Stand: 23.06.2019 08:11 Uhr

Stand-up-Paddling: Mit Köpfchen aufs Brett

von Eva Schulze-Gabrechten
Seit 2015 steht Simone Ahrens auf dem Board. Im letzten Jahr gewann sie die deutschen Meisterschaften im Stand-up-Paddling.

Ein Board, ein Paddel und natürlich Wasser - mehr braucht es nicht für den Trendsport Stand-up-Paddling. Kein Wunder also, dass viele Einsteiger auf eigene Faust lospaddeln wollen. Aufrecht auf dem Board zu stehen - das funktioniert bei den meisten tatsächlich schon nach wenigen Minuten. Aber dann hapert es oft: Wie setze ich eigentlich das Paddle ein? Wie steuere ich das Board? Und: Wie bleibe ich möglichst lange oben? "Stand-up-Paddling ist - wie alle Paddelsportarten - Techniksache", so Simone Ahrens. Und diese Technik beherrscht die 49-Jährige perfekt: Sie ist die amtierende deutsche Meisterin im Stand-up-Paddling. Seit 2016 können Anfänger in ihren Kursen in Hannover alles rund um den Wassersport lernen.

Was tun, wenn man ins Wasser fällt?

Die meisten ihrer Kunden: blutige Anfänger. Sie sollen bei Simone Ahrens zunächst lernen, sicher auf dem Brett zu stehen und es zu beherrschen. Denn wer sein Stand-up-Paddle-Board, kurz SUP, nicht steuern kann, riskiert Zusammenstöße und Unfälle mit anderen Wassersportlern. Oder einen Sturz ins Wasser. Und vor dem haben gerade erwachsene Anfänger die größte Angst, weiß Simone Ahrens. "Ein Sturz ist aber für Schwimmer kein Grund zur Panik. Das Wichtigste also: Ruhe bewahren!", so Ahrens. Und dann: Das Paddle am Gepäcknetz befestigen, das an der Oberseite der SUPs angebracht ist. So bleiben die Hände frei, um wieder aufs Brett zu kommen. Dazu den Haltegriff an der Mitte des Boards festhalten, den Oberkörper aufs Brett bringen und dann die Beine rüber schwingen. Klingt schwierig, funktioniert aber auch bei Anfängern prima: Weil SUPs deutlich länger und breiter als Surfbretter sind, sind sie auch kippstabiler.

Die richtige Ausrüstung

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Besonders praktisch: aufblasbare Stand-up-Paddling-Boards, kurz SUPs.

In Ahrens' Kursen lernen Anfänger auf aufblasbaren SUPs. Der Vorteil: Sie sind leichter zu transportieren und bei Zusammenstößen sicherer für Mensch und Material. Auch die deutsche Meisterin selbst verwendet im Training ein solches Board. In Wettkämpfen fährt sie dagegen auf Brettern mit Carbonbeschichtung, die schneller durchs Wasser gleiten. Ein SUP aus dem Fachhandel kostet mehrere hundert Euro. Aus Ahrens' Sicht eine sinnvolle Investition: "Die Boards, die viele Discounter jetzt anbieten, sind im Grunde genommen Schrott. Da ist es mit dem Fahrspaß schnell vorbei." Für die Bekleidung müssen Anfänger allerdings kein Vermögen ausgeben, meint die deutsche Meisterin. "Badebekleidung oder Sportsachen, die schnell trocknen, reichen vollkommen aus." Hauptsache, keine schwere Baumwollkleidung, die sich mit Wasser vollsaugt und den Paddler so in die Tiefe ziehen könnte.

Sicherheit: Das A und O

Stand-up-Paddling kann bei Simone Ahrens grundsätzlich jeder lernen. Sofern er oder sie schwimmen kann. Trotzdem tragen die Teilnehmer in ihren Anfängerkursen Schwimmwesten. Und lernen die wichtigsten Sicherheitsregeln, bevor sie aufs Brett dürfen. "Viele Anfänger wollen schnellstmöglich einfach nur aufs Wasser", so Ahrens' Erfahrung. "Und denken nicht daran, sich vorher über das Gewässer oder die Wetterlage zu informieren. Das ist absolut leichtsinnig!", betont die Trainerin. Denn ein Gewitter oder eine starke Strömung können auf dem Wasser lebensgefährlich werden. Die größte Gefahr bleibt für viele Anfänger aber wohl der Muskelkater: Denn Stand-up-Paddling ist ein Ganzkörpertraining. Angefangen von den Fußsohlen, die auf dem wackeligen Brett die Balance halten müssen, über die Bein- und Gesäßmuskulatur bis hin zu Rumpf und Schultern, die den Paddelschlag ausführen.

Leistungssport Stand-up-Paddling

Voll im Trend: Stand-Up-Paddler auf der Leine in Hannover.

Simone Ahrens trainiert täglich auf dem Wasser, dazu kommt gezieltes Krafttraining. Seit 2015 nimmt sie an Wettkämpfen teil. Die deutsche Meisterin startet in der "Longdistance"-Disziplin. Dabei geht es darum, eine Strecke von mindestens acht Kilometern möglichst schnell auf dem SUP zu fahren. 2018 holte Ahrens so über 16 Kilometer den Meisterinnentitel. Der Leistungssport stecke in Deutschland aber noch in den Kinderschuhen, bedauert sie: "Ich hätte gern mehr Konkurrenz in meinen Wettkämpfen. Gerade bei den Frauen fehlt einfach der Nachwuchs". In ihrem Unterricht möchte sie die Teilnehmer deshalb auch dazu motivieren, Stand-up-Paddling nicht nur als Entspannung zu sehen - sondern auch mal an ihre körperlichen Grenzen zu gehen. "Die meisten Leute wollen sich heutzutage in ihrer Freizeit aber nicht mehr so anstrengen", bemerkt Ahrens. Für ihren nächsten Wettkampf rechnet sie sich wieder sehr gute Chancen auf den Sieg aus: Im August startet sie bei der Niedersachsenmeisterschaft in Hann. Münden.

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Visite | 04.07.2017 | 20:15 Uhr