Stand: 19.02.2018 09:30 Uhr

Katrin Krabbe: Tiefer Fall einer Sprint-Königin

von Andreas Bellinger, NDR.de

Sie war die "Grace Kelly der Tartanbahn" - und wenig später Hauptdarstellerin in einem der größten (Doping-)Skandale des deutschen Sports. "Katrin Krabbe war das Aushängeschild der deutschen Leichtathletik, das Glanz auf die Sportart geworfen hat", sagt der langjährige DLV-Präsident Clemens Prokop dem NDR Sportclub. Groß geworden in der DDR, war sie das sportliche Gesicht der Wende, ein Star des vereinten Deutschlands. 1991 gewann sie in Tokio zwei Weltmeistertitel und galt als große Medaillenhoffnung für Olympia in Barcelona. Doch die Neubrandenburgerin stürzte ab, versank im Dopingsumpf und endete "auf dem Scheiterhaufen", wie der italienische "Corriere della Sera" titelte. Noch ehe die Olympischen Spiele begannen, beendete sie am 23. Juli 1992 ihre Karriere. "Sie ist hoch geflogen; für viele in Deutschland zu hoch", sagt rückblickend ihr Vater Klaus-Peter Krabbe.

Katrin Krabbe 1991 mit ihrer WM-Goldmedaille

Katrin Krabbe: Schicksalsjahre einer Sprintkönigin

Sportclub -

Sie war Weltmeisterin, stieg auf zum ersten gesamtdeutschen Star der Leichtathletik. Doch dann der Absturz. Der Sportclub hat Katrin Krabbe getroffen.

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Es ging fast nur bergauf

Im Sportforum der damaligen Bezirksstadt Neubrandenburg im ländlich geprägten Mecklenburg-Vorpommern begann der sportliche Aufstieg der am 22. November 1969 geborenen Krabbe. Ihr Trainer war schon damals, Anfang der 1980er Jahre, Thomas Springstein. Ehrgeizig war er wie die ganze Leichtathletik-Gruppe, zu der außerdem Grit Breuer und Manuela Derr gehörten. "Schon im Training das Außergewöhnliche leisten", lautete sein Credo. "Ich bin manchmal zum Training gegangen und hab' mir zwei Schmerztabletten eingeworfen, um die Einheiten überhaupt durchstehen zu können", erzählt Krabbe. Sie war schnell, brachte alles mit, was  eine Sprinterin wohl haben sollte, und wurde als 13-Jährige ins Sportinternat ihrer Heimatstadt geschickt. Es ging fast nur bergauf - bis in den Fokus einer breiten Öffentlichkeit.

"Es war schon grenzwertig"

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Krabbe mit ihrem langjährigen Trainer Thomas Springstein.

Bei den Junioren-Weltmeisterschaften im kanadischen Sudbury stürmte sie 1988 über 200 m (22,34 Sekunden) sowie in der 4x100-m-Staffel (43,48) zur Goldmedaille und stand sogleich im Blickfeld der Sport-Welt. Ein paar Wochen später folgte der nächste Quantensprung, als sie bei einem Sportfest in Ostberlin ihre Bestzeit über 100 m um sechs Zehntelsekunden auf 10,89 Sekunden schraubte. Dieser Junioren-Weltrekord war zugleich die Fahrkarte zu den Olympischen Spielen in Seoul. Im 200-m-Halbfinale war in Südkorea aber Endstation. Springstein, ihr Trainer mit den eigenwilligen wie umstrittenen Methoden, reagierte mit noch intensiverer Arbeit, zog die Schrauben weiter an, was Krabbe & Co. bis zum Anschlag gefordert hat: "Es war schon grenzwertig", so Krabbe.

Triumphläufe in Tokio

Doch der Erfolg schien dem unnachgiebigen Übungsleiter Recht zu geben. Bei den Europameisterschaften 1990 in Split gewann die Pädagogik-Studentin dreimal Gold über 100 m (10,89), 200 m (21,95) und mit der 4-mal-100-Meter-Staffel. Die Erwartungen beim letzten großen Auftritt der damals 20-Jährigen für die DDR erfüllte sie souverän. Ein Jahr später landete sie einen Doppelsieg auf den Sprintstrecken bei den ersten gemeinsamen deutschen Meisterschaften in Hannover. Locker qualifiziert, fuhr sie 1991 zu den Weltmeisterschaften nach Tokio, wo ihr der Durchbruch in die Weltelite gelang.

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Triumph in Tokio: Katrin Krabbe.

10,99 Sekunden (100 m) und 22,09 (200 m) brauchte sie für ihre Triumphläufe und ließ sich dabei weder von der US-Amerikanerin Gwen Torrence noch von Merlene Ottey aus Jamaika aus der Erfolgsspur drängen. "Ich wusste, dass ich richtig gut drauf bin. Dieses Gefühl hatte ich bei keinem anderen Lauf in meiner Laufbahn", erinnert sich Krabbe. Eine der weltweit prominentesten Sportlerinnen war sie zu der Zeit, wurde zweimal Sportlerin des Jahres in Deutschland (1990/1991), Europas Sportlerin des Jahres (1990) und von der italienischen "Gazzetta dello Sport" sogar zur Weltsportlerin des Jahres (1991) gekürt. In Wachs gab es sie auch, bis "Madame Tussauds" ihr Ebenbild im Zuge der Manipulationsvorwürfe entfernen ließ.  

Leistungssprünge schüren Misstrauen

Der sportliche Olymp lockte, aber der Stress quälte. "Irgendwann hatte ich keine Privatsphäre mehr", sagt sie. Die Fotografen ließen sie auch jenseits der Tartanbahn nicht mehr in Ruhe. "Sie hat durch ihr Auftreten und ihre optische Erscheinung, verbunden mit ihrem sportlichen Erfolg, frischen Wind in die deutsche Leichtathletik gebracht", sagt Prokop. Die schwierige Zeit des Zusammenwachsens der beiden deutschen Sportsysteme schien Krabbe ein Stück weit leichter zu machen. "Das Mädchen ist durch ihr Talent in eine Entwicklung getrieben worden", sagt der als Anti-Doping-Experte bekannte Molekularbiologe Werner Franke. Während die Leistungssprünge mit noch mehr Training, noch mehr Intensität begründet wurden, machten sich Franke und Co. ihre eigenen Gedanken.

Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 18.02.2018 | 23:35 Uhr

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