Sportevents in der Corona-Krise: Pilotprojekt macht Mut

Stand: 15.03.2021 09:48 Uhr

Keine Zuschauer, keine Atmosphäre, keine Einnahmen - trübe Aussichten für Sport-Veranstalter. Aber eine neue App und ein Hygienekonzept sorgen für einen Hoffnungsschimmer.

von Andreas Bellinger

Der lange Atem ist aufgebraucht. Während in den professionellen Sportligen der Wettbewerb trotz Corona-Pandemie in seiner eigenen Normalität vonstatten geht, träumen die Macher anderer Sportevents davon, den erzwungenen Stillstand endlich beenden zu können und ihre Veranstaltungen vor dem Untergang zu bewahren. Die Surfer an Nord- und Ostsee beispielsweise, die seit einem Jahr auf dem Trockenen sitzen. Im Mai wollen sie wieder über die Wellen tanzen - wenn es nach Organisator Matthias Regber geht. Der traditionelle Marathon in Hannover ist dagegen schon abgesagt. "Ohne Zuschauer geht es nicht", sagte Veranstalterin Stefanie Eichel im NDR Sportclub. Trübe Aussichten allenthalben?

Ein Projekt auf Bewährung

Ein Pilotprojekt in Rostock verspricht unterdessen, ein Hoffnungsschimmer zu werden. Vielleicht. Wenn die Landesregierung von Mecklenburg-Vorpommern ihr Okay gibt und der Inzidenzwert - entgegen dem derzeitigen bundesweiten Trend - auf besonders niedrigem Niveau bleibt, könnten beispielsweise im Fußballstadion von Hansa Rostock in Kürze maximal 1.000 Zuschauer Einlass finden oder rund 300 Basketball-Anhänger in der Halle des Zweitligisten Seawolves.

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Hansa-Fans mit Maske halten im Stadion ihre Schals hoch. © NDR Foto: picture alliance / Fotostand

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Ausgestattet mit einem PCR- oder Schnelltest, der nicht älter als 24 Stunden ist. Die schnelle Nachverfolgung möglicher Infektionen soll die jüngst entwickelte App "Luca" sicherstellen, deren Lizenz das Land Mecklenburg-Vorpommern gekauft hat. Auch ohne Handy mittels Schlüsselbundanhänger und QR-Code. Bewährt sich das Konzept, sollen die Zuschauerzahlen sukzessive erhöht werden.

OB Madsen: "Ein richtig gutes Konzept"

"Was wir hier vorhaben, hat keine wirtschaftlichen Aspekte", sagt Andre Jürgens. Es soll ein Weg sein, langsam der Normalität wieder näherzukommen. "Das Ganze vielleicht auch wissenschaftlich zu begleiten und Erkenntnisse zu sammeln", so der Geschäftsführer der Seawolves. "Die Vereine haben sich ein richtig gutes Konzept ausgedacht", sagte der parteilose Oberbürgermeister der Hansestadt, Claus Ruhe Madsen, dem NDR. Ein Pilotprojekt, das über die Grenzen des Nordens dem Sport, aber auch der Kultur auf die Sprünge helfen könnte.

DEL-Chef Tripcke: "Müssen mit dem Virus leben"

Die Deutsche Eishockey Liga (DEL) verfolgt ein anderes Konzept, um Vereinen wie den Grizzlys Wolfsburg zu ermöglichen, wieder vor Fans zu spielen. Ein sogenannter Tracker, der von den Zuschauern als Clip oder am Schlüsselband getragen wird, blinkt und beginnt zu piepen, falls sich jemand zu sehr nähert und Corona-Ansteckungsgefahr droht. "Corona wird uns weiter herausfordern. Wir müssen mit dem Virus leben", sagte DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke. Der mit dem Smartphone gekoppelte Mini-Sender sei "ein wichtiger Baustein", damit "perspektivisch wieder Eishockey vor Zuschauern stattfinden kann".

Reiter brauchen Zuschauer

Das Hamburger Spring- und Dressurderby hofft noch immer auf Zuschauer. Denn natürlich hat das für Ende August geplante Traditionsturnier in Hamburg-Klein Flottbek wie andere Veranstaltungen auch wirtschaftlich schwer zu knapsen unter den Restriktionen durch die Pandemie. Das Event steht zumindest auf der Kippe. Aber auch, weil ohne Besucher schlicht und einfach keine Atmosphäre aufkommt. "Wir brauchen die Zuschauer tatsächlich, um alle Bereiche wie die Ausstellung, den VIP-Bereich und so weiter zu bespielen", sagte Turnierchef Volker Wulff. Gut möglich durchaus, dass "Pulvermanns Grab" ein weiteres Jahr unfreiwillige Ruhe bekommt.

Rettungsanker für die Surfer

Die "Wellenreiter" denken derweil zweigleisig. "Wir müssen unsere Regatten auf Sicht planen", sagte Regber, der das Kitesurf Masters ebenso veranstaltet wie den Windsurf Cup: "Das Minimalziel realisieren und sich parallel die Option offenhalten, die Veranstaltung größer und schöner zu machen. Wenn es möglich ist."

"Wir wollen die Wettbewerbe über die Pandemie hinaus am Leben erhalten und unseren Sport wieder auf die Beine bringen." Matthias Regber

Wirtschaftliche Gesichtspunkte müssten in diesem Jahr hintenanstehen. Wie es scheint, sind wenigstens die geforderten Hygiene- und Abstandsregeln auf dem Wasser leichter zu befolgen.

Marathon braucht Ausdauer

Aufgeben ist für Stefanie Eichel selbstverständlich auch keine Option. Die von der Corona-Pandemie erzwungene Pause in diesem Jahr sei für die sogenannte "laufende Bühne" alternativlos. Hannovers Traditions-Event sei "ein Stadtfest, ein Erlebnis-Marathon". Aber wie sollte das gehen, ohne Zuschauer, die sich und alle Athleten feiern? Dabei ginge es nicht einmal vordergründig um das Geld, das die Besucher möglicherweise ausgeben oder - um im Bild zu bleiben - an der Strecke lassen. "Marathon ist eine Ausdauersportart - das lernen wir gerade", so Eichel mit einem Hauch von Ironie. "Es ist einfach unser Herzensprojekt."

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