Boris Herrmann nach der Zielankunft bei der Vendée Globe © Witters Foto: Sebastien Boue

Vendée Globe: Weltumsegler Boris Herrmann ist im Ziel!

Stand: 28.01.2021 20:42 Uhr

Nach 80 Tagen, 14 Stunden, 59 Minuten und 45 Sekunden auf hoher See hat Boris Herrmann am Donnerstagvormittag das Ziel bei der Vendée Globe erreicht. Eine Kollision mit einem Fischtrawler rund 90 Seemeilen vor Les Sables-d'Olonne verhinderte eine Podestplatzierung.

Es ist geschafft! Boris Herrmann hat bei der härtesten Solo-Regatta der Welt das Ziel in Frankreich erreicht - erschöpft, aber erleichtert, dass er nach dem Drama kurz vor dem Ende seiner Hatz über die Weltmeere überhaupt noch das Rennen mit der stark angeschlagenen Jacht "Seaexplorer - Yacht Club de Monaco" beenden konnte.

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Herrmann, der bei seiner Vendée-Globe-Premiere ursprünglich mit einem Platz unter den besten Zehn geliebäugelt hatte und nach einer herausragenden Leistung bis zu dem verhängnisvollen Zusammenprall sogar auf einen historischen Sieg hoffen durfte, jubelte und hielt Leuchtfackeln in beiden Händen. Die Beschädigungen an seinem Boot waren deutlich zu erkennen.

Platz fünf nach Verrechnung der Zeitgutschriften

Der 39-Jährige passierte als Fünfter die Ziellinie, war aber wegen einer Zeitgutschrift lange Vierter des Rankings. Der Franzose Jean Le Cam zog bei seiner Zieldurchfahrt am Donnerstagabend jedoch noch dank eines eigenen Zeitbonus noch an Herrmann vorbei.

"Ich bin sehr glücklich. Der kleine Schluckauf der vergangenen Nacht ist schon fast vergessen", sagte Herrmann. "Es war eine tolle Erfahrung und tolles Teamwork. Eine lange Reise über mehrere Jahre ist heute zu Ende gegangen." Herrmann winkte den Menschen zu, die ihm auf Beibooten entgegen gefahren waren, darunter Prinz Albert. Mit seinem Team Malizia, darunter Pierre Casiraghi, gab es dann an Bord ein gemeinsames Bier.

Greta Thunberg und Hamburgs Politik-Prominenz gratulieren

Die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg gratulierte Herrmann: "Herzlichen Glückwunsch mein toller Freund, Boris Herrmann, unter den Top 5 das härteste Rennen der Welt zu beenden! Solo nonstop um die ganze Welt. Wir könnten nicht stolzer auf dich sein! Willkommen zuhause", twitterte die 18-Jährige, die der Hamburger im Spätsommer 2019 über den Atlantik nach New York gesegelt hatte.

"Weltklasse-Segeln für einen guten Zweck. Respekt für Ihre Leistung. Viele Grüße aus Hamburg, kommen Sie gut zurück nach Hause", schrieb Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD). Auch der Innen- und Sportsenator Andy Grote (SPD) würdigte die Leistung von Herrmann, der im Zielhafen die Hamburger Fahne schwenkte: "Die härteste Solo-Regatta der Welt Vendée Globe allen Widrigkeiten zum Trotz unter den ersten 5 zu beenden, ist eine herausragende Leistung! Wir sind stolz u. freuen uns auf Ihre Rückkehr nach Hamburg!"

Franzose Yannick Bestaven siegt

Le Cam war ebenso wie Herrmann an der Rettungsaktion für den schiffbrüchigen Kevin Escoffier beteiligt und hatte dafür eine Zeitgutschrift von 16:15 Stunden erhalten, die nach dem Zieldurchgang von der Gesamtzeit abgezogen wurde. Für Herrmann schlugen 6, für den Franzosen Yannick Bestaven, den Sieger der neunten Auflage, 10:15 Stunden zu Buche. Als Erster hatte am Mittwochabend Charlie Dalin ("Apivia") nach 50.000 Kilometern das Ziel erreicht, es folgte Louis Burton ("Bureau Vallée 2"). In der Endabrechnung belegen die beiden Franzosen Rang zwei und drei.

Keine Verletzten bei der Kollision

Der Zusammenstoß mit einem spanischen Fischtrawler war Herrmanns Verhängnis. Bei sehr günstigen Bedingungen hätte er sogar eine kleine Chance auf den Sieg gehabt. Warum Herrmanns bis dahin gut funktionierende Alarmsysteme versagten und ihn nicht rechtzeitig warnten, konnte er sich zunächst nicht erklären. Der Vorfall wird untersucht werden. Der Kapitän des Kutters hat alle Vorwürfe zurückgewiesen.

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Verletzte gab es bei der Kollision nicht, doch Herrmanns Boot wurde deutlich beschädigt, unter anderem am Bug und am Foil (Tragflügel). Ein Vorsegel verfing sich in den Kränen des Trawlers. Besonders kritisch sei gewesen, dass eine Leine riss, die den Mast seitlich gegen ein Umfallen sichert, teilte sein Team mit. Der Skipper habe in den Stunden nach der Kollision "fieberhaft" daran gearbeitet, das Boot fahrtüchtig zu halten. Mit deutlich reduzierter Geschwindigkeit setzte er seine Reise fort.

"Ich habe gekämpft wie ein Löwe"

"Vielleicht werde ich nie wieder so nah rankommen an so ein Podium? Ich habe gekämpft wie ein Löwe in den letzten Tagen", hatte Herrmann nach der Kollision gesagt. Letztlich überwog beim ersten deutschen Segler bei der Vendée Globe aber die Freude über eine grandiose Leistung, die dem Sport in Deutschland ungeahnte Popularität bescherte. In Les Sables-d'Olonne schloss Herrmann seine Frau und seine kleine Tochter glücklich in die Arme und genoss die obligatorische Champagnerdusche.

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Segler Boris Herrmann an Bord seines Bootes Seaexplorer © Pierre Bouras / Team Malizia

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Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 31.01.2021 | 23:35 Uhr

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