Blick in die leere Basketball-Arena von Rasta Vechta © imago images/Nordphoto

Keine Zuschauer: Proficlubs kritisieren Politik scharf

Stand: 29.10.2020 16:39 Uhr

Die Politik hat entschieden: keine Zuschauer beim Profisport im November. Das trifft Handball-, Basketball- oder auch Eishockey-Clubs hart. Die Kritik der Vereine ist groß. Sie sehen ihre Hygienekonzepte nicht ausreichend berücksichtigt.

Frank Bohmann redete nicht lange um den heißen Brei herum. "Es ist ein Schlag ins Kontor. "Das zerstört natürlich völlig die Geschäftsmodelle der Sportarten hinter dem Fußball", sagte der Geschäftsführer der Handball-Bundesliga (HBL). "Damit müssen wir jetzt erstmal zurechtkommen und noch mal nachrechnen, wie lange wir das überhaupt aushalten können." Gleichzeitig stellte Bohman klar: "Wir haben uns entschieden, dennoch bis mindestens Weihnachten weiterzuspielen." Er hoffe, bis dahin alle Clubs durchzukriegen. "Das ist kein leeres Gerede, die Furcht und die Gefahr sind ganz konkret."

Szilagyi: "Es wird sehr hart"

Ein Spielstopp wie im Frühjahr komme für den Profi-Handball nicht infrage. "Wenn wir die Clubs für ein halbes Jahr wegschließen, würden nicht mehr viele wiederkommen", sagte Bohmann. Sie sind auf Zuschauereinnahmen angewiesen, um zu überleben. "Es wird sehr hart, deswegen müssen wir eng zusammenhalten", sagte Viktor Szilagyi. Dem Geschäftsführer des THW Kiel stößt vor allem sauer auf, dass die Hygienekonzepte der Clubs bei den Beschlüssen der Politik offenbar keine Rolle gespielt haben. "Wir sind enttäuscht und auch ein bisschen überrascht, weil wir der Meinung sind, dass wir in den letzten Heimspielen mit unserem Konzept bewiesen haben, dass wir sichere Veranstaltungen durchführen können."

THW Kiel verzichtet gegen Minden freiwillig auf Zuschauer

Im Heimspiel am Sonntag (16 Uhr) gegen GWD Minden verzichten die Kieler freiwillig auf Zuschauer. "Die Entscheidung, die uns wirtschaftlich und vor allem emotional extrem schwergefallen ist, ist auch ein Signal, dass wir als Gesellschaft in den kommenden vier Wochen alles unternehmen müssen, um das Infektionsgeschehen in den Griff zu bekommen", sagte Szilagyi. Die mehr als 1.200 verkauften Eintrittskarten verlieren ihre Gültigkeit. Szilagyi: "Es geht jetzt mehr denn je darum, Kontakte zu minimieren, und das nicht erst mit Inkrafttreten der Landesverordnung am Montag."

BBL-Chef Holz: "Kann das nicht nachvollziehen"

Die Basketball-Bundesliga (BBL) startet am 6. November mit dem Gastspiel der BG Göttingen in Ludwigsburg in die neue Saison - vor leeren Rängen. "Ich schwanke zwischen Frustration und Erleichterung. Es hätte noch schlimmer kommen können", sagte BBL-Geschäftsführer Stefan Holz, der sich Szilagyis Kritik an den Entscheidungsträgern anschloss. "Wir haben Konzepte entwickelt, sie getestet und ihnen wurde bescheinigt, dass sie exzellent seien. Und nun dürfen keine Zuschauer rein", so Holz. "Ich kann das nicht nachvollziehen. Der Sport ist kein Auslöser für die Virus-Verbreitung."

UMFRAGE
Mögliche Antworten

Der Profisport findet im November ohne Zuschauer statt. Richtig so?

DEL hofft auf Entspannung bis Ende des Jahres

Die Deutsche Eishockey Liga (DEL) betrifft der Teil-"Lockdown" nicht unmittelbar. "Es bleibt zu hoffen, dass sich die Situation bis zu unserem potenziellen Saisonstart Ende des Jahres etwas entspannt", sagte DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke. Ob Bund und Länder nach dem 30. November die Maßnahmen wieder etwas lockern, steht allerdings in den Sternen.

Tripcke denkt in dieser Ausnahmesituation aber nicht nur an die Profis. "Im Hinblick auf unseren Nachwuchs, der wie schon im März gar nicht mehr spielen und trainieren darf, sind die getroffenen Beschlüsse grausam."

Das Testturnier mit acht DEL-Clubs (11. November bis 12. Dezember), an dem auch die Grizzlys Wolfsburg und die Fischtown Pinguins aus Bremerhaven teilnehmen, wird nun auf jeden Fall erst einmal ohne Fans stattfinden - Zuschauereinnahmen Fehlanzeige. Doch Tripcke hatte zuvor bereits klargestellt, dass es keine Alternative gibt. "Wir sind an einem Punkt, wo wir sagen, wir wollen mit aller Macht spielen. Dann müssen wir kalkulieren, wie wir auch Geisterspiele finanziell dargestellt bekommen."

"Geht darum, nicht von der Bildfläche zu verschwinden"

Dass viele Handball-, Basketball- oder auch Volleyball-Clubs ohne volle Hallen in ihrer Existenz bedroht sind, ist allen klar. Für Felix Koslowski, Trainer des Frauen-Bundesligisten SSC Schwerin, geht es in dieser Situation aber um mehr: "Es geht darum, unseren Sport am Leben zu halten, präsent zu bleiben, nicht von der Bildfläche zu verschwinden."

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Dieses Thema im Programm:

Sport aktuell | 29.10.2020 | 07:25 Uhr

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