Stand: 30.06.2020 09:50 Uhr

Rittner fordert Verantwortung - Zverev macht offenbar Party

Tennis-Bundestrainerin Barbara Rittner sieht Veranstalter und Profis in der Pflicht, den durch die Adria-Tour entstandenen Imageschaden zu korrigieren. Dort hatten sich zuletzt mehrere Spieler mit dem Coronavirus infiziert. Alexander Zverev kündigte daraufhin eine freiwillige Quarantäne an - die nun jedoch offenbar vorzeitig auf einer Party endete.

Nur sechs Tage nach seiner Quarantäne-Ankündigung war Alexander Zverev, der im Zuge der Ereignisse bei der Adria-Tour nach eigenen Angaben negativ getestet worden war, in den sozialen Netzwerken feiernd in einem Video des Modedesigners Philipp Plein zu sehen. Die entsprechenden Szenen wurden mittlerweile gelöscht. Zverev äußerte sich bislang nicht. Barbara Rittner nahm die Szenen "leicht geschockt" zur Kenntnis. "Sind das wirklich Bilder von jetzt?", fragte sie etwas ungläubig: "Wenn es tatsächlich so ist, dann kratzt das ordentlich an seiner Glaubwürdigkeit. Ich sehe da kein Gefühl für Verantwortung oder seine Vorbildfunktion."

Harsche Kritik erntete Deutschlands bester Tennisspieler aus Hamburg auch von Nick Kyrgios. "Mann, wie egoistisch kannst du sein?", sagte der Australier in einem Video bei Instagram. Wenn Zverev schon eine Selbstisolation ankündige und sich entschuldige, solle er doch bitte für 14 Tage zu Hause bleiben: "Das kotzt mich an." Die Tenniswelt werde immer egoistischer.

Rittner: Nicht dumm mit Corona umgehen

Rittner hatte zuvor im NDR Sportclub ihre scharfe Kritik am Weltranglistenersten Novak Djokovic und dem laxen Umgang mit Hygienemaßnahmen bei der von ihm organisierten Adria-Tour erneuert. "Man kann immer wieder einen Fall haben, davor ist man nicht gefeit. Aber man muss es nicht provozieren oder dumm damit umgehen. Das wurde gemacht und wir müssen beweisen, dass die Tennis-Familie auch anders kann und wir sehr wohl verantwortungsbewusst sind", sagte Deutschlands Frauentennis-Chefin am Sonntag.

Rittner: "Unserer Tennis-Familie sehr geschadet"

Sportclub -

Tennis-Bundestrainerin Barbara Rittner ärgert sich über Novak Djokovic und sieht die kommenden Turniere in der Pflicht, den durch die Vorkommnisse bei der Adria-Tour entstandenen Imageschaden zu korrigieren.

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Djokovic habe dem Tennissport einen Bärendienst erweisen, betonte die 47-Jährige: "Es wird im Allgemeinen sehr schnell gesagt, 'Typisch die Tennisleute, arrogant, ignorant, verantwortungslos'. Das müssen jetzt andere wieder geraderücken, das müssen Turniere geraderücken, die jetzt kommen."

"Ich verurteile das zutiefst. Ich finde es absolut unverantwortlich, ignorant, bis hin zu dumm, respektlos. Die ganze Welt hat mit dem Coronavirus zu kämpfen, da wird von ein paar Tennisprofis einfach so getan, als würde es nicht existieren und uns alle nichts angehen." Barbara Rittner

Zverev muss sich in Berlin an die Regeln halten

Der Tennissport werde nach der "katastrophalen" Adria-Tour ohnehin "umso mehr geprüft und kritischer betrachtet", so die Turnierdirektorin der "Bett1Aces", die im Juli vor bis zu 1.000 Zuschauern in Berlin ihre Premiere feiern sollen: "Eins ist klar: Wir werden ganz, ganz strikte Vorschriften bekommen und uns auch zu 150 Prozent daran halten. Das sind Riesenplanungen, die da kommen. Wir sind uns der Verantwortung aber bewusst."

Sie gehe von einem Start von Zverev aus. "Wir werden ihn nicht ausschließen, aber er wird noch einmal getestet und sich dann in Isolation begeben und in Ruhe trainieren, hoffe ich", sagte Rittner: "Er muss sich bei uns an die Regeln halten." Man werde ihn in Berlin nicht mit Party-Bildern sehen. "Wenn er das tut, würden wir ihn ausschließen."

"Wir müssen beweisen, dass Tennis eine Sportart ist, die man gerade auch in Corona-Zeiten mit ein bisschen Verantwortungsgefühl sehr gut ausüben kann. Andere Sportarten - Kontaktsportarten - tun sich damit viel schwerer." Barbara Rittner

Rittner über US Open: "Geradezu absurd"

Dass die US Open trotz der Corona-Pandemie Ende August in New York stattfinden sollen, sieht die Bundestrainerin kritisch, auch wenn keine Zuschauer erlaubt sein werden: "Ich hätte mir gewünscht, dass das Turnier an einen anderen Ort verlegt wird, weil es ein absoluter Hotspot gewesen ist. Es ist für mich persönlich ein ganz komisches Gefühl, dorthin zu reisen und so zu tun, als sei nichts. Das finde ich geradezu absurd."

Entscheidung über Hamburger Turnier Mitte Juli

Weil das Grand-Slam-Turnier im "Big Apple" stattfinden soll, entscheidet die Spielerorganisation ATP über einen möglichen Nachholtermin der European Open in Hamburg voraussichtlich Mitte Juli. "Für uns war klar: Wenn die US Open mit einem umfangreichen Hygienekonzept an ihrem Ursprungsdatum festhalten, wird der Turnierkalender im September zu eng bis zum Nachholtermin der French Open (27. September - 11. Oktober, d.Red.)", sagte Turnierdirektorin Sandra Reichel: "Zwischen den beiden Grand Slams haben die Sandplatz-Mastersturniere von Rom und Madrid Vorrang."

Hamburgs Sandplatz-Klassiker der ATP-500er-Serie war ursprünglich vom 11. bis 19. Juli 2020 vorgesehen. Sollten die European Open in diesem Jahr nicht stattfinden können, sei zum Beispiel ein Einladungsturnier am Rothenbaum denkbar, so Reichel.

Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 28.06.2020 | 22:30 Uhr

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