Stand: 22.01.2019 10:40 Uhr

Maura Porrmann hat den richtigen Dreh raus

von Hanno Bode, NDR.de

Maura Porrmann ist eine Frau mit vielen Gesichtern. Ihren Lebensunterhalt bestreitet die Wahl-Hamburgerin als Musikerin. Zudem studiert sie Psychologie. Den ganz besonderen "Kick" findet sie aber anderswo: beim Tischfußball.

Vor sechs Jahren machte Maura Porrmann in ihrer Wahlheimat Hamburg mit einigen Freunden einen kleinen Zug durch die Gemeinde. Einfach ein wenig die Gedanken schweifen lassen, quatschen, Musik hören und etwas trinken - so war der Plan. Sehr wahrscheinlich wäre der gebürtigen Ostwestfälin der Kneipenbummel auch gar nicht groß in Erinnerung geblieben, hätte sie wie ihre Bekannten in einer der Pinten eine flotte Sohle aufs Parkett gelegt. Weil Porrmann aber keine Lust hatte, das Tanzbein zu schwingen, kickerte sie ein wenig mit anderen Gästen. Aus dem netten Zeitvertreib in bierseliger Atmosphäre wurde rasch eine Passion, die sie zwischenzeitlich bis auf Rang eins der Tischfußball-Weltrangliste führte. Ein Leben ohne das Spiel mit den an Stangen befestigten Figuren? Für die 28-Jährige längst unvorstellbar.

Die deutsche Tischfußball-Nationalspielerin Maura Porrmann bei der WM 2017 in Hamburg © Witters Foto: Tim Groothuis

Tischkickerin Porrmann: "Wir sind alle Nerds"

Sportclub -

Maura Porrmann ist eine der besten Tischfußball-Spielerinnen Deutschlands. Im Sportclub erzählt die Hamburgerin über die Faszination ihrer Sportart und warum sie und ihre Mitstreiter alle Nerds sind.

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Drei Final-Teilnahmen bei Rekord-DM

"Es ist ein Hobby, das ich mit sehr, sehr großer Leidenschaft ausführe", sagte Porrmann im NDR Sportclub. Bis zu 15 Stunden wöchentlich trainiert sie, wenn Großereignisse wie am vergangenen Wochenende anstehen, als in Hamburg die deutschen Tischfußball-Meister ermittelt wurden. 2.250 Spieler kämpften über drei Tage im Terminal Tango des Flughafens an 378 Tischen um Punkte und Tore. Das bedeutete einen Teilnehmer-Weltrekord. Die alte Bestmarke lag bei 1.926 Aktiven. Porrmann nutzte dabei ihren "Heimvorteil". An der Seite von Cornelius Kniepert gewann sie den Mixed-Wettbewerb und qualifizierte sich dadurch für die Weltmeisterschaft im Juli im spanischen Murcia. Auch im Damen-Einzel sowie im Doppel mit Sandra Ranff zog die 28-Jährige ins Finale ein, verlor aber jeweils. Dennoch überwog bei ihr die Freude: "Es hätte natürlich noch besser sein können, aber es war trotzdem wunderschön."

Von Fremden zum Glück gezwungen

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Maura Porrmann (r.) beim Tischfußball.

Porrmanns Augen glänzen, wenn sie von ihrem Sport spricht. Es ist ihr anzusehen und aus jedem ihrer Sätze herauszuhören, wie sehr sie vom Tischfußball gefesselt ist. Dabei musste die Europameisterin von 2016 an jenem Abend, an dem sie erstmals mit dem Spiel in Berührung kam, zu ihrem Glück gezwungen werden. "Ich wurde angesprochen, ob ich das nicht richtig lernen möchte. Das wollte ich nicht, weil ich dachte, ich bin sehr gut. Und dann wurde ich zu einem Training gelotst, die haben mich da alle auseinandergenommen. Danach wollte ich das auch machen - und besser machen", erzählte die 28-Jährige. Das gelang. Nach unzähligen Übungsstunden und Partien, die zu Beginn ihrer Karriere häufig für sie Lehrstunden waren, gelang Porrmann 2016 mit elf Turniersiegen der große Durchbruch. Als Weltranglistenerste qualifizierte sie sich für die WM 2017 in Hamburg. Dass sie dort bereits in der zweiten Runde gegen die Russin Natalia Chusova den Kürzeren zog, tat ihrer Begeisterung für das zeitaufwendige Hobby keinen Abbruch.

