Novak Djokovic © IMAGO / GEPA pictures

Kommentar: Djokovic hat als Vorbild versagt

Stand: 06.01.2022 16:58 Uhr

Der Fall Novak Djokovic schlägt hohe Wellen. Der offenbar gegen Corona ungeimpfte Serbe wollte mit einer Ausnahmeregelung bei den Australian Open starten, ihm wurde jedoch die Einreise nach Melbourne verweigert.

Ein Kommentar von Alexander Kobs

Er mag momentan der beste Tennisspieler der Welt sein, doch mit seinem aktuellen Vorgehen hat Novak Djokovic als Vorbild versagt. Sportlich eine Eins plus, charakterlich stark versetzungsgefährdet. Dem bekennenden Impf-Skeptiker wurde die Einreise nach Australien verwehrt. Seine Titelverteidigung bei den Australian Open ist damit in weite Ferne gerückt. Der Serbe scheitert an den klaren Einreisebestimmungen in Down Under: Und das ist gut so.

Keine Extrawurst für die Nummer eins der Tennis-Welt: Schon im Vorfeld gab es laute Proteste, dass der offensichtlich ungeimpfte Djokovic mit einer medizinischen Ausnahmegenehmigung ins Land gelassen werden soll. Ein Schlag ins Gesicht aller Australier, die in den vergangenen anderthalb Jahren harte Corona-Beschränkungen über sich ergehen haben lassen.

Aufschrei gegen Sonderbehandlung für Djokovic

Australien war eine Festung. Familien wurden für diese Zeit auseinandergerissen, selbst zu Beerdigungen eines Familienmitglieds durfte nicht eingereist werden. Hinter Melbourne, dem Austragungsort der Australian Open, liegen sechs Lockdowns, so viele gab es weltweit nirgendwo anders. Der laute Aufschrei in der Bevölkerung über Djokovics Sonderbehandlung ist daher komplett nachvollziehbar.

Djokovics Plan, mit einer medizinischen Ausnahmegenehmigung einzureisen, ist gehörig schiefgegangen. Die von einem unabhängigen Expertengremium ausgestellten Dokumente gelten anscheinend nur für das Turnier, nicht aber für die Einreise nach Australien. Eine kuriose Situation, in der Djokovic nicht der alleinige Täter ist, sondern auch Opfer. Opfer im Wirrwarr der Zuständigkeiten.

Wer sich nicht impfen lässt, bekommt Probleme

Und dennoch - das sage ich deutlich - ist die Situation selbstverschuldet. Denn wenn man sich nicht impfen lassen will, dann kann man Probleme bekommen. Das wusste auch der Serbe seit mehreren Monaten.

Doch anstatt sich nun den Maßnahmen der Regierung zu beugen, geht Djokovic juristisch gegen die Entscheidung vor. Das ist sein gutes Recht, genauso wie sich nicht impfen zu lassen. Trotzdem fehlt ihm das Feingefühl in seinen Entscheidungen - vor allem den Australiern gegenüber.

Mit dem Schritt, seine Einreise gerichtlich zu erzwingen, wird er dort endgültig zur Persona non grata. Sollte er am Ende doch spielen, ist ihm der Zorn des Publikums gewiss. Djokovic sollte es gut sein lassen, doch der "Djoker" hat sich schon immer wohl gefühlt in der Haut des Bösewichts. Daher habe ich kein Mitleid.

Vielleicht ist er die Nummer eins der Tennis-Welt, ein wahrer Champion ist er für mich nicht. Denn ein echter Champion hätte Anstand, würde Regeln akzeptieren und nach Hause fliegen.

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Dieses Thema im Programm:

Sport aktuell | 06.01.2022 | 17:17 Uhr

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