jahren dieses Leben zu leben im Profitennis, auf öffentlicher Bühne." Es wäre schön, "wenn die Menschen mich verstehen, mich unterstützen würden".

Probleme mit den Fans hatten auch schon andere große Namen im deutschen Tennis. Michael Stich zum Beispiel, der trotz seiner sportlichen Erfolge in der öffentlichen Gunst immer nur die Nummer zwei hinter Boris Becker war. So wurde der heutige Rothenbaum-Turnierdirektor beim ATP-Finale 1991 in Frankfurt während der Vorrunden-Niederlage gegen den Leimener ausgepfiffen. Zwei Jahre später kam es zur Wiedergutmachung: Stich gewann das Turnier gegen Pete Sampras und wurde anschließend von den 9.000 Fans gefeiert. "In der Sammlung der Titel ist er ein sehr schöner", erinnert sich der 49-Jährige heute. Es sei ein "ganz tolles Ambiente" gewesen.

Stich: "Alex muss sich vor niemandem verstecken"

Für Stich zählt Zverev als Jüngster im Teilnehmerfeld von London trotzdem zum Favoritenkreis: Obwohl es bei den vier Grand-Slam-Turnieren des Jahres nicht so gut lief und im Herbst die Leistungen schwankten. Nach dem Aus beim Turnier in Wien klagte Zverev zuletzt über Magen-Darm-Probleme. "Ich kann mir vorstellen, dass er zuletzt körperlich der sehr langen und schweren Saison Tribut zollen musste", erklärte Stich. "Aber er ist mental so stark, dass er noch mal den vollen Fokus auf die Finals legen wird. Alexander hat schon alle geschlagen. Er muss sich vor niemandem verstecken und kann sehr selbstbewusst in das Turnier gehen." Das tut Zverev auch: "Ich werde bereit sein, ich will dabei sein, wenn es um den Pokal geht", sagte er dem "Focus". Sein Vorrunden-Gruppenname ("Boris Becker") sollte für Zverev Ansporn sein: Der Leimener ist mit drei WM-Titeln und fünf Finalteilnahmen erfolgreichster Deutscher der Endrundengeschichte.

Alexander Zverev: Deutschlands Bester aus Hamburg

Dieses Thema im Programm:

Sport aktuell | 10.11.2017 | 10:25 Uhr

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