Stand: 26.12.2019 13:18 Uhr

Michaels-Beerbaum: Mit 50 Jahren am Scheideweg

Springreiterin Meredith Michaels-Beerbaum mit ihrem Pferd Calle 67.

Sie gewann Gold bei den Weltreiterspielen und bei Europameisterschaften, mal mit der Mannschaft mal im Einzel, wurde CHIO-Siegerin, Weltcup-Gesamtsiegerin und Reiterin des Jahres, dazu holte sie Olympia-Bronze in Rio mit der deutschen Equipe: Meredith Michaels-Beerbaum aus Thedinghausen ist die erfolgreichste Springreiterin der Welt.

Am zweiten Weihnachtsfeiertag ist die gebürtige US-Amerikanerin, die kurz nach ihrer Hochzeit mit Markus Beerbaum 1998 die deutsche Staatsbürgerschaft annahm, 50 Jahre alt geworden. Und die 1,62 Meter große Powerfrau hat noch ambitionierte Ziele: "Ich will gerne weiter für Deutschland reiten. Noch einmal den Großen Preis von Aachen gewinnen, das wäre ein Traum." Doch die Jubilarin steht vor einer ungewissen Zukunft. Denn ins neue (Lebens-) Jahr startet Michaels-Beerbaum ohne ihre vier Top-Pferde.

Die Pferdesport-Familie: Besuch bei den Beerbaums

Hallo Niedersachsen -

Erfolg ist Familiensache: Der Name Beerbaum steht im Pferdesport für große Erfolge. Meredith Michaels-Beerbaum und ihr Mann Markus leben in Thedinghausen bei Bremen. Ein Besuch.

3,73 bei 15 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Eigentümer verkaufen Pferde - Pessoa profitiert

Diese haben die Eigentümer Jim und Kristy Clark nämlich vor ein paar Wochen verkauft. Auf dem Rücken von Cool Hand Luke, Calle, La Caramba und Carlito's Way, mit denen weitere Erfolge der Wahl-Niedersächsin möglich erschienen, reitet nun ein alter Konkurrent um Medaillen. Der 47-jährige Brasilianer Rodrigo Pessoa, 2004 Einzel-Olympiasieger von Athen, hat seinen Trainerposten beim irischen Verband quittiert und will selbst noch einmal durchstarten.

Michaels-Beerbaum zwischen Trauer und Dankbarkeit

Bild vergrößern
Meredith Michaels-Beerbaum geht in eine ungewisse Zukunft.

"Wir sind sehr traurig darüber, aber das ist Teil des Geschäfts", sagt Michaels-Beerbaum, die solche Verluste schon zuvor erlebt hat. Und ändern kann sie an der Entscheidung der Clarks nichts mehr, und eigentlich verspürt sie ja auch jede Menge Dankbarkeit. Schließlich versorgte das pferdebegeisterte Ehepaar aus den USA die Beerbaums über viele Jahre mit außergewöhnlichen Vierbeinern. Nicht zuletzt mit dem Schimmel Fibonacci, in dessen Sattel sie in Rio an der Seite ihres Schwagers Ludger Beerbaum, Daniel Deußer und Christian Ahlmann Mannschaftsbronze holte. Einst begann die damals 21 Jahre alten US-Amerikanerin bei Paul Schockemöhle, ritt später vor allem mit Shutterfly und Checkmate viele Jahre von Sieg zu Sieg und wurde unter dem Kürzel "MMB" zum großen Star der Szene. Nun nähert sich ihre bemerkenswerte Karriere schleichend dem Ende.

Eine Safari mit der Familie zum 50. Geburtstag

Vielleicht verbringt die Tochter eines Hollywood-Produzenten und einer US-Schauspielerin auch deshalb ihren Ehrentag fernab des Reit- und Ausbildungsstalls in Thedinghausen. Zusammen mit ihrem Ehemann und ihrer neun Jahre alten Tochter Brianne weilt sie zur Safari in Tansania. Vor allem "Löwen und Leoparde" will sie sehen - Kontrastprogramm zu ihren sonst so geliebten Reitpferden.

"MMB": "Habe dem Reitsport viel zu verdanken"

Doch es ist ein Abschied auf Raten. Michaels-Beerbaum jagte schon in den vergangenen Jahren nicht mehr jedem Pokal hinterher. Sie hat ihren Fokus verändert und neue Herausforderungen gefunden. So unterstützt die einst erste Frau in einer deutschen Olympia-Equipe mittlerweile die Special Olympics, engagiert sich für ein Kinderhospiz und arbeitet als Trainerin - auch für ihre Tochter. "Ich habe dem Reitsport viel zu verdanken, jetzt möchte ich gerne etwas zurückgeben", sagt "MMB". Trotz der Rückschläge schaut sie optimistisch ins Jahr 2020.

Dieses Thema im Programm:

Sport aktuell | 26.12.2019 | 09:25 Uhr