Stand: 20.09.2019 08:56 Uhr

Hungrige "Löwen": Neues Team mit alten Zielen

von Andreas Bellinger, NDR.de

Der Blick zurück ist bei den Löwen Braunschweig vorerst verboten. Mit neuem Trainer und gravierend verändertem Kader wollen sich die Niedersachsen nicht auf den Lorbeeren der vergangenen Saison ausruhen. Mit bewährten Tugenden und nicht minder hungrig auf Erfolg wollen sie erneut die Play-offs erreichen. Hauptgesellschafter und NBA-Star Dennis Schröder ist jedoch nicht mit allen Veränderungen einverstanden. Der Teamcheck:

So lief die vorige Saison:

Nach sieben Jahren Abstinenz schafften die Löwen erstmals wieder die Qualifikation für die Play-offs. Dass es nur zu einer Runde reichte, war Pech. Genau genommen hätte es nicht schlimmer kommen können. Denn erster Gegner in der sogenannten Post-Season war Titelverteidiger Bayern München, dem die Braunschweiger nach eigener Einschätzung allerdings auf Augenhöhe begegneten und das Weiterkommen ziemlich schwer machten. Einen Sieg konnte die Mannschaft ihrem scheidenden Trainer Frank Menz zum Abschied aber nicht schenken.

"Wir sind natürlich sehr zufrieden mit der vergangenen Saison. Der Erfolg und die Spielart haben einen Enthusiasmus und eine Euphorie entfacht, die wir unbedingt mitnehmen und aufrechterhalten wollen", sagt Sebastian Schmidt NDR.de. Doch der Geschäftsführer der Basketball Löwen bremst sogleich: "Wir wollen nicht weiter zurück, sondern nur noch nach vorne blicken."

Wer kommt, wer geht?

Scott Eatherton hat seinen Vertrag verlängert und bleibt mindestens noch seine dritte Spielzeit in Braunschweig. Der Allstar-Center aus den USA sowie Kapitän Thomas Klepeisz sind Fixpunkte des Teams, dessen Gesicht sich gravierend verändert hat. Dagegen haben neben den Leistungsträgern DeAndre Lansdowne und Christian Sengfelder auch BJ Blake, Joe Rahon, Shaquille Hines sowie Bazoumana Koné, Dejan Kovacevic, Dennis Nawrocki und Luis Figge die Löwen verlassen. Kurzfristig und ohne Angabe von Gründen hat sich der Club zudem vom 21-jährigen Amerikaner Sacha Killeya-Jones getrennt. Auch der erst wenige Wochen zuvor verpflichtete Gage Davis musste die Löwen wieder verlassen.

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"Dass wir die Leistungsträger Klepeisz und Eatherton halten konnten, ist ein Schritt in die richtige Richtung", sagt Schmidt. "In Nationalspieler Karim Jallow und Lukas Wank haben wir Top-Talente hinzubekommen." Darüber hinaus haben sich die deutschen Nachwuchsspieler Kostja Mushidi und Garai Zeeb den Braunschweiger Basketballern angeschlossen. Hinzu kommen die in der Bundesliga erfahrenen Aleksandar Marelja - der Serbe kommt vom Mitteldeutschen BC - sowie die US-Amerikaner Joseph Lawson III, Forward Henry Pwono und Trevor Releford. "Ingesamt bin ich davon überzeugt", so Schmidt, "dass wir in der Breite deutlich besser aufgestellt sind als noch in der vergangenen Saison."

Der Trainer:

Nach dem erfolgreichen Jahr unter Frank Menz, der künftig BBL-Absteiger Science City Jena betreuen wird, steht der neue Headcoach Pete Strobl einigermaßen unter Druck. Der US-Trainer, der auch einen österreichischen Pass hat, soll nicht nur die Entwicklung der jungen Spieler fördern, sondern auch die erfolgreiche Philosophie seines Vorgängers fortführen. "Wir bauen etwas auf und pflanzen die Samen für einen langfristigen Erfolg", sagt Strobl, der seit 2016 Assistenztrainer bei ratiopharm Ulm war und an neuer Wirkungsstätte eine "spannende und aufregende Zeit" erwartet.

"Grundsätzlich steht bei mir die Verteidigung ganz weit oben", sagt der 2,06 Meter große Strobl, der in Frankreich, Österreich, Schweiz und Deutschland (TV Lich) gespielt hat. "Priorität aber hat, dass wir immer wie verrückt um jeden Ball, um jeden Rebound und um jede Chance kämpfen." Der 41-Jährige erfüllt somit perfekt die Vorgaben des Vereins bei der Suche nach einem Menz-Nachfolger. Schmidt: "Zudem ist er überaus kommunikativ, was uns auf allen Ebenen hilft."

Ausblick auf die Saison:

Für Trainer Strobl ist es eine besondere Herausforderung, aus dem erheblich veränderten Kader eine spielstarke und harmonische Einheit zu bilden. Dabei dürfte viel davon abhängen, wie sich die Charaktere ergänzen. Störfeuer wie nach der Entlassung von Co-Trainer Liviu Calin, die Dennis Schröder aus der Ferne als "Schande" bezeichnete, dürften dabei wenig förderlich sein. Bei allem Ärger über das Ende der Zusammenarbeit mit seinem Entdecker sollte Geldgeber Schröder der Erfolg des Teams mehr wert sein, als das Androhen irgendwelcher Konsequenzen.

"Wir sind uns natürlich darüber im Klaren, dass es kein Selbstläufer wird, sondern nur durch harte Arbeit erreicht werden kann", sagt Schmidt über das Ziel Play-offs. "Vom Talent her können wir eine richtig gute Saison spielen. Allerdings müssen für unser Ziel auch alle Mechanismen greifen, die Teamchemie stimmen, die Spieler sich so entwickeln, wie man sich das vorstellt und vor allem - wir müssen verletzungsfrei bleiben." Zumal die kommende Saison, die am 25. September mit dem Auswärtsspiel bei der BG Göttingen beginnt, im Kampf um die Plätze hinter den Topclubs ausgesprochen spannend und ausgeglichen werden dürfte. Dennoch: Die Play-offs könnten für die Löwen Braunschweig drin sein.

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Sport aktuell | 19.09.2019 | 06:25 Uhr