Kirsten Bruhn beim Segeln.

Kirsten Bruhn: Raus aus dem Wasser, rein ins Boot

Stand: 13.10.2020 16:15 Uhr

Kirsten Bruhn, dreimalige Paralympics-Goldmedaillengewinnerin im Schwimmen, hat an der Inklusions-WM im Segeln in Hamburg teilgenommen. Die Lernende im Boot fasst den Start als Ehre auf.

von Christian Görtzen

Die Zuordnung von Luv und Lee hat Bruhn längst raus. Auch die Begriffe Krängen, Fieren und Reffen sind für sie kein Segler-Latein mehr. Aber natürlich, das räumt die gebürtige Eutinerin freimütig ein, sei sie trotz spürbarer Fortschritte in ihrem neuen Sport weiterhin eine demütig Lernende. "Die Begrifflichkeiten sind nicht mehr ganz so neu für mich. Aber ich habe längst noch nicht alle drauf. Und ich würde auch nicht sagen, dass ich jetzt segeln könnte. Davon bin ich noch ganz weit entfernt", sagte die 50-Jährige, die eine der bekanntesten und erfolgreichsten Aktiven im deutschen Behindertensport ist, dem NDR.

Einige Sportarten ausprobiert - Segeln ist es geworden

Nach ihrer überaus erfolgreichen Karriere im Schwimmen probierte sich Bruhn, die nach einem Motorradunfall mit Anfang 20 inkomplett querschnittsgelähmt ist, im Wake- und Kiteboarding sowie im Tauchen aus. Der Segelsport ist es schließlich geworden - und diese Entscheidung hat ihr eine Teilnahme an der ersten Inklusions-WM beschert. Sie nahm zusammen mit dem erfahrenen Skipper Volker Ernst an der Premieren-Veranstaltung auf der Außenalster in Hamburg teil. In dieser Disziplin sitzen Menschen mit und ohne Behinderung als Zweierteams zusammen in einem speziell dafür gefertigten Inklusionssegelboot, das sich zwar auf die Seite legen, aber nicht kentern kann. "Ganz entscheidend ist, dass wir in einem Sitz sitzen, was normalerweise beim Segeln nicht der Fall ist. Wir können uns auch angurten und die Füße fixieren", erklärte Bruhn.

Viele Absagen für die WM wegen der Corona-Krise

Organisiert wurden die globalen Titelkämpfe vom Norddeutschen Regattaverein im Allgemeinen und Sven Jürgensen im Besonderen. Im Januar hatte der Sportfotograf mit Fachgebiet Segeln die Pläne für eine WM in Hamburg auf der Bootsmesse in Düsseldorf vorgestellt. Es gab zahlreiche Anmeldungen, unter anderem aus Israel, Frankreich, Dänemark, Portugal oder Österreich. Wegen der Corona-Krise folgten allerdings zahlreiche Absagen.

Bruhn: "Im Segeln musst du parat sein"

Bruhn nutzte mit ihrem Segelpartner Ernst den Heimvorteil und nahm an der WM teil. Bereut hat sie dies nicht, wenngleich sie erkannt hat, dass das Schwimmen doch mehr Annehmlichkeiten bietet. "Am ersten Tag war es doch schon recht kalt und feucht, das ist in die Rippen reingezogen. Als Schwimmer ist man dagegen in guttemperierten Schwimmhallen unterwegs", sagte Bruhn. Aber im "Großen und Ganzen" sei das Segeln "ein toller Sport. Der Teamgeist ist enorm, auch untereinander". Herausforderung für sie sei, mit den Einflüssen des Wetters umzugehen: "Du musst geduldig sein, musst dich anpassen können und dann parat sein: Jetzt kommt der Wind, jetzt geht es los!"

"Inklusions-WM etwas ganz Besonderes für mich"

Als Vorschoterin warte sie immer darauf, "was der Skipper sagt. Das kann ich gut. Ich kann gut Befehle und Anordnungen ausführen. Ich glaube, als fünftes von fünf Kindern lernt man das schnell." Bei all ihrem Ehrgeiz, der sie zu vielen Medaillen getrieben hat, gehe es ihr vor allem um das ganze Bild. Bruhn: "Dass erstmals eine Inklusions-WM stattfindet und ich dabei sein darf, das ist etwas ganz Besonderes für mich. Das weiß ich auch zu wertschätzen."

VIDEO: Kirsten Bruhn: Vom Schwimmbecken ins Segelboot (2 Min)

Dieses Thema im Programm:

Sport aktuell | 12.10.2020 | 21:20 Uhr

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