Stand: 27.01.2014 15:15 Uhr Archiv

Peiffer: Ein Harzer erobert die Biathlon-Welt

von Matthias Heidrich, NDR.de
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"Auf der Strecke bin ich technisch sicher nicht der Stärkste. Daran muss ich weiter arbeiten", sagt Arnd Peiffer über sich.

Böse Zungen könnten behaupten, Arnd Peiffer habe seinen Durchbruch seinem Dickschädel zu verdanken. Der jedenfalls ist Ende 2008 zu hart für die Nase seines Teamkollegen Christoph Stephan. Beide Biathleten stoßen bei einem Fußballspiel mit den Köpfen zusammen. Stephan trägt einen Nasenbeinbruch davon, muss operiert werden und kann zwei Wochen später beim Weltcup in Oberhof nicht in der Staffel starten. Peiffer springt ein, bringt die deutsche Mannschaft als dritter Läufer vorübergehend sogar in Führung und feiert am Ende bei seinem Weltcup-Debüt einen dritten Platz. Mit Rang acht im Sprint, für den der damals 21 Jahre alte Nachwuchsathlet aus Clausthal-Zellerfeld im Oberharz ohnehin vorgesehen war, schafft er auf Anhieb die WM-Qualifikation. Ein neuer Stern am deutschen Biathlon-Himmel war aufgegangen, der im März 2011 in voller Pracht erstrahlt, als Peiffer im russischen Chanty-Mansijsk Weltmeister im Sprint wird.

"Arnd war schon als Zwölfjähriger unheimlich ehrgeizig"

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Neben der Ausbildung zum Polizeimeister hat Peiffer noch ein Studium zum Wirtschaftsingenieur begonnen.

Peiffers Aufstieg aus dem nicht gerade als Wintersport-Hochburg bekannten Norden in die Biathlon-Weltelite kam für manchen Experten überraschend. Schließlich entschied er sich erst 2008, das Trainingszentrum im heimischen Harz gegen die Biathlon-Eliteschule in Oberhof einzutauschen. Auch auf Anraten seines langjährigen Trainers Frank Spengler, der erkannte, dass Peiffer in Clausthal-Zellerfeld ohne adäquate Trainingspartner keine Zukunft hatte. Er sollte Recht behalten. Spengler fiel Peiffers Potenzial sofort auf, als sich der damals Neunjährige seiner zwei Jahre älteren Schwester Henrike anschloss. Die war der Kombination aus Skilanglauf und Schießen bereits verfallen. Die läppischen fünf Minuten Entfernung vom Elternhaus zum Landesleistungszentrum in Clausthal-Zellerfeld taten ihr Übriges. "Arnd war schon als Zwölfjähriger unheimlich ehrgeizig, hat immer noch eine Runde mehr gedreht als manch anderer und auch nach dem Training versucht, kleine Fehler beim Schießen auszubügeln", erinnerte sich WSV-Biathlon-Sportwart Claus Metje. Erste Erfolge ließen nicht lange auf sich warten, wie zum Beispiel der Sieg bei der deutschen Schülermeisterschaft der Altersklasse 15.

Weltmeister mit der Mixed-Staffel

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Mit der Männer- und der Mixed-Staffel gewinnt Peiffer (l.) 2009 jeweils WM-Bronze.

Nach dem Abitur 2006 und einem freiwilligen sozialen Jahr entschied sich Peiffer, sein Leben komplett auf den Leistungssport auszurichten. Er nutzte ein spezielles Angebot des Bundesinnenministeriums und lässt sich zum Polizeimeister ausbilden. Von April bis August lernt Peiffer an der Bundespolizeischule in Bad Endorf am Chiemsee, im Winter kann er sich auf den Sport konzentrieren. Zudem nahm der Harzer ein Studium zum Wirtschaftsingenieur an der Technischen Universität Clausthal auf. Ebenso zielstrebig geht der Harzer seinen Weg in der Loipe. Nach dem gelungenen Weltcup-Debüt holte Peiffer bei den Weltmeisterschaften 2009 in südkoreanischen Pyeongchang mit der Männer- und der Mixed-Staffel jeweils Bronze. Eine WM-Medaille im ersten Weltcup-Jahr hatte seit Biathlon-Ikone Sven Fischer kein Deutscher mehr erreicht. Seinen kometenhaften Aufstieg in die Weltelite krönte Peiffer im März desselben Jahres mit seinem ersten Sprint-Sieg beim Weltcup in Chanty-Mansijsk. Auf seiner Lieblingsstrecke gewann der bodenständige Norddeutsche auch seinen ersten WM-Titel, bei der Mixed-Staffel-Weltmeisterschaft 2010.

Stoische Ruhe am Schießstand

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Beim Schießen hat Peiffer immer beide Augen geöffnet.

Beeindruckend an Peiffers Auftritten ist die stoische Ruhe, vor allem am Schießstand. Frenetische Zuschauer bringen den 24-Jährigen nicht aus dem Gleichgewicht. Er scheint trotz seines jungen Alters alles im Griff zu haben - und im Blick, im wahrsten Sinne des Wortes. Denn beim Zielen behält Peiffer als einziger im deutschen Team beide Augen offen. Das linke blickt dabei mehr oder weniger ins Leere, das rechte fixiert die Scheiben und ermöglicht Peiffer so seine überragende Zielgenauigkeit. Eine Selbstverständlichkeit ist das nicht, das weiß der selbstkritische Peiffer selbst am besten: "Das Schießen musst du dir jedes Jahr aufs Neue erarbeiten. Und auf der Strecke bin ich technisch sicher auch nicht der Stärkste. Daran muss ich weiter arbeiten."

Enttäuschung in Vancouver - WM-Titel in Chanty-Mansijsk

Dass sich der Niedersachse nicht auf seinen frühen Erfolgen ausruht und auch mit Rückschlagen umgehen kann, hat er bewiesen. Bei den Olympischen Winterspielen in Vancouver 2010 ging Peiffer leer aus, obwohl er sich viel vorgenommen hatte. Doch in der folgenden Saison kam er eindrucksvoll zurück. Und wo sonst als auf seiner Lieblingsstrecke in Chanty-Mansijsk hätte Peiffer seiner noch jungen Karriere die Krone aufsetzen können - mit dem ersten WM-Titel im Einzel.

Steckbrief Arnd Peiffer
Geburtstag:18. März 1987
Geburtsort:Wolfenbüttel
Größe:1,85 m
Gewicht:82 kg
Beruf:Polizeimeisteranwärter/Student
Verein:WSV Claustahl-Zellerfeld
Trainer:Franz Bernreiter, Mark Kirchner
Erfolge:Junioren-WM 2008 in Ruhpolding: Bronze Sprint und Staffel
WM 2009 in Pyeongchang: Bronze Staffel und Mixed-Staffel
WM 2010 in Chanty-Mansijsk: Gold Mixed-Staffel
WM 2011 in Chanty-Mansijsk: Silber Mixed-Staffel, Gold Sprint
WM 2012 in Ruhpolding: Bronze Staffel und Mixed-Staffel
WM 2013 in Nove Mesto: Bronze Staffel
9 Weltcupsiege (6 Einzel, 3 Staffel)

Dieses Thema im Programm:

Sport aktuell | 27.01.2014 | 15:25 Uhr