WM-Titel? "Spiele um des Spielens willen"

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Sportclub

Maura Porrmann: Norddeutschlands beste Tischkickerin

20.01.2019 22:50 Uhr
Sportclub

Im Finale der deutschen Meisterschaften zog Maura Porrmann den Kürzeren, trotzdem ist die Hamburgerin noch Norddeutschlands beste Tischkickerin - fingerfertig beim Tischfußball und auch an der Gitarre. Video (02:57 min)

"Ich spiele um des Spielens willen. Ich brauche nicht zwangsweise diesen Titel", erklärte Porrmann. Für sie liege der Reiz des Kickerns in der "Kombination aus mentaler Stärke und den körperlichen Fähigkeiten und Fertigkeiten, die jede Sportart mit sich bringt". Die mentale Stärke habe dabei "eine viel größere Dominanz" und das sei für sie "ein faszinierender Anteil daran", sagte Porrmann. Die Vor- und Nachbereitung ihrer Spiele sind der 28-Jährigen dabei genau so wichtig wie das Training: "Ich habe Spaß daran, mir Videos anzugucken, die Analyse zu machen, mich auch mit meinem Trainingspartner auszutauschen. Die ganze Ebene, die man gar nicht sieht am Tisch, die finde ich so spannend und faszinierend, dass ich dafür auch viel Zeit investiere." Porrmann gibt in Anbetracht des enorm hohen Aufwands, den sie für ihr Hobby betreibt, offen zu: "Wenn man sich stundenlang an einen Tisch stellt und die gleichen Sachen macht, ist das schon sehr nerdig. Ich bin ein Nerd."

Musik als berufliches Standbein

Wer nun aber denkt, das Leben der 28-Jährigen würde sich seit jenem "verhängnisvollen" Kneipenbesuch ausschließlich um Tischfußball drehen, der irrt gewaltig. Zum einen, weil sie mit dem Spiel ihren Lebensunterhalt nicht bestreiten könnte. Zum anderen würde sie nie ihre zweite große Leidenschaft für den Sport aufgeben: "Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum. Das ist ein Zitat, das ich sehr treffend finde. Ich kann mir ein Leben ohne Musik nicht vorstellen." Gemeinsam mit Hannah Silberbach bildet sie das kabarettistische Pop-Duo "Lieblingsfarbe Schokolade" und gibt seit 2014 regelmäßig bundesweit Konzerte. Die Künstlerinnen sind längst mehr als ein Geheim-Tipp. "Kluge und lustige Texte machen viele. Gut singen können auch viele. Mit ihrem nuancenreichen und perfekt harmonierenden Duettgesang sind Lieblingsfarbe Schokolade jedoch absolut einzigartig", schrieb beispielsweise die "Neue Westfälische".

Das Psychologie-Studium hilft beim Kickern

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Mental stark: Maura Porrmann.

Kennengelernt hatten sich beide während ihrer gemeinsamen Zeit an der Hamburg School of Music. Klavier, Gitarre und Gesang standen für Porrmann, die staatlich anerkannte Berufsmusikerin im Bereich der Populärmusik ist, auf dem Lehrplan. Dinge, die man nicht unbedingt mit dem Tischfußball in Verbindung bringt. Doch Porrmann klärte im Sportclub auf: "Es kommt mir schon zugute, dass ich von Anfang an gelernt habe, meine Hände gleichzeitig, aber unterschiedlich einzusetzen." Dass sie später noch ein Studium der Psychologie aufnahm, half ihr in schwierigen Partien ebenfalls häufig weiter: "Die mentale Stärke kam mit der Zeit, sie war nicht von Anfang an so gegeben."

"Bin süchtig nach der Geschwindigkeit"

Apropos Anfang: Wie hätte sich wohl das Leben von Maura Porrmann entwickelt, wenn an jenem Abend die Schankwirtschaft mit dem Kickertisch im Nebenraum geschlossen gewesen wäre? Oder sie das Tanzbein geschwungen hätte, statt sich einen anderen Zeitvertreib zu suchen? Die 28-Jährige hätte vielleicht nie einen Zugang zu dem Spiel gefunden, von dem sie heute sagt: "Ich bin süchtig nach der Geschwindigkeit und dem Knallgeräusch beim Fall des Tores."

Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 20.01.2019 | 22:50 Uhr

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