Stand: 14.09.2018 08:50 Uhr

Ruder-Achter: "Wollen und müssen den WM-Titel holen"

Siegesgewiss: Der Deutschland-Achter peilt bei der WM die Titelverteidigung an.

Alles oder nichts! Bei der Ruder-WM im bulgarischen Plowdiw zählt für den Deutschland-Achter nur die Goldmedaille. Für das Flaggschiff des Deutschen Ruderverbandes (DRV) steht am Sonntag (12.15 Uhr) das Finale an - und die Erwartungen sind wie immer riesig. Während das deutsche Boot seinen Vorlauf souverän und kontrolliert gewann, ruderten die USA im Kopf-an-Kopf-Rennen mit Australien eine WM-Rekordzeit. Die Konkurrenz hat es also in sich. Im Interview mit NDR.de sprechen Schlagmann Hannes Ocik aus Schwerin und der Hamburger Torben Johannesen über den Druck, den Umgang mit den unerwarteten Rückschlägen in dieser Saison und die eigene Stärke.

Hannes Ocik und Torben Johannesen, Sie stehen kurz vor dem wichtigsten Rennen der Saison. Lassen Sie uns teilhaben, was geht in Ihnen vor?

Hannes Ocik: Wir haben die Saison bisher ganz gut absolviert - und unterschiedliche Situationen gemeistert. Wir standen in Linz im Hoffnungslauf mit dem Rücken zur Wand und haben auch in Luzern und Glasgow dem Druck standgehalten. Ich merke schon, dass wir uns Selbstbewusstsein erarbeitet haben. Deshalb bin ich ganz optimistisch für das WM-Finale.

Torben Johannesen: Die USA haben in ihrem Vorlauf eine sehr ordentliche Leistung gezeigt - und konnten es sich erlauben, sogar zwei Vize-Weltmeister nicht mit ins Boot zu nehmen. Die Zeiten lassen sich bei einer Outdoor-Sportart wie unserer nicht vergleichen. Aber ich freue mich auf das Finale. Das wird ein heißer Lauf und sicher spannend.

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Deutschland gewann seinen WM-Vorlauf sehr souverän.

Sie sprechen die Bedingungen in Plowdiw an. Zuletzt wurden wegen des starken Windes und Wellengangs sogar Rennen abgesagt.

Johannesen: Die Bedingungen waren am Mittwoch wegen des wechselnden Windes schon unfair.

Ocik: In den fünf, sechs Minuten zwischen den Rennen kann sich schon einiges verändern - bei 2.000 Metern sprechen wir über zwei, drei Sekunden Unterschied. Aber im Finale müssen dann alle mit denselben Bedingungen klarkommen.

Sie sind gemeinsam mit dem ganzen deutschen Team nach Bulgarien gereist. Bis zu ihrem Vorlauf am Mittwoch mussten Sie lange warten. Wie sind Sie damit umgegangen?

Johannesen: Eine Woche zu warten, war schon sehr lang. Das ist sicher nicht ganz optimal. Hinzukommt, dass eine Zwei-Kilometer-Strecke für das Training im Achter eigentlich nicht ausreicht. Aber wir versuchen, das Beste draus zu machen und arbeiten an unserer Schnelligkeit.

Noch nie hat ein Achter in derselben Besetzung zweimal hintereinander den WM-Titel gewonnen. Ein schlechtes Omen für Sie - oder Ansporn?

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Ocik: Das tangiert uns jetzt nicht so krass. Wir sitzen wieder gemeinsam im Boot, weil der Bundestrainer es so entschieden hat. Solche Statistiken sind Randaspekte. Am Ende interessiert uns nur das Ergebnis. Wir ziehen das jetzt durch!

Sie haben in dieser Saison die drei Weltcups und die European Championships gewonnen. Aber was wäre diese stolze Bilanz ohne den WM-Sieg noch wert?

Ocik: Sollten wir das Finale nicht gewinnen, müssten wir genau schauen, woran es gelegen hat. Wenn die Amerikaner oder Australier einfach besser waren, obwohl wir das Maximum aus uns herausgeholt haben, dann müssen wir das akzeptieren. Das ist Leistungssport. Aber natürlich schwebt die WM noch über den drei Weltcups und Glasgow. Wir messen uns nur am WM-Titel, der entscheidet über die Saison.

Johannesen: Die Weltcups und die EM waren nur Zwischenschritte. Wir wollen und müssen hier in Plowdiw den Titel holen. Die ganze Saison ist auf dieses Rennen ausgelegt. Wir sind jetzt topfit, auf unserem Leistungshöhepunkt.

Und nach diesem Lauf fällt dann die ganze Last von Ihnen ab?

Ocik: Ja, das wird schon so sein. Wobei wir ja eine Woche später noch den Kanal-Cup auf dem Zettel haben. Aber danach haben wir vier Wochen Urlaub - und ich freue mich schon sehr darauf. Meine Großeltern habe ich jetzt über ein Jahr nicht mehr gesehen. Mit meiner Freundin fliege ich nach Kuba. Die Zeit ist wichtig, um den Kopf freizubekommen und danach neu angreifen zu können.

Herr Johannesen, im Finale könnten Sie Ihrem Spitznamen "Torboboost" noch mal gerecht werden.

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Hannes Ocik (l.) und Torben Johannesen gehen selbstbewusst ins Finale.

Johannesen: Ach, den kennt hier eigentlich gar keiner. Nur in Hamburg nennt mich noch der eine oder andere so.

Ist ihr Spitzname etwa doch "Prinzessin", wie Hannes Ocik zuletzt der "Sport Bild" erzählt hat?

Johannesen: Das hat man nun davon, wenn man sich mal für das Team einsetzt... (Anm.d.Red.: Johannesen bat um ein früheres Training, um den hohen Temperaturen zu entgehen)

Ocik (lacht): Torben ist bei uns der Jüngste und darf deshalb auch mal die Prinzessin raushängen lassen.

Sie haben zu Beginn die Weltcups in Linz und Luzern angesprochen: Nach dem tollen Jahr 2017 ohne Niederlage, mussten Sie auf einmal mit Rückschlägen zurechtkommen. Wie haben Sie die weggesteckt?

Ocik: Ich glaube, dass wir aus den Situationen stärker hervorgegangen sind. Solche Erfahrungen kann man nur machen, wenn man ein schwächeres Rennen hatte. Wir versuchen sowieso immer, das Positive aus den Ereignissen mitzunehmen. Aber nach Rückschlägen gilt es auch immer, Konsequenzen zu ziehen, um besser zu werden.

Johannesen: Auf einmal standen wir im Hoffnungslauf und sind auch da nur Zweiter geworden. Dafür haben wir dann aber das Finale gewonnen. Wir wissen jetzt, dass wir mit jeder Situation umgehen können.

Das Interview führte Florian Neuhauss, NDR.de

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Dieses Thema im Programm:

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